Russland-Sanktionen belasten Österreichs Wirtschaft

Die österreichische Exportwirtschaft muss in diesem Jahr mit erheblichen Rückgängen bei den Ausfuhren in die Schwellenländer rechnen. Neben der wirtschaftlichen Abkühlung in China und der Rezession in Brasilien belasten vor allem die anhaltenden Russland-Sanktionen die österreichischen Unternehmen.

Die österreichische Wirtschaft muss weiter auf den ersehnten Aufschwung warten. Während die Nachfrage aus der EU und dem Euroraum nur marginal wachse, wirke die „Flaute in den wichtigsten Schwellenländern“ dämpfend, so das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) in seiner aktuellen Analyse. In den ersten acht Monaten 2015 sanken die Exporte in die Schwellenländer – insbesondere jene nach Russland. Lediglich die wachsende Nachfrage aus den USA kann die Exportwirtschaft des Landes derzeit vor starken Einbrüchen bewahren.

Ein Ende der lockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed könnte aber auch diesen Puffer schneller verschwinden lassen, als den Exporteuren lieb ist. Da der inländische Konsum derzeit abnimmt, könnte Österreichs Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den kommenden Monaten erneut unter Druck geraten. „Weder der Rückgang der Energiepreise noch die nahende Entlastung der Haushaltseinkommen durch die Steuerreform konnten bislang den privaten Konsum stimulieren“, so die WIFO. Das Konsumentenvertrauen sei unter die in den letzten Jahren beobachteten Tiefstwerte gesunken.

Seit dem vergangenen Jahr kämpft Österreich mit den Folgen der Russland-Sanktionen. 13 Jahre stiegen die Ausfuhren nach Russland stetig und bis 2013 auch im großen Umfang, doch nun sind diese rückläufig. Lagen die Exporte 2013 noch bei 3,472 Milliarden Euro, waren es 2014 nur mehr 3,194 Milliarden Euro. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Importen. Die Einfuhren aus Russland gingen von 3,189 Milliarden Euro (2013) auf 2,295 Milliarden Euro (2014) zurück, so die Wirtschaftskammer Österreich.

Nach einem russischen BIP-Wachstum von 0,6 Prozent im vergangenen Jahr wird mit einem Minus von 3,8 Prozent für 2015 und mit -0,6 Prozent für 2016 gerechnet. Aufgrund der Sanktionen sind vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und China gewachsen. China ist derzeit das wichtigste Importland und das zweitwichtigste Exportland.

Wie stark die Ausfuhren 2015 zurückgegangen sind, ist noch nicht genau zu benennen. Werden die Sanktionen jedoch auch im kommenden Jahr aufrechterhalten, werden etliche österreichische Exportunternehmen unter Druck geraten. Ende 2015 läuft nämlich die im Rahmen der Internationalisierungs-Offensive „go international“ initiierte Sonderunterstützung vorerst aus. 2,5 Millionen hatte die österreichische Regierung zur Verfügung gestellt, um Unternehmen zu unterstützen, die von den Russland-Sanktionen und der Ukraine-Krise betroffen sind. „Bisher gab es bereits 308 Anträge für Spezial Export-Schecks für Fernmärkte, gestellt von 127 Unternehmen. Davon haben bereits 105 Unternehmen eine Genehmigung bekommen“, so das Bundesministerium für Wirtschaft, Forschung und Wirtschaft.

Österreichs Exportunternehmen sind sehr wichtig für die Wirtschaft des Landes. 2014 waren 50.000 Unternehmen im Export tätig. Für 2015 rechnet das Ministerium mit einem Anstieg der exportorientierten Unternehmen auf 51.500. Der Anteil der Exporte am BIP des Landes lag bei 53,6 Prozent. Vor allem Maschinen und Fahrzeuge werden exportiert.

Mitte des Jahres hatte das WIFO-Institut bereits vor einem Verlust von 45.000 Jobs in Folge der Russland-Sanktionen gewarnt. Sollten die Sanktionen noch einmal verschärft werden, könnte der Export nach Russland um ein Viertel einbrechen. Das entspricht einem Verlust der Bruttowertschöpfung in Höhe von 2,9 Milliarden Euro.

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