Zuwanderungs-Debatte schadet Schweizer Finanzplatz

Die Regierung ist verpflichtet ab 2017 die Einwanderung in die Schweiz zu deckeln. Die nationalen Banken sind jedoch auf internationale Beschäftigte und Kunden angewiesen. Das und die drohenden härteren Auflagen könnten den Schweizer Finanzplatz weiter schwächen.

Die Regierung ist verpflichtet, ab 2017 die Einwanderung in die Schweiz zu deckeln. Die nationalen Banken sind jedoch auf internationale Beschäftigte und Kunden angewiesen. Das und die drohenden härteren Auflagen könnten den Schweizer Finanzplatz weiter schwächen.

Um im Wettlauf mit anderen Vermögensverwaltungszentren wie Hongkong oder Singapur nicht an Boden zu verlieren, benötigten die Schweizer Banken gute Rahmenbedingungen, sagte Boris Collardi, Präsident der Vermögensverwaltervereinigung VAV und Vermögensverwalter von Julius Bär. Sorge bereite ihnen daher eine Beschränkung der Zuwanderung in die Schweiz. Ein Volksentscheid aus dem Jahr 2014 verpflichtet die Regierung in Bern, ab 2017 je nach den Bedürfnissen der Wirtschaft jährliche Höchstzahlen für die Einwanderung festzulegen.

EU-Bürger könnten dann nicht mehr ohne Genehmigung in die Schweiz übersiedeln. Notfalls will die Schweiz diese Quoten auch ohne grünes Licht aus Brüssel festlegen. „Ein Wegfall der Personenfreizügigkeit wäre nicht nur für den Wirtschaftsstandort allgemein, sondern auch für den Finanzplatz Schweiz im Besonderen verheerend“, warnte Collardi. Die Finanzindustrie sei auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen.

Insgesamt rechnet der VAV-Präsident mit einer weiteren Konsolidierung in der Schweizer Finanzbranche. Die Branche leidet nämlich noch immer auch unter den Folgen der neuerlichen Steuerabkommen. Das trifft der Beratungsgesellschaft PwC zufolge vor allem die kleineren Schweizer Banken. Demnach werden in den nächsten Jahren 20 bis 25 Prozent dieser Finanzinstitute vom Markt verschwinden. Schon in den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Schweizer Banken reduziert: von 185 2008 auf 151 im vergangenen Jahr.

Zudem müssen sich die weltgrößten Geldhäuser künftig auf strengere Kapitalregeln einstellen. Die meisten Institute sollten zwar wie bisher eine Verschuldungsquote (Leverage Ratio) von mindestens drei Prozent aufweisen, erklärte die Gruppe der Zentralbankpräsidenten und Leiter der Bankenaufsichtsinstanzen (GHOS). Für die 30 global systemrelevanten Banken habe die GHOS aber „zusätzliche Anforderungen“ diskutiert. Zu diesen Instituten zählen unter anderem die Deutsche Bank, BNP Paribas und Goldman Sachs.

Die Leverage Ratio beschreibt das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme. Sie ist – im Gegensatz zur harten Kernkapitalquote (CET1) – unabhängig vom Risikogehalt der Bankgeschäfte. Die Deutsche Bank will die Postbank unter anderem deshalb verkaufen, weil sie auf diese Weise ihre Leverage Ratio verbessern kann. Die Aufsichtsbehörden in den USA, der Schweiz und Großbritannien haben bereits deutlich gemacht, dass sie von ihren Großbanken Leverage Ratios zwischen vier und sechs Prozent erwarten.

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