Deutschland finanziert europäische Kohleindustrie

Mehrere Milliarden Euro an Krediten wurden von deutschen Banken und Investoren in den vergangenen fünf Jahren an die Kohleindustrie vergeben. Investoren und Banken aus den USA und Frankreich hingegen ziehen sich immer stärker aus der Branche zurück.

Deutschlands Banken und Investoren sind im internationalen Vergleich übermäßig stark an der Finanzierung der Kohleindustrie beteiligt. So habe die europäische Braunkohleindustrie allein zwischen 2010 und Mitte 2015 aus Deutschland rund 8,7 Milliarden Euro durch Kredite und Aktienkäufe erhalten, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Umweltschutzorganisation Urgewald hervorgeht. In den USA, Großbritannien oder Frankreich dagegen deute der Trend unter Großinvestoren klar von Kohle und anderen fossilen Energieträgern weg.

Unter den deutschen Kreditgebern ist laut Urgewald die Deutsche Bank führend, die im Untersuchungszeitraum etwa 3,3 Milliarden Euro in die klimaschädliche Industrie gesteckt habe. Deutschlands größte Bank beschäftige zwar für Einzelfallprüfungen eine eigene Nachhaltigkeitsabteilung, ein genereller Ausschluss bestimmter Industriezweige fehle jedoch. Generell liege die Finanzierung fossiler Energien gut zehn Mal höher als die erneuerbarer. Dicht hinter der Deutschen Bank folgt laut den Umweltschützern die Commerzbank, deren Kohleanteil gemessen an der Bilanzsumme mit 3,1 Milliarde Euro noch höher liege.

Bei anderen Investoren aus Deutschland landeten die DZ Bank, eine Zentralbank der Volks- und Raiffeisenbanken, die Deka Bank und der Versicherer Allianz durch den Kauf von Aktien und Anleihen aus der Kohleindustrie auf den Spitzenplätzen. Größter Empfänger der Finanzmittel durch Kredite und Investitionen war laut Urgewald zumeist der Braunkohleriese RWE. Den Umweltschützern zufolge seien neben den Klimarisiken durch Kohle auch Finanzrisiken ein Problem für Investitionen in die Industrie, da die Aktienkurse von Kohleunternehmen durch neue politische Auflagen sänken.

Die Allianz verkündete ebenfalls am Dienstag einen Ausstieg aus der Kohle. Die Versicherung will nicht länger in Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit dem Energieträger generieren. Die Gesamtkapitalanlagen des Versicherers hätten jedoch allein 2014 noch bei 101,1 Milliarden Euro gelegen, hieß es in der Urgewald-Studie. „Die Allianz zeigt, dass sie nach Jahren der Kritik gegen ihr Kohlegeschäft doch lernfähig ist. Das nun verkündete Divestment ist, wenn es konsequent umgesetzt wird, ein riesiger Schritt mit Vorbildfunktion für die gesamte Finanzbranche“, sagt Katrin Ganswindt, Kohle-Expertin von Urgewald.

 Die Umweltschutzorganisation forderte die untersuchten Finanzierer der Kohleindustrie auf, sich zum UN-Klimagipfel Ende November in Paris klar gegen weitere Investitionen in die Industrie zu positionieren. „Leider ist der größte deutsche Kohle-Finanzierer Deutsche Bank noch immer nicht bereit, sich den Divestment-Vorbildern anzuschließen. Ob Klimaschutz oder schwindende finanzielle Perspektiven, kein Argument scheint ihr stark genug zu sein“, sagt Ganswindt.

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