EU-Behörde: Glyphosat wahrscheinlich nicht krebserregend

Die Diskussion um Glyphosat nimmt kein Ende. Nachdem das Bundesinstitut für Risikobewertung in die Kritik geriet, weil es Glyphosat nicht als wahrscheinlich krebserregend einstufte, gibt die EU-Behörde dem deutschen Institut nun Recht. Es sei unwahrscheinlich, dass Glyphosat eine krebserregende Gefahr sei.

Das auch in Deutschland großflächig eingesetzte Pflanzenschutzmittel Glyphosat steht seit Langem in der Kritik. Am Donnerstag hat die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) in Parma das Mittel als wahrscheinlich nicht krebserregend beurteilt und damit der laufenden Neuzulassung Rückenwind gegeben. Entscheiden müssen am Ende die EU-Kommission und die EU-Staaten – Kritiker fordern sie zur Blockade auf.

„Den Schlussfolgerungen des Berichts zufolge ist es unwahrscheinlich, dass Glyphosat eine krebserregende Gefahr für den Menschen darstellt“, erklärte die Efsa. Daneben sei die Substanz auch „wahrscheinlich nicht genotoxisch“, also schade wahrscheinlich nicht der DNA, die die Erbinformationen enthält.

Kritiker warnen dagegen seit Jahren vor möglichen Gesundheitsgefahren durch Glyphosat, beispielsweise Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Vor allem aber hatte sogar die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) eine Gefährdung festgestellt. Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Agentur urteilte im März, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“ sei.

Die Efsa griff die IARC nun indirekt an. Diese habe nicht nur Glyphosat allein, sondern auch in Verbindungen mit anderen Stoffen bewertet und die Ergebnisse davon in das Gesamturteil einfließen lassen. Darüber hinaus habe die Efsa „mehr wissenschaftliche Erkenntnisse“ als die IARC berücksichtigt.

Auch die Deutung von Tierversuchen ist zwischen den Experten strittig. Die Efsa bezieht sich auf neun Langzeitstudien mit Ratten. Die Efsa-Untersuchung, an der auch Experten aus den EU-Staaten mitwirkten, stufte deren Ergebnisse als eher beruhigend ein: Es sei keine wesentliche Zunahme von Tumoren festgestellt worden. Die IARC hatte dies laut Efsa aber anders gesehen.

Auf Grundlage ihrer Bewertung schlug die Efsa zwei Grenzwerte vor. Bei dem einen handelt es sich um die akute Referenzdosis, also die Dosis, die ein Verbraucher ohne Sorge zum Beispiel bei einer Mahlzeit aufnehmen darf. Das andere ist die Aufnahmemenge, die ohne Bedenken bis zum Lebensende pro Tag aufgenommen werden kann. Für beide schlägt die Efsa 0,5 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm Körpergewicht vor.

Die akute Referenzdosis wäre neu. Hierfür existiert noch kein Grenzwert. Für die tägliche Aufnahmemenge gibt es dagegen schon einen Wert, der bisher bei nur 0,3 Milligramm liegt. Die Efsa begründet die vorgeschlagene Erhöhung damit, dass sich die Rechtsgrundlage verändert habe. Bisher habe die tägliche Aufnahme keinerlei Effekt im Körper bewirken dürfen, weder negativ noch positiv. Neuerdings dürfe die Aufnahme lediglich keinen gesundheitsschädlichen Effekt bewirken.

Die Efsa-Stellungnahme traf umgehend auf Kritik:

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner erklärte zusammen mit Fraktionschef Anton Hofreiter, dass die Efsa Warnungen von Experten nicht genügend berücksichtigt habe. „Vollkommen unbegreiflich ist, warum die EFSA in der aktuellen Situation auch noch vorschlägt, die zulässige tägliche Glyphosat-Aufnahmemenge um zwei Drittel zu erhöhen“, erklärte Ebner.

Auch Foodwatch äußerte Kritik. Solange die Wissenschaft „keine eindeutigen Antworten“ liefere, müsse politisch entschieden werden, verlangte die Verbraucherschutzorganisation: „Die Europäische Kommission muss dem Vorsorgeprinzip Rechnung tragen und Glyphosat die Zulassung entziehen.“

Die Stellungnahme der Efsa ist Grundlage für die EU-Kommission. Diese muss bis Juni 2016 zusammen mit den EU-Mitgliedstaaten über die Neuzulassung von Glyphosat entscheiden. Ein Kommissionssprecher sagte am Donnerstag, die Efsa-Stellungnahme werde „sorgfältig“ geprüft.

Kommentare

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  1. Alfred Beer sagt:

    Achtung Breaking News aus Amerika:

    Wie eine neue aktuelle Studie aus Amerika zeigt.
    Rauchen ist wahrscheinlich doch nicht schädlich bzw.krebserregend !!

    Wir danken den Unterstützern die diese Studie überhaupt möglich gemacht haben.
    Besonderer Dank an die Fima Marlboro für die finanzielle Unterstützung.

  2. matthus sagt:

    Das ist nur ein Vorgeschmack auf das von Brüssel und auch von der „Berliner Käseglocke“ angestrebte Transatlantik- Handelsabkommen (TTIP).
    Dies sollte jeder Bürger immer im Auge behalten!

  3. Alex sagt:

    Sämtliche Argumente der Efsa lesen sich vosichtig ausgedrückt, dumm-dreist, und vermitteln eindrucksvoll, welche Art Menschenschlag mittlerweile über uns regiert.
    Nichts anderes erwartete ich von den EU-Schauspielern, sie werden der Giftmühle Monsanto schon wieder zu gewohnten Profiten verhelfen. Wie konnte jemand ernsthaft glauben, das Zeug würde tatsächlich bald schon keinen Schaden mehr anrichten?
    Besonders bemerkenswert ist der zweite Grenzwert, der also sicherstellt, dass ich jeden Tag die meiner durchschnittlichen Lebenserwartung entsprechende, gerade noch ungiftige Menge zu mir nehmen darf. Ist ja toll, so ist gleichzeitig sichergestellt, dass keiner länger lebt als er der Meinung unserer Eliten nach soll. Und da wäre ja auch noch der Gewinn für`s Rentensystem, und so, aber das sind Details.

    Drum merk dir Michel, wann immer du irgendwo einen Grenzwert siehst, tue alles um vom begrenzten Stoff nur die tatsächlich ungiftige, unschädliche Menge zu dir zu nehmen! Sie beträgt ganz genau 0,0000 von was auch immer. Ist doch logisch, sonst müssten sie es gar nicht erst begrenzen.
    Grenzwerte haben insbesondere den Zweck, die Folgen der Gifte auf Jahre und Jahrzehnte zu strecken, zu verzögern, und zu verschleiern, damit die Schuldigen nicht belangt werden können.

    • Ernesto sagt:

      Naja, Grenzwerte machen schon Sinn. Bereits Paracelsus soll gesagt haben, dass die Menge das Gift macht. Nehmen wir z.B. die Sonne, auch hier bekommen sie nach einem zu langen Sonnenbad einen Sonnenbrand … aber ohne Sonnenlicht auf der Haut einen Vitamin-D-Mangel. Und so ist es fast überall. Stoffe, die der Körper in hoher Menge nicht so schnell aus dem System ausscheiden kann, werden zum Problem … siehe Alkoholvergiftung oder was auch immer. Und mit der Aufnahme von Giften bekommt der Mensch Krebs und sein Erbmaterial degeneriert (Reproduktion).

      Die EFSA, also die EU-Behörde zur Vertretung der Großindustrie, ist eine Witznummer. Die verantwortlichen Personen verstecken sich hinter dieser Organisation. Man müsste eine Privathaftung einführen … und wenn Personen später Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann, dann müssen sie eben mit ihrem Privatvermögen dafür gerade stehen. Dafür, dass sie Millionen von Bürger ins Verderben führen ist dieses Strafausmaß eh noch milde.