Bauern fordern höhere Fleischpreise

Die deutschen Bauern fordern von den Handelskonzernen eine deutliche Erhöhung der Fleischpreise. „Das ist eine Investition in mehr Tierschutz, der sich niemand versperren darf“, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Dienstag. Der Handel soll...

Die deutschen Bauern fordern von den Handelskonzernen eine deutliche Erhöhung der Fleischpreise. „Das ist eine Investition in mehr Tierschutz, der sich niemand versperren darf“, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Dienstag. Der Handel soll demnach höhere Beiträge in den Fonds der Initiative Tierwohl einzahlen, aus dem Landwirte für eine bessere Tierhaltung bezuschusst werden.

Rukwied rief die Supermarkt- und Discounterketten auf, ihren Beitrag zur Initiative zu verdreifachen. Sie sollten ihn von derzeit vier Cent pro Kilo auf zwölf Cent aufstocken, sagte er der Zeitung. Bei einem Beitrag von zwölf Cent könnte jeder Schweine- und Geflügelhalter in Deutschland teilnehmen.

In einer ersten Runde der Initiative Tierwohl im vergangenen Jahr hatten sich etwa doppelt so viele Schweinehalter angemeldet, wie Geld im Topf war. Die Hälfte der Bauern ging leer aus, hatte aber laut Bauernverband vorab bereits in Stallanlagen investiert. Seitdem ist unklar, wie es weiter geht. „Leider verfangen wir uns derzeit in sehr kleinteiligen Diskussionen“, sagte Rukwied der „Neuen Osnabrücker“.

Handel und Produzenten wollen mit der Initiative Missständen vorbeugen und das Vertrauen der Verbraucher in ihre Produkte stärken. Die Handelsunternehmen wollen zwar mit mehr Tierwohl für sich werben – auf der einzelnen Packung mit Koteletts oder Hühnchenbrust soll es aber kein neues Siegel geben.

Neben den geringen Preisen haben die Bauern weiterhin mit den anhaltenden Russland-Sanktionen zu kämpfen. „Die Bemühungen hinsichtlich einer Aufhebung des Embargos müssen intensiviert werden„, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied der Neuen Osnabrücker Zeitung. Der Boykott Russlands für Produkte aus Europa sei eine Ursache für die „schlimme Lage„ vieler Landwirte in Deutschland.

Das Embargo der russischen Regierung gegen Lebensmittel aus EU-Staaten koste die deutschen Bauern jährlich fast eine Milliarde Euro, ergänzte Rukwied. Das russische Importverbot sei mitverantwortlich für den Preisverfall bei Fleisch, Milch und auch Getreide.

Nachdem die EU wegen des Ukraine-Konflikts 2014 Sanktionen gegen Russland verhängt hatte, beschloss Moskau im Sommer 2014 seinerseits ein Embargo für Lebensmittel aus den EU-Mitgliedsstaaten. Auf der Grünen Woche in Berlin ist Russland laut Tagesspiegel erstmals seit 1993 nicht vertreten. Seit 2006 sei das Land einer der größten Aussteller gewesen.

Ebenfalls hart in die Kritik ging der Bauernpräsident mit dem Mindestlohn, der zum 1. Januar 2016 auf acht Euro pro Stunde für Erntehelfer gestiegen ist. „Arbeitsintensive Produktionsbereiche in der Landwirtschaft“ stünden dadurch vor dem Aus, sagte Rukwied der Zeitung. „Die Erdbeere aus Deutschland wird dann zum Auslaufmodell.“

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) rechnet mit einem schwierigen Jahr für die deutschen Bauern. „Die Lage bleibt schwierig“, sagte er der Passauer Neuen Presse von Montag. Grund dafür seien Unsicherheiten auf wichtigen Absatzmärkten. „Wir wissen nicht, wie sich die wirtschaftliche Situation in China weiter entwickelt und ob wir mehr oder just weniger Stabilität im arabischen Raum und in Afrika haben werden.“ Dies habe Auswirkungen auf die Einkommen der Bauern. „Ich blicke also mit einiger Sorge auf das neue Jahr“, sagte der Minister.

 

 

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  1. Syssiphus sagt:

    Was den Mindestlohn anbelangt sind doch schon die Forderungen nach Ausnahmeregelungen für die zugewanderten Fachkräfte (Dumpinglöhner) publik gemacht worden.Nur so hätten die wirklich eine Chance auf Arbeit.Dabei aber nicht zwischen die Pflanzen urinieren,so wie das die rumänischen Erntehelfer in Östereich gemacht haben und als das bekannt wurde,konnten die Erbeeren nur noch nach Deutschland exportiert werden,da in Östereich unverkäuflich.