Schwaches Fracking-Geschäft: US-Konzern verliert Milliarden

Der weltgrößte Minenkonzern BHP Billiton muss 7,2 Milliarden Dollar auf das US-Geschäft abschreiben. Der fallende Ölpreis macht das Fracking völlig unrentabel: Der Rohstoff-Riese hatte noch vor einem Jahr 26 Bohrplattformen in den USA, bis Ende März sollen es nur noch fünf sein.

Der freie Fall beim Ölpreis zwingt den weltgrößten Minenkonzern BHP Billiton zu Milliardenabschreibungen auf sein US-Geschäft. Der australisch-britische Konzern musste eine Wertminderung von 7,2 Milliarden Dollar auf seine Förderung von Schieferöl und -gas vornehmen. Wie Firmenchef Andrew Mackenzie am Freitag weiter mitteilte, hat der drastisch gesunkene Ölpreis den Konzern trotz aller Sparanstrengungen zu dem Schritt gezwungen. Das wegen der eingesetzten Chemikalien umstrittene Fracking zur Schieferölgewinnung ist deutlich teurer als die konventionelle Förderung. BHP war 2011 zu Zeiten weit höherer Rohstoffpreise mit Investitionen von mehr als 20 Milliarden Dollar in das damals lukrative Geschäft in den USA eingestiegen.

Das US-Abenteuer droht für den Konzern nun zum Milliardengrab zu werden. Der Wert des US-Fracking-Geschäfts wird nur noch auf zwölf Milliarden Dollar taxiert. Und dies dürfte nach Ansicht vieler Anleger noch nicht das Ende sein. Analysten von Citi und Morgan Stanley schätzen den Wert auf 9,3 beziehungsweise 11 Milliarden Dollar.

Beim Fracking wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien in Ton- oder Schiefergestein gepresst und dieses damit aufgebrochen. Das aufwendige Verfahren lohnt sich bei den aktuell niedrigen Rohölpreisen kaum noch. Der Konzern hatte noch vor einem Jahr 26 Bohrplattformen in den USA, bis Ende März sollen es nur noch fünf sein.

Die Aktien des Konzerns gerieten nach den Nachrichten aus den USA unter Verkaufsdruck: An der Londoner Börse verloren sie bis zu 6,5 Prozent an Wert. Erstmals seit mehr als 25 Jahren wird der Rohstoffgigant wohl gezwungen sein, den Aktionären die Dividende zu kürzen. Die Rating-Agentur Moody’s hatte die bisherige Politik stabiler Dividenden bereits als Risiko identifiziert und nicht ausgeschlossen, die Bonitätsnote „A1“ zu kassieren.

Konzernlenker Mackenzie nannte die Abschreibungen auf das US-Geschäft enttäuschend. Da der Ölpreis jedoch allein in den vergangenen drei Monaten um mehr als 30 Prozent einbrach, sei der Schritt unvermeidlich: „Die Öl- und Gasmärkte haben sich deutlich schwächer als erwartet entwickelt“, sagte der BHP-Chef.

Sinkende Rohstoffpreise wegen der Konjunkturabkühlung in China haben den Konzerngewinn von BHP bereits auf den niedrigsten Wert seit zehn Jahren gedrückt.

Dem Unternehmen macht auch der Preisverfall bei Eisenerz schwer zu schaffen. Mit diesem Bodenschatz erzielte das Unternehmen voriges Jahr rund 60 Prozent des operativen Gewinns. Einen weiteren Nackenschlag erhielt das Unternehmen, als Brasilien BHP sowie den Minenkonzern Vale nach einem verheerenden Dammbruch in einer Eisenerzmine auf umgerechnet 4,9 Milliarden Euro Schadenersatz verklagte. Das Geld soll für Säuberungs- und Wiederaufbau-Arbeiten nach der bislang schwersten Umweltkatastrophe in dem südamerikanischen Land eingesetzt werden.

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