Reifen-Hersteller Michelin schließt Werk bei Berlin

Michelin schließt im brandenburgischen Oranienburg die Werkstore seiner Tochtergesellschaft. Hunderte Mitarbeiter sind betroffen. Erst im August kündigte Michelin noch Investitionen für deutsche Standorte an.

Der französische Reifen-Hersteller Michelin schließt ein Werk bei Berlin zur Wiederaufarbeitung von Lkw-Reifen. Das Werk der Tochtergesellschaft Pneu Laurent, das sich im brandenburgischen Oranienburg befindet, werde im kommenden Jahr stillgelegt, teilte der Continental -Rivale am Dienstag mit. Auch die Aktivitäten in Großbritannien und Italien würden restrukturiert. Insgesamt sei das mit Sonderkosten von etwa 280 Millionen Euro verbunden.

Pneu Laurent beschäftigt in Oranienburg ungefähr 210 Mitarbeiter. Das Werk leidet seit längerem unter der schwachen Nachfrage nach aufgearbeiteten Reifen. Zuletzt wurde im Herbst Kurzarbeit angemeldet.

Mitte August hieß es aus Unternehmer-Kreisen, dass sich Management und Arbeitnehmervertreter auf ein Paket geeinigt hätten, das neben hohen Investitionen eine deutliche Flexibilisierung der Arbeitszeit sowie den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen vorsieht. Der Zukunftspakt sei seit August in Kraft. Der Mainzer Bezirksleiter der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Walter Dörrich, bestätigte am Donnerstag die Übereinkunft und sagte: „Wir sind durchaus zufrieden mit dem Abschluss.“

Dem Bericht zufolge werden die mehr als 5500 deutschen Beschäftigten in Bad Kreuznach (1500), Bamberg (1000), Homburg (1400), Karlsruhe (1500) und Trier (110) künftig deutlich flexibler arbeiten. Demnach soll die Wochenarbeitszeit je nach Aufträgen zwischen 35 und 40 Stunden betragen; der Ausgleich erfolge über Arbeitszeitkonten. Stellenabbau, Lohnkürzungen oder insgesamt längere Arbeitszeiten seien nicht geplant.

Gewerkschafter Dörrich findet insbesondere die erzielte Arbeitsplatz- und Zukunftssicherheit der deutschen Standorte positiv. „Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2020 ausgeschlossen.“ Mit den Investitionen würden die deutschen Werke besser für die Zukunft aufgestellt. Weniger gut sei, dass neues Personal ein Jahr lang finanziell schlechter gestellt werde als die Belegschaft. „Der Arbeitsmarkt wird enger. Begehrte Fachkräfte wird man über diesen Weg nicht kriegen.“ Der französische Gesamtkonzern mit Sitz in Clermont-Ferrand ist Europas größter Reifenhersteller.

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