Saudi-Arabien setzt auf Ölpreisverfall

Saudi-Arabien will an den niedrigen Ölpreisen festhalten und schließt einen weiteren Verfall nicht aus. Das Königreich will durch diese Politik vor allem Russland und den Iran schwächen. Doch dabei erleidet das Land selbst hohe Einnahmeverluste.

Saudi-Arabien will an seinen Ölfördermengen festhalten, um seinen weltweiten Marktanteil sichern zu können. Damit wird es offenbar in naher Zukunft keine Erholung der Ölpreise geben. Stattdessen könnte das Land die Fördermengen weiter erhöhen. „Wir müssen den Markt nur seinen Job machen lassen“, zitiert die Financial Times Khalid al-Fatih, Vorsitzender der staatlichen Saudi Arabian Oil Company (Saudi Aramco).

Der Ölpreis ist seit November 2014 von 115 Dollar pro Barrel auf 50 Dollar pro Barrel zurückgegangen. Dabei macht die Ölpolitik des Königreichs haushaltspolitisch keinen Sinn. Denn der Rückgang der Einnahmen aus den Ölverkäufen hat die Wirtschaft des Landes in eine Krise gestürzt. Das diesjährige Haushaltsdefizit beträgt 20 Prozent des BIPs und wird derzeit aus den Währungsreserven des Landes finanziert. Zudem wurden Infrastrukturprojekte verschoben und die Privatwirtschaft ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Nach Angaben des IWF wird Saudi-Arabien eine Haushaltskonsolidierung nicht gelingen. Bis zum Jahr 2020 könnte das Königreich zahlungsunfähig werden. Die internationalen Finanzmärkte bleiben nicht unberührt von dieser Entwicklung. Denn Saudi-Arabien hat die Märkte über Jahrzehnte hinweg mit Liquidität versorgt. Durch den Verkauf von Öl nahm das Land Petro-Dollar ein und investierte das Geld in den Ankauf von US-Staatsanleihen, hochverzinslichen Unternehmens-Anleihen, Aktien, Immobilien oder auch als Einlagen an Banken. Diese Investitionen fallen derzeit geringer aus.

Saudi-Arabien hält den Ölpreis bewusst niedrig, um Russland und den Iran zu schwächen. Seit dem drastischen Ölpreisverfall hat der russische Rubel aufgrund der Einnahmeverluste beim Ölgeschäft an Wert verloren. Die Verbraucherpreise in Russland sind massiv angestiegen. Der Iran hingegen exportiert sein Öl nach Asien. Dem Land fallen durch den Ölpreisverfall überlebenswichtige Einnahmen weg.

Sollte die Rechnung Saudi-Arabiens aufgehen, könnten die Scheichs nicht mehr als einen Pyrrhussieg einfahren.

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