Chinas Investoren beginnen mit neuer Einkaufstour

In den vergangenen 12 Monaten sind chinesische Unternehmen wieder vermehrt auf Einkaufstour. Die USA und vor allem auch Deutschland ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Ein Blick auf die Direktinvestitionen zeigt jedoch, dass China noch nicht annähernd so viel in Deutschland investiert hat wie Deutschland in China.

Während die Börse in China in den vergangenen Tagen mit fallenden Kursen zu kämpfen hatte, haben chinesische Investoren ihre Einkaufstour vom vergangenen Jahr fortgesetzt. Für 3,5 Milliarden Euro hat der chinesische Mischkonzern Dalian Wanda in dieser Woche die Mehrheit an dem Hollywood Filmstudio Legendary Entertainment übernommen. Das Studio ist bekannt für Produktionen wie Jurassic Park, Batman, Godzilla oder Inception. Bei der Dalian Wanda Group handelt es sich um den größten Kinobetreiber der Welt, wenngleich der Konzern auch zahlreiche Einkaufszentren und andere Immobilien besitzt und mit diesen handelt. China ist heute bereits der zweitgrößte Kinomarkt und könnte die USA in wenigen Jahren überholen.

Doch China interessiert sich in den USA nicht nur für Filmstudios. Wie bekannt wurde, hat der chinesische Konzern seine Investitionen jetzt auch auf Smartphone-Apps ausgeweitet. Für etwa 155 Millionen Dollar soll das Unternehmen nun 60 Prozent der Anteile an der Dating-App Grindr besitzen.

Doch nicht nur die USA sind für China interessant. Auch Europa ist im Blickfeld. „Insgesamt stieg die Zahl der Investitionen chinesischer Unternehmen europaweit von 153 auf 210“, wie eine aktuelle EY-Studie zeigt. Die meisten Direktinvestitionen gingen dabei nach Deutschland. Vor allem Maschinen, Kraftfahrzeugteile und Elektrotechnik locken die chinesischen Investoren derzeit. So wird nun der Spezialmaschinenbauer KraussMaffei für 925 Millionen Euro an die staatliche chinesische National Chemical Corporation (ChemChina) verkauft. Auch bei der Zahl der Unternehmenskäufe lag Deutschland mit 36 Akquisitionen im vergangenen Jahr ganz oben in der Gunst der chinesischen Investoren, so die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY).

Bekannte chinesische Übernahmen waren in der Vergangenheit der Betonpumpenhersteller Putzmeister und Schwing, der Automobilherstellers Kiekert und der Computerhändler Medion. „Zahlreiche chinesische Investoren haben sich bereits erfolgreich in Deutschland angesiedelt und verbreiten ihre positiven Erfahrungen in ihrem Heimatland“, sagt Yi Sun von EY. „Verglichen mit anderen europäischen Staaten finden sie in Deutschland einen hohen Innovationsgrad und ein stabileres Wirtschaftswachstum.“

Ein Blick auf die Höhe der gegenseitigen Direktinvestitionen zeigt jedoch, dass von Seiten Chinas noch erhebliches Potential zu erwarten ist. So beliefen sich die chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland im vergangenen Jahr auf 1,4 Milliarden Euro. Andererseits lagen die deutschen Direktinvestitionen in China bei mehr als 40 Milliarden Euro.

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