Schweizer Industrie in der Krise

Die Schweizer Industrie leidet massiv unter der Frankenstärke und dem mauen Wirtschaftswachstum. Tausende Arbeitsplätze sind bereits verloren gegangen. General Electric hat die Streichung von über 1.000 Stellen in Schweizer Betrieben von Alstom angekündigt. Die Kurzarbeit wurde in etlichen Unternehmen ausgedehnt.

 

Es ist kaum eineinhalb Jahre her, dass der US-Konzern General Electric das französische Unternehmen Alstom kaufte. Damals wollte niemand von Stellenabbau sprechen. Nun aber sollen 6.500 Stellen gestrichen werden, rund 1300 davon auch bei Alstom in der Schweiz. Die Ankündigung von Generel Electric reiht sich ein in eine Reihe negativer Nachrichten aus der Schweizer Industrie. Seit der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro kämpft die Branche mit herben Rückschlägen.

Für den Verband Angestellte Schweiz ist die Nachricht vom Alstom-Stellenabbau ein „Kahlschlag in der Schweizer Industrie“. Der Abbau sei ein „Schlag ins Gesicht aller Angestellten – the american style of management  ist definitiv auf dem  Werkplatz Schweiz angekommen “, sagte Christof Burkard, stellvertretender Geschäftsführer der Angestellten Schweiz.

Alstom ist nicht der einzige Problemfall in der Schweiz. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres waren Produktion und Umsatz im sekundären Sektor in allen Branchen außer im Fahrzeugbau und bei der Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen im Minus. Die Umsätze bei den Herstellern von Metallerzeugnissen beispielsweise gingen um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zurück. Im Maschinenbau lag das Umsatzminus bei 7,5 Prozent, so das Bundesamt für Statistik.

Im Viertel Quartal dürfte die Entwicklung angehalten haben. Der Industrieverband MEM verzeichnete in der MEM-Branche in den ersten neun Monaten ein Minus bei den Auftragseingängen im Umfang von Minus 14,1 Prozent. Die Aufträge aus dem Ausland sanken im Jahresvergleich um 14,5 Prozent, die aus dem Inland um 13 Prozent.

Die Geschäftszahlen der MEM-Industrie zeigen die einschneidenden Folgen der massiven Überbewertung des Schweizer Frankens“, so der Verband. „Neben den Einbrüchen beim Auftragseingang und dem Umsatz wirken sich insbesondere die hohen Margenverluste aus.“ Jedes dritte Unternehmen rechnet deswegen für 2015 mit einem operativen Verlust.

Bereits im November hatte der Verband Swissmechanic vor einer drohenden Deindustrialisierung in der Schweiz gewarnt. „Die Kombination aus starkem Franken, schleppender EU-Konjunktur und dem Hochlohnland Schweiz sorgt für eine schleichende Deindustrialisierung“, so der Verband. Diese geschehe fernab der grossen Schlagzeilen. Bisher sind in der Branche 3.000 Stellen abgebaut worden. Bis Ende des Jahres könnte sich diese Zahl hinsichtlich der Schätzungen des Verbandes verdoppeln.

Das spiegelt sich auch in dem sinkenden Angebot offener Stellen wider. Demnach ist seit der Aufhebung des Mindestkurses die Zahl der offenen Stellen insgesamt um 2,3 Prozent zurückgegangen. Allein die Stellenangebote der Industrie haben zwischen dem vierten Quartal 2014 und dem letzten Quartal 2015 um elf Prozent abgenommen: Fahrzeugbau (- 20 %), Maschinen und Metall (- 18 %), Uhren- und Schmuckindustrie (- 13 %).

Stefan Studer, Geschäftsführer von Angestellte Schweiz bemerkte anlässlich der Stellenstreichungen bei Alstom, „dass uns in Bezug auf den Verlust von Arbeitsplätzen in der Exportindustrie das Schlimmste noch bevorsteht“. Um der Industrie etwas unter die Arme zu greifen, hat der Bundesrat nun die Höchstbezugsdauer von Kurzarbeitsentschädigungen von 12 auf 18 Monate verlängert.

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