Megafusion in Pharmabranche: Pfizer kauft Botox-Konzern

Der Botox-Herstellers Allergan und der Viagra-Konzern Pfizer wollen sich zum größten Pharmakonzern der Welt zusammenschließen. Das Volumen der Transaktion liege bei rund 160 Milliarden US-Dollar. Pfizer selbst kam zuletzt auf knapp 200 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung.

Es ist die größte Fusion in der Pharmabranche: Der Viagra-Hersteller Pfizer schluckt für 160 Milliarden Dollar den Botox-Produzenten Allergan. Der New Yorker Konzern und sein Rivale aus Dublin gaben am Montag die Übernahme bekannt, über die schon seit Wochen spekuliert worden war. Die Hochzeit des Potenzmittel-Riesen mit dem für sein Anti-Falten-Mittel bekannten Konkurrenten kommt in der Wirtschaftswelt einem Fest der Superlative gleich: Die größte Fusion in diesem Jahr überhaupt bringt den weltgrößten Arzneimittelhersteller hervor. Kritik dürfte die Liaison aber in der US-Politik auslösen, weil Pfizer nach der komplexen Übernahmevereinbarung seinen Steuersitz in die Allergan-Heimat Irland verlagern will – wo deutlich niedrigere Abgaben fällig werden.

Mit dem Zusammenschluss kommen nicht nur Viagra und Botox, sondern auch eine Reihe weit verbreiteter Schmerzmittel, Alzheimer-Medikamente, Blutfettsenker, Augenarzneien und Präparate gegen Lungenentzündungen unter ein Dach. Der neue Pharmagigant steuert auf jährliche Umsätze von mehr als 60 Milliarden Dollar zu und dürfte den Schweizer Konkurrenten Novartis vom Spitzenplatz des weltgrößten Herstellers verschreibungspflichtiger Medikamente verdrängen. Das Geschäft soll in der zweiten Hälfte 2016 abgeschlossen werden, beide Konzerne zunächst unter dem Namen Allergan am irischen Sitz zusammengefasst und dort dann in Pfizer umbenannt werden.

Pfizer-Chef Ian Read kann mit der Übernahme sein lange verfolgtes Ziel erreichen, den Konzern formal außerhalb der USA anzusiedeln. Zuletzt hatte die US-Regierung zwar noch mit einem neuen Gesetz versucht, steuersparenden Konzernumzügen einen Riegel vorzuschieben. Doch Experten zufolge dürfte dies Reads Vorhaben nicht im Weg stehen. Die US-Unternehmenssteuer liegt bei 35 Prozent, in Irland bei 12,5 Prozent. Read hatte es früher schon auf den britisch-schwedische Rivalen AstraZeneca abgesehen, scheiterte aber mit einem Gebot von 118 Milliarden Dollar.

Nach der Fusion mit Allergan soll Read auch den neuen Konzern führen und Allergan-Boss Brent Saunders die Leitung des operativen Geschäfts übernehmen. In der Strategie unterscheiden sich die beiden Manager deutlich: Während Pfizer-Veteran Read die Bedeutung eigener Forschung betont, hat sich Saunders mit dem Schmieden von Allianzen einen Namen gemacht.

Allergan selbst war erst vor wenigen Monaten aus der 66 Milliarden Dollar schweren Übernahme des gleichnamigen US-Konzerns durch den irischen Konkurrenten Actavis entstanden, der sich danach in Allergan umbenannte. Pfizer wiederum ist zwar groß, aber trotz Reads Bemühungen um Forschung und Entwicklung in der Defensive: Seit einiger Zeit haben die Amerikaner keinen wirklichen Kassenschlager mehr hervorgebracht.

Hohe Forschungskosten und der Ablauf von Patenten auf lukrative Medikamente heizen seit geraumer Zeit das Übernahmefieber in der Branche an. Erst im Juli hatte der weltgrößte Generika-Anbieter Teva aus Israel angekündigt, für 40,5 Milliarden Dollar die Nachahmer-Medikamente von Allergan zu kaufen. Pfizer selbst gab jüngst 15 Milliarden Dollar für den US-Rivalen Hospira aus.

Mit dem Kauf von Allergan treibt Pfizer das Volumen von Fusionen und Übernahmen in der Gesundheitsbranche 2015 auf mehr als 600 Milliarden Dollar und krönt so die jüngste Rekordjagd: Bereits vergangene Woche ging aus Reuters-Daten hervor, dass der Medizinsektor mit seinen Zukaufvolumina dieses Jahr die Energie- und der High-Tech-Industrie überflügelt. Pfizer und Allergan reihen sich zudem in die Riege der größten Übernahmen aller Zeiten ein, die noch immer vom Kauf der deutschen Mannesmann AG durch die britische Vodafone im Jahr 1999 für 203 Milliarden Dollar angeführt wird. Auch die bisherige Top-Fusion des Jahres, der geplante Kauf des zweitgrößten Bierbrauers SABMiller durch Weltmarktführer Anheuser-Busch Inbev für über 100 Milliarden Doller, wird in den Schatten gestellt.

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