Investoren ziehen so viel Geld aus China ab

Im vergangenen Quartal sind erneut hunderte Milliarden Dollar aus China abgeflossen. Die fehlenden Gelder belasten die Wirtschaft des Landes und weisen auf eine drohende Kapitalflucht hin. Die mögliche Zinsentscheidung der Fed könnte einen weiteren Abzug auslösen.

Aus China ist einer Studie zufolge im laufenden Jahr mit mehr als 500 Milliarden Dollar so viel Geld abgezogen worden wie nie zuvor. Allein im vierten Quartal summiere sich der Kapitalabfluss wohl auf 150 Milliarden Dollar, nachdem er im Sommerquartal mit 225 Milliarden Dollar einen Rekordwert erreicht habe, teilte der Bankenverband Institute of International Finance (IIF) mit. Diese Zahlen basierten auf Handelsdaten, chinesischen Bank-Transaktionen sowie Änderungen bei den Zentralbank-Reserven.

Die chinesische Exportwirtschaft leidet derzeit unter der schwachen weltweiten Nachfrage, die Ausfuhren sind seit fünf Monaten rückläufig. Die Landeswährung Yuan ist angesichts der schwächelnden Konjunktur in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft unter Druck. Angesichts der anstehenden Zinswende in den USA befürchten Experten eine weitere Kapitalflucht, weil dann Anlagen in den USA attraktiver werden. Es wird damit gerechnet, dass die US-Notenbank Fed in der kommenden Woche den Leitzins erstmals seit etwa einem Jahrzehnt anhebt.

Für die deutsche Wirtschaft ist die Entwicklung in China ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist China ein wichtiger Exportmarkt, der auch auf ausländische Devisen angewiesen ist. Andererseits sind es vor allem Unternehmen aus China, die der deutschen Industrie gefährlich werden könnten. „Der weltweite Kampf um die Industrieproduktion ist in eine neue, sehr ernste Phase getreten. Vor allem die USA und China versuchen, ihre Anteile an industrieller Wertschöpfung drastisch zu erhöhen“, sagte Continental-Chef Elmar Degenhart am Donnerstagabend in Hannover. Dort zeichnete ihn die Leibniz-Universitätgesellschaft mit der Karmarsch-Denkmünze aus.

Sorgen bereiten Degenhart die Rahmenbedingungen des globalen Wettkampfes. So lägen die Strom- und Gaspreise in Deutschland um fast 60 Prozent über denen in den USA, wo die variablen Personalkosten 40 Prozent günstiger als hierzulande ausfielen. Degenhart warnte davor, diese Fakten auszublenden und sich auf dem Erreichten auszuruhen. „Berauschen wir uns vielleicht zu viel an den Erfolgen der Vergangenheit? Das ist jedenfalls mein Eindruck, denn wir leben seit Jahren zu sehr von unserer Substanz.“

Wer ehrlich sei, erkenne schon heute konkrete Folgen im Wettbewerb mit der internationalen Konkurrenz. „Allein in diesem Jahr hat hierzulande in unserer Branche eine Reihe von Industrieunternehmen – darunter auch Continental – über 20 Restrukturierungsprojekte gestartet“, sagte Degenhart. Conti-Angaben zufolge kostet das die Branche rund 14 000 Jobs. Der Dax-Konzern baut Jobs in Gifhorn und Salzgitter ab – unter anderem, da das Ausland billiger produziert.

 

 

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