Zu hohe Personalkosten: Autobranche zieht es nach Mexiko

Mexikos Autoproduktion ist 2015 drastisch gestiegen. Mehr als die Hälfte der dort produzierten Autos gehen ins Ausland. Unternehmen wie VW, Ford, Goodyear und Toyota haben den Markt bereits für sich entdeckt. Internationale Abkommen haben den Zugang der Firmen zu billigen Arbeitern vereinfacht.

Mexiko hat seine Autoproduktion im vergangenen Jahr auf fast 3,4 Millionen Fahrzeuge erhöht und damit einen neuen Rekord erzielt. Das waren 5,6 Prozent mehr als 2014, wie der Verband der Autoindustrie am Montag mitteilte. Mehr als die Hälfte, rund 2,75 Millionen Autos, gingen demnach in den Export: 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Autos wurden in die USA (72,2 %), nach Kanada (10,1 %) und nach Deutschland (3,4 %) exportiert. Damit ist Mexiko der siebtgrößte Autoproduzent der Welt.

Bis 2020 will das Land Indien und Südkorea überholen und sich einen Platz unter den Top Five sichern. Bis dahin sollen fünf neue Werke die Arbeit aufnehmen. Die Regierung geht davon aus, dass die Jahresproduktion damit auf rund fünf Millionen Fahrzeuge gesteigert werden kann.

Ford plant Insidern zufolge den Bau eines neuen Werks in Mexiko. Dort sollen jährlich 350.000 Fahrzeuge im Bundesstaat San Luis Potosi in Zentralmexiko gebaut werden können. Ford plant Investitionen im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar. Ford wolle das Vorhaben noch im ersten Quartal bekanntgeben.

In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Autobauer für den Bau neuer Werke in Mexiko entschieden. Der japanische Automobilhersteller Toyota plant einem Medienbericht zufolge in China und Mexiko ebenfalls neue Fabriken. Insgesamt wolle Toyota 150 Milliarden Yen (1,15 Milliarden Euro) in zwei Fabriken in diesen Ländern investieren und so seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessen, berichtete das Wirtschaftsblatt Nikkei.

Auch der Reifenhersteller Goodyear will seine Präsenz in Mexiko erhöhen. Das US-Unternehmen Goodyear baut in Mexiko eine neue Reifenfabrik und investiert 550 Millionen US-Dollar (zur Zeit rund 510 Mio Euro). Ab 2017 werde der Konzern in dem Werk in San Luis Potosí im Zentrum des Landes jährlich rund sechs Millionen Reifen herstellen, sagte Vorstandsvorsitzender Richard Kramer. 1.000 neue Arbeitsplätze sollen in der neuen Fabrik entstehen.

Auch VW engagiert sich seit einiger Zeit in Mexiko. Nach vor der Abgas-Affäre hatte das Unternehmen bekanntgegeben, dass die Produktion des Tiguan XL mit drei Sitzreihen Ende 2016 beginnen werde. Eine Milliarde Dollar sollte der dafür notwendige Ausbau des Werks in Puebla kosten. Ob die Pläne nun aber aufgrund der Abgas-Affäre verschoben oder gar ad acta gelegt werden, ist noch unklar.

Bereits jetzt produzieren in Mexiko 600 Zulieferbetriebe für die Autoindustrie. Niedrige Löhne, eine gute Infrastruktur, die Nähe zum wichtigen US-Markt und über 40 Freihandelsabkommen machen den Standort für die Branche attraktiv. Darunter auch ein Abkommen mit der EU (1997 unterzeichnet). Das TTIP-Abkommen könnte dieser Entwicklung noch einmal Aufwind verschaffen. Gleichzeitig aber zeigt Mexikos Autobranche, wie stark Handelsabkommen die Verlagerung von Produktionsprozessen noch beschleunigen kann. Allein für VW arbeiteten im Sommer 2015 noch 15.000 Beschäftigte in Mexiko. TTIP könnte dazu führen, dass sich die Automobilbranche noch stärker in Mexiko einbringt. Gerade die deutlich geringeren Produktionskosten spielen dabei neben der Nähe zum US-Markte eine wichtige Rolle. In Mexiko sind die Personalkosten einfach deutlich niedriger als in Deutschland.

Bislang aber ist das North American Free Trade Agreement NAFTA noch die Grundlage für die größte Freihandelszone der Welt. Seit dem 1. Januar 1994 ist es in Kraft. Die Folge: Zwischen 1993 und 2003 stiegen die Exporte Mexikos in die USA um 234 Prozent auf 136 Milliarden US-Dollar an. Der Anteil der mexikanischen Importe in die USA erhöhte sich infolgedessen von 6,8 auf 11,6 Prozent, wie die Konrad-Adenauer-Stiftung in einer Analyse angibt. Die Reallöhne in Mexiko sind jedoch nicht angestiegen:

„Dies lässt sich größtenteils auf die starke Abwertung des Pesos im Jahr 1994 zurückführen. Die Reallöhne sanken aufgrund der Finanzkrise um 20 Prozent. Die Krise wurde jedoch durch die Überbewertung des Pesos und nicht durch das NAFTA-Abkommen bedingt. Heute erreichen die Reallöhne das vor der Krise herrschende Lohnniveau. Zum einen machen sich die Auswirkungen einer Finanzkrise langfristig spürbar. Zum anderen jedoch bedeutet der Umstand, dass die Reallöhne trotz ständig steigender Produktivität den Rückschlag vor zehn Jahren erst heute aufholen können, dass die Reallöhne nicht im gleichen Maß gewachsen sind wie das Handelsvolumen. “ (Stand 2004)

Zwischen 2012 und 2015 sind die Lohnsteigerungen nur knapp oberhalb der Inflationsrate gewesen. Die lag zwischen 3,1 und 4,1 in den vergangenen vier Jahren.

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