Schweiz: Unternehmen zahlen Frauen zu wenig

Frauen haben mittlerweile in Schweizer Unternehmen deutlich bessere Aufstiegschancen. Doch schaut man auf die Entlohnungen gibt es immer noch immense Unterschiede zwischen Mann und Frau. Und das, obwohl sich in den vergangenen Jahren bereits einiges getan hat.

Schaut man auf die aktuellen Löhne der Frauen in der Schweiz, sieht es mit der Gleichberechtigung schlecht aus. Auf der weltweiten Gleichstellungs-Rangliste des World Economic Forum konnte die Schweiz zwar drei Plätze gutmachen und landete auf Platz 8, doch Unterschiede bei den Löhnen sind noch immer deutlich vorhanden. So landet die Schweiz bei der Frage nach der Lohngleichheit im Ranking auf Platz 47 von 134. Auf den ersten Rängen befinden sich Ruanda, Norwegen, Sambia und Singapur. Deutschland hingegen kam nur auf Rang 101.

Dem Thinktank Avenir Suisse zufolge liegen die Löhne der Schweizer Frauen noch 19 Prozent unter denen der Männer. Nichtsdestotrotz sollte sich in der Schweiz jedoch der Blick eher auf das bereits Erreichte wenden, so der Think Tank. Immerhin seien die Reallöhne der Frauen seit 1982 auf Vollzeitbasis um fast 50 Prozent gestiegen, die der Männer aber nur um 30 Prozent.

Dass die Entwicklung der Frauen-Löhne in der Schweiz kaum so positiv wahrgenommen wird, wie sie ist, liegt Avenir Suisse zufolge an der unbefriedigenden Datenlage:
„Die Lohnentwicklung im Zeitverlauf wird oft mit dem ,Schweizerischen Lohnindex’ dargestellt, der hier aber eine denkbar ungeeignete Statistik darstellt, weil er die ,reine’ Lohnentwicklung einer möglichst konstanten Kategorie von Arbeit misst. Damit blendet er die Dynamik des Arbeitsmarkts ebenso aus wie die Zunahme der Qualifikation. Mittel- bis langfristig steigen die bezahlten Löhne in der Realität weit stärker, als es der Lohnindex ausweist. Die Löhne der Frauen sind allerdings selbst gemäß dem Schweizerischen Lohnindex mehr gewachsen als diejenigen der Männer.“

Es gebe zwei Gründe für die unterschiedliche Lohnentwicklung zwischen dem Schweizerischen Lohnindex und den AHV-Zahlen. „Der Bildungsstand der Frauen hat zugenommen, und es hat sich, was aufs Ganze gesehen wohl noch wichtiger ist, eine selbstverstärkende Eigendynamik entfaltet“, heißt es in der Analyse des Thinktanks. „Durch ihre zunehmende Partizipation und kürzere Erwerbsunterbrüche sammeln die Frauen mehr Erfahrung; sie erhalten und stärken ihr Humankapital.“ Das werde auf dem Arbeitsmarkt honoriert und das erhöhe den Anreiz, im Job zu bleiben. „Dazu kommt, dass nicht nur die generelle Arbeitsmarkterfahrung, sondern auch die höhere Betriebstreue positiv zu Buche schlägt, denn betriebsspezifische Kenntnisse sind besonders wertvoll.“

Damit bestätigt allerdings die Studie, dass der Lohnzuwachs der Frauen nicht zwangsläufig etwas mit Gleichstellung im eigentlichen Sinne zu tun hat. Schließlich werden die Frauen aufgrund ihrer besseren Bildung und ihrer längeren Arbeitszeit besser bezahlt. Tatsächlich verdienen Frauen in den selben Positionen wie Männer aber immer noch deutlich weniger, und das ist in diesem Fall keine Frage der Bildung, sondern eine Frage der Selbsteinschätzung von Seiten der Frau sowie eine Frage der Gewohnheit der Unternehmer.

Wie die Daten der OECD zeigen, bildete sich in der Schweiz die Lohndifferenz im Privatsektor zwischen 2000 und 2010 von 22,2 % auf die bereits genannten 18,5 % zurück, bevor sie bis 2012 wieder leicht stieg. Im internationalen Quervergleich sei diese Entwicklung in der Schweiz indes auf einem höheren Niveau verlaufen; eine Verminderung des Abstands zum OECD-Durchschnitt sei ausgeblieben. „Doch diese Differenz lässt sich vermutlich auf die hohe Arbeitsmarktpartizipation der Frauen in der Schweiz zurückführen“, so die Analyse.

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