Deutsche Internetwirtschaft wird zum Wachstumsmotor

Mit zweistelligen Wachstumszahlen hat die deutsche Internetwirtschaft deutlich aufgeholt. Bis 2019 soll sich der Umsatz der Branche mehr als verdoppeln. Industrie 4.0 spielt bei der Bedeutung des Sektors genauso eine wichtige Rolle wie die immer stärker in unseren Alltag vordringenden Smartphones, mit denen wir mittlerweile auch einkaufen und bezahlen.

„Das Internet ist inzwischen ein wesentlicher Faktor entlang der gesamten Wertschöpfungskette geworden“, sagt Wirtschaftsminister Gabriel. „In der Produktion, im Handel und im Dienstleistungssektor funktioniert ohne ein möglichst leistungsfähiges Netz fast nichts mehr.“ Das macht sich im Auftrieb der Internetwirtschaft bemerkbar. Doch das Potential ist noch lang nicht ausgenutzt. Zahlreiche Optimierungen auf der Konsumenten und Entwicklerseite können die Wertigkeit der deutschen Internetwirtschaft noch erheblich steigern, wie eine aktuelle Studie zur deutschen Internetwirtschaft 2015 – 2019 vom eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. und der Unternehmensberatung Arthur D. Little zeigt.

In diesem Jahr lag das Marktvolumen der deutschen Internetwirtschaft bei 72,6 Milliarden Euro und ist damit 2,5 Prozent schneller gewachsen als vor zwei Jahren noch prognostiziert. Diese Entwicklung wird sich der Studie zufolge in den kommenden Jahren fortsetzen. Mit einem jährlichen Wachstum von rund 12 Prozent bis 2019 soll das Umsatzniveau auf 114 Milliarden Euro im Jahr 2019 anwachsen. „Damit bleibt die Internetwirtschaft in den kommenden Jahren auch weiterhin eine der dynamischsten Industrien in Deutschland“, so die Autoren der Studie.

Der eco-Verband teilt dabei die Internetwirtschaft in vier Bereiche auf: Network, Infrastructure & Operations (Layer 1) beispielsweise umfasst Akteure, die einen stationären oder mobilen Zugang zum Internet ermöglichen, indem sie Übertragungswege und Zugangspunkte bereitstellen. Services & Applications (Layer 2) baut auf der Netzwerkinfrastruktur auf und ermöglicht die Bereitstellung vielfältiger Dienste und Inhalte für Unternehmen und Privatpersonen im Internet. Der Bereich Aggregation and Transaction (Layer 3) umfasst Akteure, die teilweise die Dienste der Ebenen 1 und 2 nutzen, „um Inhalte der nachgelagerten Ebene 4 zu aggregieren und zugänglich zu machen. Außerdem sind sie verantwortlich dafür, Transaktionen mit anderweitigen Produkten anzubahnen und durchzuführen“. Und die Ebene des Paid Content (Layer 4) umfasst Akteure, die Inhalte generieren oder von anderen erwerben und diese zur Vermarktung etc. bereitstellen.

Das stärkste Wachstum erwarten die Forscher für den Bereich der Aggregation und Transaction. Hier wird mit einem jährlichen Wachstum von 13 Prozent gerechnet. „Für das Jahr 2019 gehen wir hier von einem Gesamtvolumen von über 70 Mrd. Euro aus, was mehr als 60 Prozent des Gesamtumsatzes der deutschen Internetwirtschaft entspricht.“ Mit den Segmenten E-Commerce B2B und E-Commerce B2C besitzt dieser Bereich momentan das größte Potential.

„Die Digitalisierung betrifft jedes einzelne Unternehmen und alle Branchen, während es ungeahnte Chancen für weltweites Wachstum eröffnet. Schon heute arbeiten rund eine Million Menschen in der deutschen Digitalwirtschaft1 “, wird Philipp Justus von Google in der Studie zitiert. Eine der größten Herausforderungen ist das Thema Smartphone für Justus. „Dies wird deutlich, wenn man betrachtet, dass allein in den letzten drei Jahren die MultiScreen-Mediennutzung der Deutschen um 500 Prozent gestiegen ist.“

Wie groß das Potential der deutschen Internetwirtschaft ist, zeigt ein Vergleich mit den Wachstumszahlen aus anderen deutschen Wirtschaftsbranchen. „Geht man von einem anhaltenden Wachstum aller Sektoren auch in der Zukunft aus, würde die Internetwirtschaft die Automobilindustrie (gemessen an der deutschen Inlandsversorgung) im Jahr 2028 überholen.“ Und bis 2019 soll demzufolge auch die Zahl der Beschäftigten von 243.000 auf 332.000 steigen (+ 8 %). „Das digitale Ökosystem ist das Modell der Zukunft, weshalb jedes Unternehmen, das auch künftig wettbewerbsfähig bleiben will, ein Teil der Internetwirtschaft sein sollte“, sagt Hartmut Thomsen von SAP).

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