Weidmann fordert Ausstieg aus der lockeren Geld-Politik

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht keine Notwendigkeit für die EZB, weiter billiges Geld in die Märkte zu pumpen. Die Inflation sei wegen des Ölpreis-Verfalls so niedrig, die Preise steigen bereits wieder. Die Zentralbanken sollten aus der lockeren Geldpolitik aussteigen, um sich nicht zu Gefangenen der Politik zu machen.

 

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat vor zunehmenden Gefahren der großen Geldflut im Euro-Raum gewarnt. Die Wirksamkeit der ultralockeren Geldpolitik nehme mit der Zeit ab, gleichzeitig würden Risiken und Nebenwirkungen wachsen, sagte Weidmann dem Tagesspiegel. „Hier denke ich zum Beispiel an Übertreibungen auf den Finanzmärkten und an die Probleme für Lebensversicherungen.“ Einer möglichen Ausweitung der Geldflut zur Bekämpfung der nach Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) gefährlich niedrigen Inflation steht der Bundesbank-Präsident skeptisch gegenüber.

Die EZB will im Dezember über eine Ausweitung ihres bereits auf über eine Billion Euro angelegten Anleihenkaufprogramms entscheiden. Dann werden dem Währungshüter neue Inflations- und Konjunkturprognosen ihrer Stäbe vorliegen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte mehrfach betont, wenn nötig werde die EZB alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um die Inflation zu bekämpfen. Im Oktober waren die Preise in der Euro-Zone stagniert – im September waren sie sogar um 0,1 Prozent gefallen. Die EZB strebt aber mittelfristig knapp unter zwei Prozent Inflation an, was sie als optimal für die Wirtschaft erachtet. Fallen Preise hingegen auf breiter Front, kann das eine Wirtschaft auf Jahre lähmen.

Doch Bundesbank-Präsident Weidmann sieht in der Mini-Inflation vor allem eine Folge der sehr niedrigen Ölpreise. Insofern sei sie ein vorübergehendes Phänomen. „Hinzu kommt, dass im Euro-Raum die günstiger importierte Energie die Kaufkraft von Unternehmen und Verbrauchern stärkt. Die Firmen können mehr investieren, die Konsumenten mehr kaufen, das stützt bereits die Nachfrage,“ sagte er der Zeitung. Würden Elemente wie die Energiepreise herausgerechnet, liege die Inflation bei einem Prozent. „Und mittelfristig steigen die Preise wieder stärker, wie alle derzeit vorliegenden Prognosen zeigen.“

Die Notenbanken dürften nicht zum Gefangenen der Politik werden, warnte Weidmann: „Wir Notenbanker müssen aus der expansiven Geldpolitik aussteigen können, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.“ Dies gelte auch dann, wenn sich die Politik daran störe, weil dadurch die Zinslasten für die Staatsschulden zunehmen. Mit EZB-Chef Draghi stimme er überein, dass zur Bewältigung der Krise vor allem Strukturreformen in den betroffenen Ländern notwendig seien. „Denn es geht ja nicht nur um konjunkturelle Probleme, sondern um Fehlentwicklungen und Übertreibungen, auch im Finanzsektor.“

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. kitty sagt:

    Lächerliche Alibi-Kommentare, die längst keiner mehr ernst nimmt.

    Aber später kann man dann ja sagen, wir waren dagegen…

  2. Dieter von Haag sagt:

    Der Mann ist auch nicht so dämlich wie ihn manche hinstellen. ist wie bei der Abwrackprämie. Hatte 2009 ein Ford Focus Bj. 2002, andere hatten ihren Wagen der nur 2 Jahre älter war abgegeben, um ihn abzuwracken. Hätte ich mein Ford Focus Bj. 2000 und ich hätte ihn gegen ein Ford Fiesta MK7 getauscht.
    = Neuwagen +12000 Euro – Altauto -2500 Euro = 9500 Euro.
    Und was habe ich gemacht.
    Ford Focus bis 2014 weitergefahren, Mehrkosten an Reparaturen 700 Euro in der Zeit, bei 25000km im Jahr OK.
    Dann der Nachfolger, gleiches Auto wie 2009 ( nur Facelift ):
    = Neuwagen 8300 Euro – Altauto n. Afrika 700 Euro = 7600 Euro.
    Das alte Auto 5 Jahre länger gefahren und für ein jetzt 5 Jahre neueres Auto 1900 Euro gespart. Ford = Wir sind gezwungen jetzt billiger zu verkaufen, weil der Hof ist so Voll wie nie. Und das habe ich der Abwrackprmie auf jeden Fall zu verdanken.
    Dank der Niedrigzinspolik wird es auch andere Wirtschaftsblasen treffen, das weis der Bundesbankchef ganz genau. Die EZB macht jetzt der Privatwirtschaft Konkurrenz die ihr Geld jetzt erstrecht außerhalb des Euroraumes anlegen. Und das verschärft Krisen in der Zukunft.