Preisverfall: Deutsche Bauern fordern Aufhebung des Russland-Embargos

Der Deutsche Bauerverband (DBV) fordert eine Aufhebung des russischen Embargos auf landwirtschaftliche Produkte: Der Importstopp allein bringe eine Milliarde Euro pro Jahr Verlust, hinzu käme der hohe Preisdruck. Insgesamt seien die Erlöse im vergangenen Jahr pro Hof um 35 Prozent eingebrochen. Am stärksten betroffen seien die Milchbauern, am wenigsten Probleme hatten Ökobauern.

Der Deutsche Bauerverband (DBV) schlägt Alarm: Nach einer „drastischen“ Verschlechterung der Lage im Wirtschaftsjahr 2014/15 droht den rund 280.000 landwirtschaftlichen Betrieben eine Fortsetzung des Abwärtstrends. Im Schnitt sei das Ergebnis je Haupterwerbsbetrieb um 35 Prozent auf 43.000 Euro eingebrochen, teilte DBV-Präsident Joachim Rukwied am Dienstag in Berlin mit. „Es zeichnet sich ab, dass sich diese Entwicklung im laufenden Wirtschaftsjahr weiter fortsetzen wird.“ Er forderte die Bundesregierung auf, sich für eine Aufhebung des russischen Embargos auf landwirtschaftliche Produkte einzusetzen. Allein die Verluste durch den russischen Importstopp summierten sich auf eine Milliarde Euro pro Jahr.

Abgesehen von Ökobauern und Winzern sind nach Verbandsangaben alle Betriebsformen und Regionen von dem Abwärtstrend betroffen. Am stärksten brachen die Erlöse mit 44 Prozent zum Vorjahr bei den Milchbauern ein. Für die schlechte wirtschaftliche Lage machte Rukwied neben dem von Russland im Zuge der Ukraine-Krise verhängten Agrar-Embargo auch den Preisverfall für Agrar-Produkte verantwortlich. Ursache dafür sei der Preisdruck durch den Lebensmitteleinzelhandel im Inland und eine verhaltene Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten im Ausland infolge einer abgeschwächten Konjunktur in Schwellenländern. Allerdings sind zuletzt die Lebensmittelpreise in Deutschland wieder gestiegen.

Rukwied kritisierte, in Deutschland komme das Verhalten von Handelsketten beim Einkauf von Obst, Gemüse, Fleisch und Milch einer „wettbewerbswidrigen Preisabsprache“ gleich. Das Kartellrecht werde zum stumpfen Schwert, wenn im Handel weitere Fusionen erlaubt würden, die dann mit ihrer Nachfrage-Macht den Druck auf Bauern weiter erhöhen könnten. Die größten Potenziale sieht der Verband im Export, vor allem nach Japan und Südostasien.

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