Amerikaner kaufen weniger VW

Der Absatz der Kernmarke VW sank im Dezember verglichen mit dem Vorjahr um 9,1 Prozent auf 30 956 Autos. Damit brachen die Verkäufe seit Beginn des Abgas-Skandals bei VW den zweiten Monat in Folge ein.

Nach der VW-Abgas-Affäre spürt VW nun erste Auswirkungen auf dem US-Automarkt. Während im Dezember die Konkurrenz ihren Absatz dank gesunkener Spritpreise deutlich steigern konnte, verkaufte der Wolfsburger Konzern nach eigenen Angaben vom Dienstag neun Prozent weniger als vor einem Jahr. Bereits im November waren die Auslieferungen von VW um ein Viertel eingebrochen. Der US-Marktführer General Motors dagegen verbuchte im Dezember ein Plus von rund sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Ford, die Nummer zwei in den USA, verkaufte acht Prozent mehr Autos. Noch mehr zugelegt haben der Weltmarktführer Toyota mit einem Plus von elf Prozent und Fiat-Chrysler mit plus 13 Prozent.

Günstige Spritpreise lockten die Käufer in die Autohäuser, sie interessierten sich vor allem für SUVs und Trucks. Diese größeren Fahrzeuge werden auch beliebter, weil die Hersteller inzwischen auf einen geringeren Verbrauch achten. Die meisten Autobauer konnten zudem in den USA von günstigen Finanzierungsbedingungen für die Kunden und der robusten Konjunktur profitieren.

Das macht die Konzerne auch für 2016 zuversichtlich. „Die US-Wirtschaft wird weiterhin wachsen“, prophezeite GM-Chefökonom Mustafa Mohatarem. Die wichtigsten Faktoren für eine starke Nachfrage nach Neuwagen seien gegeben: Beschäftigung und steigende Einkommen. Er rechne daher 2016 mit dem zweiten Rekordjahr in Folge.

2015 rollten nach Angaben des Marktforschers Autodata in den USA insgesamt 17,47 Millionen Autos von den Höfen der Händler. Damit ist der Rekord aus dem Jahr 2000 geknackt, als Autodata zufolge 17,41 Millionen verkauft wurden. Von Thomson Reuters befragte Analysten hatten allerdings im Schnitt mit 18,1 Millionen Fahrzeugen gerechnet. Seit der Absatzdelle in der Finanzkrise ist die Branche auf Erholungskurs. Viele Marktbeobachter erwarten, dass die Autoindustrie 2016 erneut einen Rekord aufstellt.

Das hat Daimler mit Mercedes Benz im vergangenen Jahr bereits geschafft. 380.461 Fahrzeuge seien 2015 in den USA verkauft worden, teilte das Unternehmen mit. Im Dezember sei der Absatz um 1,7 Prozent gesteigert worden. Dagegen hat der Konkurrent BMW im Dezember weniger abgesetzt. 34.625 Autos der Marke BMW seien in den USA verkauft worden. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 41.526.

In Frankreich musste VW ebenfalls im Dezember sinkende Verkäufe hinnehmen. 8,9 Prozent weniger Fahrzeuge wurde gegenüber dem Vorjahresmonat neu angemeldet. Aufs Gesamtjahr gesehen steigerte der Konzern seine Absatzzahlen um 3,9 Prozent – die durchschnittliche Steigerung aller ausländischen Autobauer lag allerdings bei 9,4 Prozent.

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  1. Peter G. sagt:

    Warum wird nicht deutlich darauf hingewiesen, woher die US-NGOs die Kenntnis über die VW-Manipulationen hatten?
    Zitat““Es waren Beamte aus der EU-Administration“, sagte die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde (Carb), Mary Nichols, der „Wirtschaftswoche“.
    .
    Das ICCT untersuchte den Fall und leitete die Ergebnisse an die US-Umweltbehörden EPA und Carb weiter. Sie machten den Abgasskandal schließlich öffentlich.Die „Wirtschaftswoche“ berichtete am Freitag aus EU-Kommissionskreisen, ein Automobilzulieferer habe den damaligen EU-Industriekommissar Antonio Tajani auf die möglichen illegalen Manipulationen an der Motorsteuerung bei Abgasmessungen hingewiesen, und zwar bereits im Jahr 2011. Nach Informationen des Blatts waren es EU-Beamte, die über die Untätigkeit der EU-Kommission frustriert waren.“ Zitatende
    .
    Damit kommen sowohl die hohe und höchste Politik ins Spiel als auch handfeste Wirtschaftsinteressen von konkurrierenden europäischen Unternehmen. Warum bleiben diese Aspekte außer Betracht?