Schwache Industrie: Israel setzt auf Hightech-Branche

Neue, offenere Visaregelungen sollen mehr Technologie-Unternehmen und deren Gelder nach Israel locken. Die Technologiebranche des Landes soll ausgebaut werden, während die klassische Industrie unter dem Abschwung in vielen Ländern leidet.

Angesichts schwindender Nachfrage und Produktion in der Metallindustrie und in der Baubranche setzt die israelische Regierung nun vermehrt auf die Digitalisierung. Der Technologiestandort des Landes soll gestärkt werden. Im Oktober wurde eine entsprechende Verordnung unterzeichnet, die die Visabestimmungen für ausländische Investoren verbessern soll. So sollen die Aufenthaltsgenehmigungen 24 Monate laufen und verlängerbar sein.

Je nachdem ist es möglich, auch ein so genanntes Innovationsvisum oder ein Expertenvisum zu beantragen. „Sollte sich ein Visumsinhaber entschließen, eine Start-up-Firma in Israel zu gründen, wird ihm ein Expertenvisum für eine zusätzliche Zeitspanne ausgestellt“, berichtet Germany Trade Invest (GTAI). Inhaber eines Expertenvisums dürfen auch ein Arbeitsentgelt beziehen. Wirtschaftsminister Aryeh Deri merkte an, dass damit die Israels Position in der Welt gestärkt werde. Ferner hoffe man, dass ausländische Unternehmer ihr Wissen und ihre Erfahrung auf zahlreichen Gebieten einbringen werden, inklusive Bereichen, in denen Israel über keine eigene Expertise verfüge.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die neue Zusammenarbeit zwischen dem Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie SIT und der Hebräischen Universität in Jerusalem. Das Fraunhofer Project Center for Cybersecurity in Jerusalem „soll die führende Einrichtung für angewandte Cybersicherheitsforschung sowohl in Israel als auch weltweit werden“, so das Fraunhofer Institut. „Die neue Partnerschaft stärkt die Forschungszusammenarbeit zwischen Israel und Deutschland“, sagte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier anlässlich der Gründung des Zentrums. „Beide Staaten haben eine hohe Kompetenz in der Cybersicherheitsforschung und -entwicklung.“ Cybersicherheit werde immer wichtiger für beide Länder, um die sicherheitspolitischen Herausforderungen zu meistern, die durch die Digitalisierung unserer Gesellschaft entstehen.

Israel hat sich auf dem digitalen Markt bereits einen Namen gemacht. Dem israelischen Exportinstitut zufolge lagen die Israelischen Exporte von Cybertechnologie im vergangenen Jahr bei etwa drei Milliarden Dollar. 2,5 Milliarden davon gingen in die USA. Hong Kong sollte vom Erfolg Israels bei der Entwicklung seiner Hightech-Technologiebranche lernen, sagte zuletzt auch der Regierungschef Hong Kongs, Leung Chun-ying. Während sich das chinesische Festland auf die Produktion konzentriert, könnte Hong Kong die Forschung und Entwicklung der Hightech-Technologie forcieren.

Die israelische Konzentration auf die Hightech-Technologie kommt nicht von ungefähr. Abgesehen von der zunehmenden Bedeutung in der Wirtschaft, in der Gesellschaft und auch in der Kriegsführung, könnte die Hightech-Technologie den Abschwung in den klassischen Wirtschaftsbranchen abfangen. Vor allem in der Metallindustrie gibt es Schwierigkeiten. Die Metall- und Elektronik machen der israelischen Industrievereinigung zufolge der 25 Prozent der Industrieproduktion aus.  „In den Jahren 2012 bis 2014 gab das Auslandsgeschäft der Halbwarensparte um 23,4 Prozent nach, 2015 setzt sich der Sinkflug fort, so GTAI.

In den ersten acht Monaten des Jahres gingen die Ausfuhren um 15,9 Prozent zurück. Falls sich an diesem Trend nichts ändere, werden die Exporte von Metallhalbwaren 2015 bei nur noch der Hälfte des Standes von 2011 liegen. Rund 2.755 Unternehmen waren im vergangenen Jahr in der Metallindustrie aktiv. Fast 80 Prozent davon hatten maximal 20 Mitarbeiter. Und nicht nur die Exporte sind gefallen, auch die Einfuhr geht zurück.

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