Kartellamt nimmt Edelstahl-Branche ins Visier

Das Bundeskartellamt hat die Edelstahlbranche unter die Lupe genommen. Von den Ermittlungen betroffen sind nach eigenen Angaben deutsche Töchter der Unternehmen Schmolz und Bickenbach (Schweiz) sowie Voestalpine (Österreich).

Beamte des Bundeskartellamts haben mehrere Unternehmen der Edelstahlbranche durchsucht. „Wir bestätigen, dass wir eine Durchsuchungsmaßnahme im Bereich Edelstahlproduktion und -vertrieb vorgenommen haben“, sagte ein Sprecher der Bonner Wettbewerbshüter am Donnerstag. Besuch der Kartellwächter bekamen unter anderem Konzerngesellschaften der Stahlkocher Schmolz+Bickenbach und Voestalpine.

Unter dem Verdacht kartellrechtswidrigen Verhaltens seien mehrere Unternehmen, Verbandsbüros und Privatwohnungen aufgesucht worden, sagte der Kartellamtssprecher weiter. An den bundesweiten Razzien hätten sich rund 35 Mitarbeiter der Behörde beteiligt, die von der Polizei unterstützt wurden. Zu den betroffenen Unternehmen oder der voraussichtlichen Dauer der Untersuchung wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Der Schweizer Spezialstahlkonzern Schmolz+Bickenbach räumte bereits ein, seine Konzerngesellschaft Deutsche Edelstahlwerke GmbH (DEW) sei von den Beamten durchsucht worden. DEW werde „vollumfänglich mit den Behörden kooperieren“. Voestalpine erklärte, Gesellschaften der Special Steel Division des Konzerns seien betroffen. Voestalpine kooperiere mit den Behörden und rechne nicht mit „erheblichen Bußgeldern“. Ein Sprecher des Stahlhändlers KlöCo sagte lediglich: „Dazu wollen wir uns aktuell nicht äußern.“ Der Branchenverband Edelstahl-Vereinigung hüllte sich in Schweigen, ein Sprecher verwies auf eine „“Schweigepflicht“. Vom Branchenriesen Outokumpu war in Deutschland zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Razzien durch das Kartellamt erfolgen, wenn die Beamten einen Anfangsverdacht auf einen Kartellrechtsverstoß hegen. Sie bedeuten aber noch nicht, dass die betroffenen Unternehmen tatsächlich gegen geltendes Recht verstoßen haben.

Das Bundeskartellamt hatte Unternehmen der Stahlbranche bereits in der Vergangenheit ins Visier genommen. So hatten die Wettbewerbshüter ein Schienenkartell aufgedeckt, an dem sich unter anderem Thyssenkrupp und Voestalpine beteiligt hatten. Das Kartellamt hatte damals Bußgelder von deutlich über 200 Millionen Euro gegen die Kartellanten verhängt, zudem gab es Schadenersatzansprüche der Geschädigten.

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