Sparkassen profitieren vom Immobilienboom

Die Krisenangst und die niedrigen Zinsen treiben nicht nur Investoren und Unternehmen in deutsche Immobilien. Auch privat sind Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser gefragt. Dafür greifen die Bürger auch vermehrt zu Krediten. Die Sparkassen haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Kredite vergeben können.

 

Die Sparkassen haben im vergangenen Jahr trotz der verhaltenen Kreditnachfrage in Deutschland so viel Geld verliehen wie nie zuvor. In den ersten elf Monaten 2015 sei das Kreditvolumen um rund 19 Prozent auf 140 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Branchenverband DSGV am Montag mit. Im Gesamtjahr werde ein Rekordwert erwartet. An Privatpersonen vergaben die gut 400 deutschen Sparkassen bis Ende November Kredite in Höhe von 60 Milliarden Euro – 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Hauptgrund war der Immobilienboom.

Im hart umkämpften Firmenkundenmarkt bauten die Sparkassen ihr Neugeschäft um 18 Prozent auf 72 Milliarden Euro aus. Bei Unternehmenskrediten behaupten die öffentlich-rechtlichen Institute damit laut DSGV ihre Spitzenposition in Deutschland. Zusammen kamen Sparkassen und Landesbanken Ende des dritten Quartals auf einen Marktanteil von 42,5 Prozent.

Branchenweit ist die Kreditnachfrage von Unternehmen und Selbstständigen derzeit dagegen mau, wie eine Studie des Förderinstituts KfW zeigt. Das Neugeschäft in Deutschland sei im dritten Quartal 2015 erstmals seit anderthalb Jahren geschrumpft – um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Schlussquartal rechnet die KfW mit einem Minus von 1,5 Prozent.

„Der deutsche Kreditmarkt ist derzeit auf dem Weg zu alter Schwäche“, sagte KfW-Chefsvolkswirt Jörg Zeuner. „Vorteilhafte Kreditkonditionen allein reichen nicht, um die Unternehmen dauerhaft zu verstärkter Kreditaufnahme zu bewegen.“ Deutsche Firmen haben zuletzt viel Geld auf die hohe Kante gelegt. Das Kreditgeschäft werde deshalb erst dann wieder anziehen, wenn Unternehmen deutlich mehr Geld für Investitionen in die Hand nähmen, erklärte Zeuner.

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