Bedrohlich hohe Insolvenzzahlen in der Schweiz

In den meisten europäischen Ländern geht derzeit die Zahl der Insolvenzen zurück. In der Schweiz ist die Entwicklung gegenläufig. Hier steigt die Zahl der Unternehmen, die pleitegehen, sehr stark. Neben der Baubranche stehen auch die Papier- und die Textilbranche unter Druck

Immer mehr Schweizer Firmen müssen Konkurs melden. Allein im Oktober zählte der Wirtschaftsdienst Bisnode 409 insolvente Firmen. Das ist gegenüber dem Vorjahresmonat eine Zunahme um 16 Prozent. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Monate fort. Zusätzlich zu der steigenden Zahl der Insolvenzen gab es weniger Neugründungen von Unternehmen.

Während in vielen europäischen Ländern die Zahl der Insolvenzen abgenommen hat, stiegen die Pleiten in den ersten zehn Monaten des Jahres um acht Prozent auf 3.639 Unternehmen. Einzig im Kanton Tessin wurden in dieser Zeit weniger Insolvenzen als im Vorjahreszeitraum gemessen. In der Nordwestschweiz (+27 %) und in der Zentralschweiz (+15 %) war die Zunahme der Pleiten am größten. Vor allem im Gastgewerbe, in der Baubranche und im Handwerk kam es vermehrt zu Insolvenzen. Aber auch in der Textilbranche gerieten angesichts der Währungsschwankungen zahlreiche Unternehmen in die Krise. Mehr als 30.000 Arbeitnehmer kommen dadurch in Bedrängnis, zumal Pleiten oft auch andere Unternehmen in Schwierigkeiten bringen.

Der Einkaufstourismus ins europäische Ausland, die Kostenreduktionen bei vielen Firmen aufgrund des starken Frankens und die Abkühlung in den Schwellenländern hat den Druck auf die Schweizer Unternehmen erhöht. Gleichzeitig ist es sehr wahrscheinlich, dass diese drei Problemfelder sich auch in den kommenden Monaten nicht schnell beseitigen lassen werden. Sollte es in der Schweiz tatsächlich zu einem Platzen der Immobilienblase kommen, wird die Baubranche zudem noch stärker unter Druck geraten. Der UBS zufolge gibt es in der Schweiz mittlerweile 17 Gefahrenregionen. Hierzu gehören unter anderem Zürich, Zug, Luzern, Basel-Stadt, Morges und Davos. Unter Beobachtung stehen derzeit neun Regionen.

Darüber hinaus führt auch der steigende Wettbewerb zu Umwälzungen. Die Schweizer Uhrenindustrie beteiligt sich erst nach und nach an Entwicklungen auf dem Markt der Smartwatches und die Möbelbranche des Landes wird von zahlreichen Online-Geschäften und großen Möbelhäusern wie Ikea und Conforma in die Mangel genommen. Die zehn größten Möbelhäuser in der Schweiz haben dem Verband Schweizer Möbelhandel und -industrie zufolge schon heute einen Marktanteil von 75 Prozent.

Kommentare

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Die Schweiz hatte in der jüngeren Vergangenheit eine, sichtbar, von vielen beneidete
    Wirtschaftsentwicklung. Das mit dem Wechselkurs ist lediglich EIN Faktor.
    Das Wachstum ist in hohem masse in den Bereichen Dienstleistungs sowie Bauwirtschaft
    zu beobachten.Im Bereich realproduktieve Faktoren, Industiebereich, ist das Wachstum Proportional deutlich kleiner ausgefallen.Eine erhebliche Verschiebung zu gunsten des Dienstleistungssektors.Zb.der Bausektor wurde aus der Geldschöpfung sowie Kapitalzufuhr gespeist.Im Bereich Dienstleistungssektor ist die Analyse etwas komplexer.
    ( Nicht in einem Kommentar abhandelbar.)
    Kernfazit: Die Schweiz hat sich in den Bruttovolumina erheblich “Überfressen“.
    Absehbar das wird Volgewirkung entfalten.Eine breite “Palete“ von Domino, Volgeerscheinungen. Steigende ,Sozialkosten,sinkende Realeinkommen,sinkende Investitionen,sinkende Kauf- Konsumkraft, steigende Staats- Haushalts- Belastung.
    Der aktuell hohe Wechselkurs ist lediglich die Korrekturbewegung für einen vorangegangenen längeren zu tiefen Wechselkurs im Verhältnis zur Realwirtschaftlichen,Proportionalen,Brutto- Wirtschaftsleistung.
    Abschliessend: Wirtschaft beinhaltet halt deutlich mehr als ,,nur,,schöne Bilanzen.
    Freundliche Grüsse

  2. Jürgen Kunz sagt:

    Diese Entwicklung war voraussehbar und hängt in erster Linie mit der Überbewertung des Franken zusammen, der eben auch eine Fluchtwährung für verunsicherte Eurobesitzer ist.
    Da der Versuch der Schweizer Notenbank, den Franken durch Fremdwährungsankauf unten zu halten, gescheitert ist, darf man gespannt sein, wie Bern aus dieser Situation wieder herauskommt.
    Vielleicht wachsen in Brüssel und in Frankfurt aber auch die Fantasien über einen möglichen Beitritt der Schweiz zur europäischen Schuldenunion.
    Aber dann müssten die Schweizer ihren Goldschatz, alles Ersparte etc. in diesen Moloch einbringen. Das deutsche Geldvermögen ist gerade am versickern. Begehrlichkeiten gibt es genug und die Schweiz weiß das.