DFB-Präsident Niersbach zurückgetreten

Wolfgang Niersbach ist als DFB-Präsident zurückgetreten. Er übernehme im Zuge der WM-Affäre die „politische Verantwortung“, sagte Niersbach am Montag nach einer Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach tritt zurück. Er ziehe damit die Konsequenzen aus den Ermittlungen in der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006, sagte Niersbach am Montag. „Um diesen DFB und das Amt zu schützen, trete ich schweren Herzens als DFB-Präsident zurück.“

In einer persönlichen Erklärung wies Niersbach jedwedes Fehlverhalten in den Bereichen zurück, für die er vor der WM 2006 zuständig war. „In den mir zugeteilten Bereichen Marketing, Medien, Akkreditierungen und Veranstaltungsorganisation kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich mir persönlich absolut nichts vorzuwerfen habe.“ Allerdings sei er vor wenigen Wochen mit Vorgängen konfrontiert worden, in die er damals nicht einbezogen gewesen sei und die auch für ihn viele Fragen offenließen, erklärte Niersbach. „Ich bleibe dabei und möchte noch einmal unmissverständlich klarstellen, dass ich von den Hintergründen der im Raum stehenden Zahlungsflüsse keinerlei Kenntnis hatte. Umso schwerer ist mir die Entscheidung gefallen, die politische Konsequenz daraus zu ziehen.“ Er werde auch nach seinem Rücktritt „alles für eine umfassende Aufklärung der Vorgänge beitragen“.

Niersbach sagte wörtlich:

„Ich habe am heutigen Tage die Entscheidung getroffen, mit sofortiger Wirkung vom Amt des DFB-Präsidenten zurückzutreten. Nicht, weil das Präsidium des DFB oder auch die Versammlung der Regional- und Landesverbände mir das Vertrauen entzogen hätten, sondern weil ich für mich erkannt habe, dass der Punkt gekommen ist, die politische Verantwortung zu übernehmen für Ereignisse rund um die WM 2006, wo ich mich selber in der Verantwortung fühle und auch selber bis heute sage, ich habe dort absolut sauber und gewissenhaft gearbeitet. Aber es sind Dinge passiert, die auch in den letzten Tagen erst aufgedeckt wurden, die mich dazu veranlassen, zurückzutreten, im Sinne einer politischen Verantwortung. Das Amt des DFB-Präsidenten darf damit nicht belastet werden. Und es geht auch um meine persönliche Reputation – aber das Amt steht über der Person. Deshalb die Entscheidung heute, die mir unglaublich schwer gefallen ist. Ich habe über 27 Jahre für den DFB gearbeitet. Der DFB ist für mich mehr als ein Job gewesen. Immer Herzensangelegenheit. Und gerade die wunderbare WM 2006, dieses Sommermärchen, war für mich ein Highlight in meinem beruflichen Leben, das ich nie vergessen werde. Umso bitterer ist es elf Jahre später zu erfahren, dass dort offenbar Dinge passiert sind, von denen auch ich keine Kenntnis hatte. Ich werde auch alles dazu beitragen, das restlos aufzuklären. Diese Aufgabe und dieses Versprechen bleibt.“

Bundestrainer Joachim Löw hat «sehr betroffen» auf den Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach reagiert. Der 55 Jahre alte Löw erfuhr von der Nachricht am Montagabend im Kreise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in München. Er sei „überrascht und sehr traurig“, sagte Löw in einer ersten Reaktion vor dem Teamhotel. „Unabhängig von allen juristischen Fakten, die es gibt, denke ich einfach, dass der Wolfgang ein fantastischer Mensch war und ein fantastischer Präsident für uns“, erklärte der Bundestrainer.

„Er hat den Fußball geliebt. Er hat für den Fußball alles getan. Er war für uns jederzeit ein hervorragender Ansprechpartner. Deswegen tut es mir persönlich sehr, sehr leid, dass er zurückgetreten ist“, sagte Löw. Der Bundestrainer hatte mit Niersbach während dessen dreieinhalbjähriger Amtszeit als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Der größte Erfolg der gemeinsamen Arbeit war der Gewinn des WM-Titels im vergangenen Jahr in Brasilien.

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