Eisenerz: Überproduktion und fallende Preise belasten Rohstoffbranche

Der Preis für Eisenerz ist in den vergangenen Jahren um fast die Hälfte gesunken. Im kommenden Jahr rechnen Experten mit weiteren Preisverlusten. Ende Oktober fiel er noch einmal unter die 50 Dollar pro Tonne. Doch die großen Förderer halten an ihren Produktionsmengen fest. In Australien wird gerade wieder eine neue Mine eröffnet. Immer mehr kleinere Produzenten drohen vom Markt zu verschwinden. Auch deutsche Konzerne spüren den Druck.

In dieser Woche ist der Preis für Eisenerz auf ein Vier-Monats-Tief gesunken. Zwischenzeitlich lag er bei 48,70 Dollar pro Tonne, also deutlich unter der psychologisch wichtigen 50-Dollar-Marke. Zuletzt hätten neben der weltweiten Überproduktion vor allem auch die schlechten Nachrichten aus der chinesischen Stahlbranche zum Preisverfall beigetragen, so die Tageszeitung The Australian.

Die Ratingagentur Moody’s geht davon aus, dass die Rohstoffpreise für Metalle auch im kommenden Jahr sinken könnten. „Der Abschwung in China und in Brasilien, die schwache Erholung in den USA und die schwierigen Bedingungen in Europa, werden die Metallpreise weiter unter Druck setzen“, zitiert mining.com die Agentur. BHP rechnet sogar damit, dass der Preis für Eisenerz mittelfristig auf unter 40 Dollar pro Tonne sinken könnte. Und BMI Research geht für das kommende Jahr von einem Preis von 45 bis 55 Dollar aus.

China produziert 46 Prozent des weltweiten Stahls und verbraucht über 80 Prozent des 1,3 Milliarden Tonnen umfassenden, weltweit gehandelten überseeischen Eisenerzes. Allerdings stagniert die Nachfrage seit einiger Zeit. Seit 2000 wird jährlich mehr Eisenerz produziert als nachgefragt. Im vergangenen Jahr fiel der Preis für Eisenerz um 47 Prozent, so die aktuellen Daten von LKAB (Luossavaara-Kiirunavaara Aktiebolag), Europas größtem Eisenerzproduzenten mit Sitz im schwedischen Luleå.

„Die global agierenden großen Eisenerzproduzenten werden weiterhin ihre Produktion ausbauen, um damit Konkurrenten auszuspielen“, zitiert australianmining.com.au BMI Research. „BHP Billiton, Rio Tinto und Vale haben 2014 alle von Rekordproduktionen gesprochen und wollen dies in den kommenden Monaten noch steigern.“

Die hohen Kosten für den Abbau von Eisenerz setzen viele Unternehmen unter Druck, wenn der Preis für Eisenerz weiter sinkt. Schnell kann die Produktion dann zu einem Minusgeschäft werden. Durch die Erhöhung ihrer Produktion setzen die großen Player der Eisenerzindustrie die Preise stetig unter Druck und erschweren es den Konkurrenten, den Weg weiter mitzugehen. Auch deutsche Unternehmen bekommen diesen Druck zu spüren. „Bedauerlicherweise beobachten auch unsere Kunden die Entwicklung von Rohstoff- und Energiepreisen sehr genau“, sagte Bernhard Kleinermann von der Salzgitter AG den Deutschen Mittelstands Nachrichten. „Deshalb müssen die Kostenermäßigungen insbesondere in Anbetracht der in Europa bestehenden Stahl-Überkapazitäten größtenteils an die Kunden weitergegeben werden. Wir sind und waren immer felsenfest davon überzeugt, dass Preise für unsere Produkte sich aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage ergeben. Das bedeutet, dass wir ohne das Überangebot an Stahlprodukten möglicherweise mehr vom Preisverfall profitieren könnten. Nach unserer Beobachtung ist das gegenwärtige Preisniveau für einige Bergbauunternehmen bereits problematisch. Früher oder später wird sich daher eine Marktbereinigung ergeben. Wirtschaft ist immer zyklisch, d. h. nach guten Jahren kommen auch schlechte und vice versa. Das gilt eigentlich für alles im Leben und wir müssen damit umgehen.“

ThyssenKrupp Steel Europe sieht abgesehen von den Preisnachlässen, die Kunden fordern, noch kein so großes Problem in den gesunken Preisen. Momentan werde „ein nicht unerheblicher Teil der Rohstoffpreisreduzierung durch den deutlich gesunkenen Kurs des EURO zum USD wieder aufgezehrt, da Rohstoffe fast ausschließlich in USD gehandelt werden“, sagte Erik Walner den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Sinkt der Dollar jedoch wieder im Wert, wird es problematisch. Für europäische Produzenten hängt aus diesem Grund sehr viel davon ab, wie lange die Europäische Zentralbank an ihrer lockeren Geldpolitik festhält und den Euro damit indirekt abwertet.

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