Schweiz: Industrie 4.0 gefährdet Patientensicherheit

In einer aktuellen Studie wird deutlich, welche Risiken die zunehmende Digitalisierung in Spitälern birgt. Etliche Schweizer Spitäler sind gegen Hackerangriffe nicht gewappnet. Das könnte im Notfall auch das Leben der Patienten gefährden.

Seit zwei Jahren wird die Industrie 4.0 in höchsten Tönen gelobt und Unternehmen, die sich in diesem Bereich nicht entwickeln, gelten schnell als rückständig. Doch die immer stärker forcierte Vernetzung der Maschinen und Produktionsprozesse etc. ist nicht ungefährlich. Vielmehr erhöht es bei unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen sogar die Anfälligkeit für Cyber-Attacken von außen. Schon jetzt verzeichnen 90 Prozent aller Unternehmen Cyberangriffe, so der Cyber Security Report 2015. Doch nur 60 Prozent fühlen sich gegen derartige Angriffe gewappnet.

Doch was für die Unternehmen im Allgemeinen gilt, spielt mittlerweile auch für Spitäler eine erhebliche Rolle, wie eine aktuelle Untersuchung von Martin Darms zeigt. Hier kann es sogar lebensbedrohlich werden. Für seine Studie „Gefährdung Schwei¬zer Spitäler gegenüber Cyberangriffen“ hat Darms 523 Systeme (Server, Medi¬zingeräte, Clients) von sieben der insgesamt 278 Spitäler und Kliniken in der Schweiz analysiert. Auch deutsche Krankenhäuser wurden dafür herangezogen.

Das Ergebnis: Bei jedem zweiten der 523 Systeme war eine Schwachstelle vorhanden. Doch insgesamt sind die Spitäler von außen nur schwer zu knacken. Tatsächlich sind die internen Netzwerke die Schwachstelle. Manche Spitäler seien zehnmal schlechter geschützt als andere. In jedem System gebe es durchschnittlich eine kritische Stelle, zitiert die Aargauer Zeitung Darms. Extrem veraltete und kaum noch unterstützte Betriebs¬systeme, Standardpasswörter und ungeschützte Testserver seien die häufigsten Einfalls¬tore für Angreifer.

Das Ergebnis ist in jedem Fall beunruhigend. Dringt ein Hacker in eines dieser Netzwerke ein, kann das für die Patientensicherheit verheerende Folgen haben. Die Vernetzung der vielen medizinischen Geräte kann hier ein Einfallstor sein, mit dem der Hacker ganz nah auch an lebensnotwendige Maschinen herankäme. So existierten der Studie zufolge über 70.000 Schwachstellen in den verschiedensten Betriebssystemen und Softwarekomponenten. Über 10.000 Schwachstellen wurden sogar als kritisch eingestuft.

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