Österreichs Landwirtschaft leidet massiv

Österreichs Landwirte haben es nicht einfach. Dumpinglöhne und die Dominanz der großen Agrarunternehmen zerstören die kleinen und mittleren Betriebe. Auch fehlen Nachwuchs und Ackerland. Ohne finanzielle Stütze vom Staat und der EU wären bereits jetzt nur Großkonzerne auf den heimischen Äckern unterwegs.

Angesichts der Diskussion um den Klimawandel werden Ackerland und Landwirtschaft in gemäßigten Klimazonen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten an Bedeutung gewinnen. Doch angesichts der aktuellen Entwicklung in Europa und auch in Österreich könnte sich Europa seine Landwirtschaft vorher zugrunde richten.

Zwischen 2003 und 2013 ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU um etwa vier Millionen zurück. Die Anbaufläche jedoch blieb nahezu unverändert. Im selben Zeitraum reduzierte sich die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Österreich jedoch um 16,3 Prozent. Nur Zypern musste mehr Einbußen hinnehmen. Bulgarien dagegen gewann 60 Prozent an Anbaufläche hinzu, hier sank die Betriebszahl allerdings auch fast im gleichen Maße (-61,8 %).

In Österreich ging die Zahl der Betriebe um fast 20 Prozent zurück. 2013 gab es in Österreich Eurostat zufolge 140.400 Betriebe und die durchschnittliche Fläche pro Betrieb wuchs von 18,7 auf 19,4 Hektar. Hier ist ein ganz klarer Verdrängungsprozess im Gange: durch Großbetriebe und Baumaßnahmen.

Wie der Grüne Bericht 2014 zeigte, mussten die österreichischen land- und forstwirtschaftlichen Betriebe im vergangenen Jahr einen Einkommensrückgang von fünf Prozent hinnehmen. „Als Grund für die Einbußen wird die angespannte Lage auf wichtigen Absatzmärkten genannt, so etwa bei Getreide, Öl- und Hackfrüchten“, so der Bericht. Maßgeblich seien aber auch gestiegene Aufwendungen für Personal, Pachten und Abschreibungen.

Der Nationalratsabgeordnete Harald Jannach (FPÖ) verwies in diesem Zusammenhang bei der Agrardebatte Mitte November auf die Abschaffung der Milchquote, die Russland-Sanktionen und die Streichung der steuerlichen Begünstigung für Agrardiesel als schwere Fehler. Vor diesem Hintergrund ist auch das „Mutmacher-Programm für Österreichs Landwirtschaft“ vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (BMLFUW) zu sehen.

„Das BMLFUW hat durch intensive Verhandlungen mit der Europäischen Kommission erreicht, dass bis Weihnachten mindestens 700 Mio. Euro an Österreichs Landwirtinnen und Landwirte gehen“, so das Ministerium. Damit stehe den Betrieben das dringend benötigte Kapital rechtzeitig zur Verfügung. So erhalten beispielsweise die Betriebe auch eine finanzielle Unterstützung zur Marktstabilisierung bei Milch und Schweinefleisch von der Europäischen Kommission. Das BMLFUW will diese noch verdoppeln. „Insgesamt 14 Mio. Euro werden in die vom Preisverfall und der schwierigen Absatzsituation besonders stark betroffenen Sektoren investiert.“ Zusätzlich dazu gebe es ein fünf Millionen Euro umfassendes Maßnahmenpaket für die Folgen des Klimawandels.

Problematisch wirkt sich in diesem Zusammenhang auch die österreichische Bauwut aus. „Österreich ist bei der Verbauung fruchtbarer Böden Europameister im negativen Sinn“, so Kurt Weinberger von der Hagelversicherung. Allein in den vergangenen 50 Jahren seien 300.000 Hektar Böden versiegelt worden. Hält die Entwicklung in der Geschwindigkeit an, wäre Österreichs gesamte Agrarfläche bereits in 200 Jahren zubetoniert. Bereits jetzt existiere die Fläche, die notwendig wäre, um die gesamte österreichische Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln zu versorgen, schon nicht mehr. Während normalerweise jeder Einwohner pro Kopf dafür eine Ackerfläche von 3.000 Quadratmetern benötigen würde, stehen in Österreich nur mehr 1.600 Quadratmeter pro Kopf zur Verfügung.

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