EU-Kommission will Mittelstand Zugang zu Finanzen erleichtern

Neben einem Private-Equity Investor können kleine und mittelständische Unternehmen auch über die Vergabe von Anleihen und Aktien an neues Kapital kommen. Doch die bisherigen Vorschriften sind hart und für viele KMU ist bisher der Aufwand zu hoch gewesen. Das will die EU nun mit einigen Reformen ändern.

Der Zugang zu frischem Kapital ist für kleine und mittlere Unternehmen nicht immer einfach. Gerade in Zeiten der Finanzkrise oder der wirtschaftlichen Abschwächung in den Schwellenländern wird es noch schwieriger für die Unternehmen. Abgesehen von einem Kredit oder einem Private Equity Investor kann dann auch die Börse ein lukrativer Ort für die Investoren-Suche sein. Doch die für einen Börsengang geltenden Vorschriften sind oft für KMUs kaum zu bewerkstelligen. Aus diesem Grund hat die EU nun angekündigt, hier den Zugang zu Geldern zu erleichtern.

„Wir brauchen Prospektvorschriften, die Anlegern die Informationen zur Verfügung stellen, die sie benötigen – ohne dabei unnötige Kosten zu verursachen und die Unternehmen davon abzuhalten Geld auf den öffentlichen Märkten zu besorgen“, sagte der für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion zuständige EU-Kommissar Jonathan Hill. Der heutige Vorschlag schaffe ein besseres Gleichgewicht. „Es wird das System einfacher, billiger und schneller machen“, sagte Hill.

Bisher mussten auch kleine und mittlere Unternehmen aufwendige Prospekte erstellen, um mögliche Investoren bei einem Börsengang etc. über Finanzen, Beteiligungsstrukturen und Geschäftsbereiche zu informieren. Häufig mehrere hundert Seiten dick, ist allein die Projektbereitstellung für kleine und mittlere Unternehmen ein großer und kostenspieliger Aufwand.

„Die Prospektvorschriften der EU schreiben bestimmte Angaben vor, durch die sichergestellt werden soll, dass Anleger in der gesamten Europäischen Union über die gleichen Informationen über ein Unternehmen, das sich Kapital beschaffen will, verfügen“, so die EU-Kommission. Deshalb sei eine gute Regelung der Prospektvorschriften für Start-ups, KMU und Blue Chips gleichermaßen wichtig. „Der heutige Vorschlag wird überflüssigen Verwaltungsaufwand verringern und gleichzeitig den Anlegerschutz und das Vertrauen in die Kapitalmärkte stärken.“

Demnach sollen folgende Änderungen vorgenommen werden. So soll beispielsweise der Schwellenwert, ab dem Unternehmen einen Prospekt ausgeben müssen, erhöht werden. Liegt das zu beschaffene Kapital unter 500.000 Euro, wird kein EU-Prospekt verlangt. Geht es um eine Kapitalbeschaffung nur im Inland kann dieser Schwellenwert für den Inlandswert weiter angehoben werden. Die Höchstgrenze hierfür wurde von fünf auf zehn Millionen Euro angehoben.

Außerdem will die EU für KMU eine Light-Version des Prospektes erlauben. „Wir werden zudem die bestehenden Schwellenwerte für KMU, die diese Regelung in Anspruch nehmen können, anheben – von einer Marktkapitalisierung von 100 Mio. Euro  auf 200 Mio. Euro.“ Unternehmen, die die Kapitalmärkte häufig nutzen, können nach den Änderungen darüber hinaus ein jährliches „Einheitliches Registrierungsformular“ und damit einer Art von „Rahmenregistrierung“ einreichen, „bei der alle notwendigen Informationen über das Unternehmen, das Aktien oder Anleihen begeben will, erteilt werden“, heißt es von Seiten der EU-Kommission.

Seit ein paar Wochen hat die EU den Blick für die Schwierigkeiten der mittelständischen Wirtschaft geschärft. Ende November kündigte die Kommission Pläne an, wonach die Mehrwertsteuer-Vorschriften erleichtert und ein  neuer Vorschlag zur Unternehmensinsolvenz werden soll umgesetzt werden soll. „Die Kommission wird auch an eindeutigen und KMU-freundlichen Regeln zu Rechten am geistigen Eigentum arbeiten und die abschließenden Maßnahmen für das einheitliche Patent einleiten, das den europäischen Unternehmen einen attraktiven und erschwinglichen Weg bieten wird, Kapital aus ihren Ideen zu erzielen.“ Wenn es darum gehe, das Vertrauen der Bürger in das europäische Projekt wiederherzustellen, Arbeitsplätze zu schaffen, eine wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen, und unseren Einfluss auf der Weltbühne zu erhalten, „müssen wir das vollständige Potenzial des Binnenmarktes entfalten“, sagte Elżbieta Bieńkowska.

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