Lebensversicherer kürzen Zinsen

Die klassische Lebensversicherung gerät weiter unter Druck. 2016 soll die Verzinsung noch stärker fallen als zunächst angenommen. Die Branche leidet weiterhin unter der Niedrigzins-Politik und finanziellen Verpflichtungen aus dem vergangenen Jahr.

Die deutschen Lebensversicherer kürzen die Verzinsung für 2016 noch stärker als erwartet. Rentenversicherungen gegen laufenden Beitrag werfen nach Berechnungen von Reuters im Schnitt nur noch 2,86 Prozent ab. Experten hatten einen Wert von 2,9 bis 3,0 Prozent erwartet, für das vergangene Jahr hatten die Versicherer noch einen laufenden Zins von 3,15 Prozent gezahlt.

Ein Grund dafür, dass sie an der Zinsschraube drehten, sei das Umsteuern von klassischen Policen auf andere Produkte, die das Eigenkapital weniger belasten, sagte Versicherungsexperte Lars Heermann von der Kölner Ratingagentur Assekurata. Viele Lebensversicherer, die in den vergangenen Jahren Policen ohne lebenslange Garantien auf den Markt gebracht haben, achteten verstärkt darauf, dass diese attraktiver verzinst würden – zu Lasten der klassischen Produkte.

„Das sendet ein starkes Signal an die Kunden aus“, sagte Heermann. Der wirtschaftliche Effekt auf den Bestand sei auf dem gegenwärtigen Niveau begrenzt. Denn für Lebensversicherungen, die vor 2004 verkauft wurden, müssen die Unternehmen statt der aktuellen Gesamtverzinsung ohnehin den Garantiezins zahlen, der vorher stets über 3,25 Prozent gelegen hatte. Von 2004 bis 2006 lag der Garantiezins, der über die gesamte Laufzeit zugesagt wird, bei 2,75 Prozent.

Auch diesen Wert unterschreiten mehrere Lebensversicherer inzwischen bei der Deklaration für 2016. Um mit den hohen Verpflichtungen zurechtzukommen, muss die Branche für das vergangene Jahr mehr als zehn Milliarden Euro zusätzlich zurücklegen, wie der oberste BaFin-Versicherungsaufseher Frank Grund kürzlich gesagt hatte.

Marktführer Allianz Leben hatte mit einer Senkung der laufenden Verzinsung auf 3,1 von 3,4 Prozent die Richtung vorgegeben. „Wenn einer den Anfang macht, trauen sich auch die anderen“, sagte Heermann.

Die größten Einschnitte müssen 2016 die Kunden von Swiss Life Deutschland hinnehmen, die nur noch 2,25 Prozent zahlt – im vergangenen Jahr waren es noch 3,00 Prozent. Generali Leben senkte die Verzinsung auf 2,25 von 2,9 Prozent und liegt damit am unteren Ende der Liste von 57 Deklarationen, die Assekurata bisher erhoben hat. Um 0,6 Prozentpunkte tiefer geht es bei der DEVK (jetzt 2,8 Prozent), der Gothaer Leben (2,5) und der Targo Leben (3,1). Einige Lebensversicherer – vor allem solche mit besonders niedrigen Sätzen – veröffentlichen die Überschussbeteiligung nicht. Nur vier Versicherer hielten die Verzinsung stabil. Den höchsten laufenden Zins bietet die Ideal Leben mit 3,7 (4,0) Prozent.

Kommentare

Dieser Artikel hat 5 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Der Biehl sagt:

    Also eine solche Nachricht, Anfang 2016 hätten wir ja nie erwartet.

  2. H. J. Weber sagt:

    Als ich 2009 meine LV gekündigt habe und in Gold invertiert habe, bin ich ausgelacht worden.
    Kursteigerung seit 2009 über 40%.
    Ich habe mir damals gedacht, was tausende von Jahren seinen Wert behalten hat, wird nun nicht gerade während meines Rentnerlebens wertlos.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  3. Harry sagt:

    Ein sehr schwacher Trost ist bei älteren Verträgen der Umstand, dass der Sparanteil (also nach Kosten) einer garantierten Verzinsung unterliegt. Bei älteren Verträgen kann dieser Zins durchaus auch schon mal 4 % betragen, effektiv auf die Prämie bezogen natürlich weniger. Diesen Zins muss die Versicherung zahlen – solange sie nicht bankrott ist natürlich.

    • Schorsch sagt:

      Der Versicherer muss garnichts zahlen, falls er in Finanznot gerät.
      Die neuen Persilscheine für diese Klinkenputzerbranche gibt denen
      völlige Freiheit, die Kunden zu rasieren.
      Das werden sie auch.
      Wie der Poster vor Ihnen habe ich alle LVs der Familie 2009 gekündigt und
      in EM angelegt. Auch wenn es nicht aus Gründen der Gewinnmaximierung
      war. Edelmetalle verloren noch nie ihren Wert komplett.
      Buntes Papier dagegen unzählige Male.

      • Stefan Bode sagt:

        Lasst Eure alten Verträge doch noch auf Widerruf überprüfen. Ggf. könnte Ihr Sie trotz Kündigung von Beginn an rückabwickeln lassen. Die Versicherung hat euren Ertragsausfall nach BGB mit mindestens 5% über den damals gültigen Basiszinssätzen zu verzinsen. Wäre ein Versuch wert. Gruß aus Hannover von der Fondslounge.