Deutschland verliert den Gründergeist

In kaum einem Land können derzeit so wenige junge Menschen entschließen, sich selbstständig zu machen, wie in Deutschland. Nur jeder vierte sieht sich hierzulande als potentieller Gründer, wie der aktuelle Amway Global Entrepreneurship Report zeigt. Damit gehört Deutschland nicht nur in der EU zu den Schlusslichtern.

Mittelständische Unternehmen sind seit Jahrzehnten das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Ohne den Gründergeist dieser Unternehmenschefs und Gründerväter wäre die deutsche Wirtschaft nicht so gut aufgestellt, wie sie es heute ist. Doch ein Blick in die Köpfe der Jugend von heute zeigt, dass der deutsche Mittelstand und die deutsche Wirtschaft vor erheblichen Herausforderungen stehen. Immer weniger junge Menschen sehen sich selbst als Gründer oder auch generell in der Selbstständigkeit.

So lag Deutschland beim jährlich erhobenen Amway Global Entrepreneurship Report 2015 auf Rang 41 von 44 befragten Ländern! Mit einem Indexwert von 31 (bei 100 Möglichen Punkten) liegt Deutschland nur knapp vor Polen, Kroatien und Japan. Der EU-Schnitt allerdings befindet sich bei 45 Punkten und Spitzenreiter Indien erreichte 79 Punkte. „Insgesamt sehen sich nur 25 Prozent der Deutschen als potentielle Gründer, während es im EU-Durchschnitt 38 Prozent und weltweit 42 Prozent sind“, heißt es in dem Amway Global Entrepreneurship Report.

Zwar haben 59 Prozent der Deutschen im Alter zwischen 14 und 34 Jahren eine positive Einstellung der Selbstständigkeit gegenüber, aber im EU-Schnitt sind es 80 Prozent. „Wenn wir es schaffen, die potentiellen Unternehmer zu inspirieren und ihnen früher ökonomische Grundkenntnisse zu vermitteln, werden wir nicht nur den Mittelstand, sondern auch den Innovationsstandort Deutschland langfristig fördern“, sagt Julia Lutter-Müller von Amway. Das fordert auch die am Report beteiligte TU München.

„Der Kontakt mit unternehmerischer Ausbildung kommt in Deutschland oft nur zustande, wenn man gezielt danach sucht“, sagt Professor Isabell M. Welpe, Inhaberin des Lehrstuhls für Strategie und Organisation an der Technischen Universität München und wissenschaftliche Leiterin der internationalen Studie. „Um in der Breite ein größeres Bewusstsein für die verschiedenen Möglichkeiten unternehmerischen Handelns zu erreichen, müssten bereits die Schulen im Unterricht stärker auf das Thema eingehen.“ Denn lediglich 29 Prozent der jungen Deutschen halten eine Gründung mit ihren eigenen Fähigkeiten für durchführbar.

Anders als in Deutschland werden in etlichen anderen Ländern unternehmerische Grundkenntnisse nicht nur in speziellen Bildungsprogrammen sondern vielmehr auch im Schulunterricht vermittelt. Vor allem in Ländern wie Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen sieht man die Schule sogar in der Pflicht diese Kenntnisse zu vermitteln. Entsprechend positiv ist hier auch die Einstellung zur Selbstständigkeit: Norwegen 90 Prozent, Schweden 94 Prozent.

Eine große Rolle bei dem geringen Gründergeist in Deutschland spielt die Angst vor dem Versagen. Für immerhin 84 Prozent der 14- bis 34-Jährigen ist das ein Hindernis für eine Gründung. Zwei Drittel fürchtet finanzielle Belastungen oder gar eine Insolvenz. Die Infrastruktur und politischen Voraussetzungen verstärken den Trend in Deutschland. 2015 bewerten nur noch 44 Prozent der Befragten Deutschland als gründerfreundlich – dies ist ein Rückgang um sechs Prozent.

Kommentare

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  1. Batoris sagt:

    Existenzgründung in Deutschland ? Deutschland ist lt. Frau Dr. Merkel in der Globalisierung angekommen. Folglich „globalisiert“ auch der Existenzgründer. Wer eine Existenz gründen will soll in Schwellenländer gehen und dort – mit geringen Kosten – produzieren und Profite machen und von dort auch nach Deutschland exportieren !!
    Soweit Bedarf an Fachkräften besteht, kann die ein oder andere Fachkraft aus Deutschland nachgezogen werden, wenn das überhaupt notwendig sein sollte.
    Als interessantes Schwellenland könnte sich in der Zukunft Russland erweisen.

  2. Peter Marx sagt:

    Versäumnis der Gesellschaftlichen Entwicklung vieler Jahre
    teilweise gelebte Missachtung vieler Bürger gegenüber Unternehmen und Unternehmer
    mittlerweile stark verbreitete und übertriebene Sicherheitsdenken
    Unternehmen Gründen im produzierenden Bereich und Arbeitsplätze schaffen schier
    undenkbar in Deutschland anscheinend auch nicht mehr gewollt. Warum? Oft zu viele
    schwachsinnige behördliche, steuerliche, finanzielle, soziale, juristische Vorschriften,
    Auflagen und Hindernisse. Betriebsübernahme oft außerhalb der Fam. finanziell nicht
    umsetzbar.(kein Risikokapital verfügbar)
    Viele Arbeitsplätze wandern ab und gehen verloren!

    Man redet bei Neugründungen nur noch von „sich nicht mehr schmutzig machenden“ Startup.
    Zudem brauchen wir ab sofort Sozialarbeiter Lehrer ,Erzieher,Übersetzer,Wachpersonal
    Polizisten ,Sachbearbeiter und Angestellte bei Behörden…. Auch muss natürlich im
    Gesundheitswesen aufgestockt werden. Klasse !! Bringt unendlich viel Geld in die
    „Deutschland-Kasse“ Der Export-Schlager schlecht hin.
    Wer soll das alles bezahlen????? das arbeitende Volk!…Wird nur leider immer weniger.
    Wie gut dass „Viele“ nicht einmal mehr den Dreisatz beherrschen !!

  3. Zahlmichel sagt:

    Vor einigen Jahren hat Uschi v.d. Leyen dafür gesorgt das Existengründer keine finanzielle Unterstützung mehr vom Staat bekommen. Existengründungshilfen wurden rigoros zusammengestrichen. Den Erfolg sieht man heute.

  4. Rainer sagt:

    Deutschland macht es einem finanziell extrem schwer, man muss als Selbstständiger mehr als 80.000,- Euro vor Steuern Gewinn machen (wer macht das schon am Anfang!) um davon einigermaßen leben zu können, weil die Steuern und die Kosten für die Krankenversicherung, Rentenversicherung,Gebühren und Abgaben einem keine Chance lassen. Meine Tochter lebt in England und ihr Mann hat ein kleines Unternehmen im Innenausbau von Häusern. Da kann man mit 80.000,- Euro Gewinn vor Steuern(ca.57.000 Pfund)prima leben, weil da die Steuerlast und die Sozialversicherungsabgaben viel niedriger sind. Deshalb gibt es in England viel mehr Selbstständige Unternehmer. Ich denke die Politiker in Berlin unterstützen hauptsächlich nur noch die großen Unternehmen, denn davon bekommen sie die meiste finanzielle Zuwendungen und Parteispenden. Die Klein- und Mittelständigen Unternehmen werden nicht mehr richtig unterstützt obwohl die die meisten Arbeitsplätze bieten. Man sieht es z.Bsp. bei TTIP die globalen Großunternehmen sind natürlich dafür, aber die meisten Klein-und Mittelständler dagegen. So und jetzt darf man drei mal raten für was unsere Volksvertreter sind, natürlich für die Großindustrie und damit für TTIP. Wir haben eine vom Volk gewähltes Parlament und Regierung, dass in vielen Bereichen über die Köpfe des Volkes hinweg regiert. Das nennt man dann eigentlich eine vom Volk gewählte Diktatur.

  5. Sven sagt:

    Subventionen für Großunternehmen streichen, die fleißig Gewinne einfahren. Dazu kommen Subventionen für die Ländereien der Blaublütler. Und schon ist genügend Kapital vorhanden um Existenzgründer in den ersten Jahren zu bezahlbaren Konditionen zu finanzieren. Aber das ist in den westlichen Industrienationen gar nicht gewünscht!

  6. Kulleraugen sagt:

    die Wirtschaftsverbände hätten das gerne aber nicht mal dei Nachfolger von bestehenden Unternhemne werden weiter geführt weil mann eiht wie die vorherige Generation sich Quelen tut mit den ganzen Abgaben, bei einem netto Gehalt von 1600 €kommen über 800 € Abgaben auf den netto betrag drauf teilweise noch mehr. Mann beschwert sich das dei meisten keien KInder haben mann sollte sich mal Fragen warum ?

  7. jws1 sagt:

    Die Lebenshaltungskosten sind in Deutschland so immens hoch, dass es kein Gründer schafft, eine längere Durststrecke zu überwinden. Die ist aber oft mit einer Existenzgründung verbunden, bis sich der Erfolg zögerlich einstellt. In Schwellenländern ist das einfacher. Da kostet die Miete 50 Euro im Monat und der Bus 20 Cent.