Deutsche Bahn steigt ins Paket-Geschäft ein

Die Deutsche Bahn will gemeinsam mit dem Paketdienst GLS in das Paketgeschäft einsteigen. Der Start werde in Deutschland erfolgen, erklärte Bahnchef Rüdiger Grube. Hinter dem Vorhaben dürfte die Absicht der Bahn stecken, die Frachttochter Schenker für einen (Teil-)Verkauf zu positionieren. Die Frachtbranche ist derzeit global unter Druck.

Die Bahn plant, mit ihrer Logistiktochter DB Schenker ins Paketgeschäft einzusteigen. Schenker ist das größte europäische Verkehrsunternehmen im Schienengüterverkehr. Die Zustellung vor Ort soll GLS übernehmen. Das Angebot reiche vom Paket über Stückgut bis hin zu kompletten Ladungen, sagte Grube. Offiziell will die Bahn mit der Zusammenarbeit die Position ihrer Logistiktochter im stark wachsenden Internethandel stärken.

Einige Beobachter sehen andere Gründe für den Vorstoß. Sie gehen davon aus, dass es sich bei der Kooperation von DB Schenker mit GLS um einen Versuch der Bahn handelt, die Logistiktochter für einen Verkauf „aufzuhübschen“. Der Eintritt ins Paketgeschäft findet vor dem Hintergrund eines möglicherweise baldigen Eintritts von Amazon ins europäische Paketgeschäft statt. Die Frachtbranche steht weltweit unter großem Druck und DB Schenker soll im vergangenen Jahr einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet haben. Wegen des schlechten Geschäfts der Frachttochter plant die Bahn nach Angaben von Grube wertberichtigende Sonderabschreibungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2015. Amazon könnte in den Planungen der Bahn als Käufer von DB Schenker dienen.

Mittelfristig, so Grube, wolle die Bahn DB Schenker sowie die Personenverkehrstochter DB Arriva teilprivatisieren. Die Bahn werde in jedem Fall die Mehrheit behalten, sagte Grube. In den kommenden fünf Jahren will der Konzern Grube zufolge im Gesamtnetz 20 Milliarden Euro aus Eigenmitteln investieren. Um die Verschuldung dabei zu begrenzen „und somit die finanzielle Stabilität unseres Konzerns abzusichern“, sei eine Kapitalbeteiligung Dritter an DB Arriva und DB Schenker notwendig.

Ursprünglich sollten die Pläne am 8. Februar vorgestellt werden. Da die Gespräche mit den zuständigen Bundesministerien des Bahneigentümers Bund bei „einer Vielzahl von Detailfragen“ noch nicht abgeschlossen seien, solle das Thema „in einer der nächsten Aufsichtsratssitzungen“ behandelt werden, sagte Grube, ohne einen konkreten Termin zu benennen.

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