Technologie-Unternehmen zwingen Autobauer zu Kooperationen

Technologieunternehmen wie Google und Apple greifen immer stärker in den Automarkt ein. Dieser Konkurrenzdruck bewirkt eine stärkere Konzentration unter den klassischen Autobauern. Besonders den europäischen Herstellern fällt es zunehmend schwerer, als Einzelkämpfer der IT-Branche etwas entgegenzusetzen.

Die klassische Automobilbranche befindet sich im Umbruch. Deutsche Autobauer konkurrieren nicht mehr nur mit anderen internationalen Autoherstellern. Vielmehr haben Technologieunternehmen derzeit den größten Einfluss auf die Branche. Smarte Technologie, selbstfahrende Autos, Elektromobilität. Felder, in denen Unternehmen wie Google, Apple oder auch Tesla mittlerweile eine Vorreiterrolle eingenommen haben. Und mit Faraday Future will schon ein weiteres Unternehmen in naher Zukunft Anteile am Automarkt gewinnen. Dies führt bei den klassischen Autoherstellern, vor allem in Europa und in Deutschland zu einem Umdenken.

Um dem Konkurrenzdruck aus der IT-Branche standzuhalten, werden Kooperationen mit anderen Autobauern favorisiert. Erst im vergangenen Jahr kauften BMW, Daimler und Audi den Kartendienst Here von Nokia. 2,8 Milliarden Euro zahlten die Autobauer. Google hatte sich ebenfalls für den Kartendienst interessiert. Der Chiphersteller Nvidia kündigte für den Einsatz seines neuen Supercomputers in selbstfahrenden Autos eine Zusammenarbeit mit Daimler und Volvo an. Auch Audi zeigte Interesse. Auf der Technologiemesse in Las Vegas sprachen zudem Toyota und Ford von der Entwicklung einer gemeinsamen Software. General Motors arbeitet mit dem Fahrdienst-Anbieter Lyft an einer Flotte von Roboter-Taxis.

Wie stark der Druck ist, zeigt auch eine Äußerung des Präsidenten des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt. In der Rheinischen Post riet er den deutschen Autobauern, enger mit einander zu kooperieren, um Unternehmen wie Google etwas entgegensetzen zu können. „Damit die deutsche Autoindustrie nicht in eine zu hohe Abhängigkeit von den Internetkonzernen kommt, besteht ein hohes Interesse daran, dass sie für das Auto der Zukunft eigene Standards entwickeln“, sagte Mundt der Rheinischen Post. Mit Blick auf die Entwicklung selbstfahrender Elektroautos sagte er, denkbar seien etwa „Standards für einheitliche Batterien, Ladestationen und teilweise auch Software“, sofern diese für Wettbewerber offen blieben. Die Behörde, die Monopolbildungen verhindern soll, rät damit zu einer Art Monopolbildung in Sachen „Auto der Zukunft“.

Eine derartig engere Kooperation würde für die deutschen Autobauer auch weitere Vorteile mit sich bringen. Je nachdem, wie eng zukünftig zusammengearbeitet wird, könnte dies auch zu Einsparungen bei den Lohnkosten führen. Arbeiten mehrere Autobauer zusammen, können bestimmten Produktions- bzw. Forschungsprozesse und damit auch Belegschaften zusammengelegt werden. TTIP verstärkt diesen Prozess. Das Abkommen strebt ebenfalls eine Forcierung und gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Standards bei den einzelnen Verhandlungspartnern an. Das begünstigt Monopolbildungen. Das erleichtert die Untergrabung von fairen Löhnen. Lohndumping ist die Folge.

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