Unternehmen leiden unter Türkei-Russland-Konflikt

Die angespannte Situation zwischen Russland und der Türkei geht auch an den deutschen Unternehmern nicht wirkungslos vorüber. Besonders die Finanzmarkteinschränkungen setzen die Firmen unter Druck.

Die deutsche Wirtschaft leidet unter den im Streit um den Abschuss eines Kampfflugzeugs erhobenen Sanktionen Russlands gegen die Türkei. Zwei Drittel der in Russland aktiven Unternehmen seien davon betroffen, ergab eine Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer unter ihren Mitgliedern. „Dazu zählt beispielsweise die Autoindustrie, die bestimmte Ersatzteile aus der Türkei bezieht“, sagte Kammerpräsident Rainer Seele am Freitag in Berlin. Auch komme es teilweise zu erhebliche Verzögerungen durch den Zoll, teilweise würden Lieferungen sogar abgelehnt.

Die Regierung in Moskau hatte im November umfangreiche Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei verhängt, welche die Einfuhr bestimmter türkischer Waren verbieten. „Auch diese Sanktionen werden sich negativ auf das Geschäft von deutschen Unternehmen in Russland auswirken“, sagte Seele.

Die türkischen Streitkräfte hatten ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen, das in den türkischen Luftraum eingedrungen sei. Russland erklärte dagegen, das Flugzeug sei in Syrien geblieben. Im Verhältnis zwischen Russland und der Türkei stehen die Zeichen weiter auf Eiszeit. Er könne nicht erkennen, dass sich die Beziehungen zur Führung in Ankara verbessern ließen, sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstag auf seiner jährlichen Pressekonferenz. Eine Einigung zu erzielen sei schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Der Abschuss des russischen Kampfjets im syrisch-türkischen Grenzgebiet im November sei „ein feindlicher Akt“ gewesen. Er verstehe nicht, warum die Türkei das getan habe.

Putin sagte zudem, möglicherweise habe es eine Vereinbarung zwischen der Türkei und den USA gegeben. „Wenn jemand in der türkischen Führung beschlossen hat, den Amerikanern in eine bestimmte Stelle zu kriechen, dann weiß ich nicht, ob sie richtig gehandelt haben oder nicht. Und ich weiß nicht, … ob die Amerikaner das brauchen“, sagte Putin. Er könne sich aber vorstellen, dass es eine Übereinkunft gegeben habe: Die Türkei schieße ein russisches Flugzeug ab, und die USA schauten weg, als türkische Truppen in den Irak einmarschierten.

Die Türkei hatte das russische Kampfflugzeug abgeschossen, weil es ihren Luftraum verletzt haben soll. Russland bestreitet dies. Westlichen Experten zufolge war der Jet höchstens ein paar Sekunden in türkischem Hoheitsgebiet.

Russland verhängte nach dem Abschuss Strafmaßnahmen gegen die Türkei und sagte Treffen von Spitzenpolitikern ab. Seither gab es mehrmals Konfrontationen zwischen Schiffen beider Länder. Der türkischen Führung warf Putin am Donnerstag zudem eine schleichende Islamisierung vor, angesichts derer sich Staatsgründer Kemal Atatürk im Grabe umdrehen würde.

Die gespannten Beziehungen zwischen Russland und dem Nato-Mitglied Türkei gelten als Hindernis für eine politische Lösung in Syrien. Russland gehört zu den wichtigsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und steht ihm mit Luftangriffen zur Seite. Die Türkeiunterstützt dagegen Gegner des Machthabers, die ihn stürzen wollen. Russland beschuldigte die türkische Regierung zudem, sie profitiere vom Erdölhandel mit der Extremistenmiliz Islamischer Staat. Die Türkei weist dies zurück.

 

 

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