Investoren stürzen sich auf deutsche Start-ups

Im vergangenen Jahr haben Investoren 3,1 Milliarden Euro und damit soviel Geld wie nie zuvor in deutsche Start-ups gesteckt. Auch Großkonzerne wie BMW oder BASF engagieren sich immer stärker in der Start-up Szene. Zudem nähmen ausländische Investoren zunehmend deutsche Start-ups ins Visier, weil mit den Niedrigzinsen der Anlagedruck und die Risikobereitschaft steige.

Die deutsche Start-up-Szene boomt und Berlin ist ihr Mekka. Knapp 3,1 Milliarden Euro wurden 2015 bundesweit in Start-ups investiert, wie aus einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hervorgeht. Dies sei fast doppelt so viel Geld wie im Vorjahr und fast fünfmal so viel wie 2013.

Mit Abstand die meisten Investitionen flossen in die florierende Berliner Start-up-Szene, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Studie hervorgeht. Insgesamt 2,1 Milliarden Euro frisches Kapital seien an insgesamt 183 Unternehmen der Hauptstadt gegangen.

Auch europaweit war Berlin demnach der Primus: Auf Platz zwei folgte London mit Investitionen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro, auf den Plätzen drei und vier Stockholm (992 Millionen Euro) und Paris (687 Millionen Euro). Hamburg mit 296 Millionen Euro und München mit 206 Millionen Euro belegten demnach europaweit die Plätze fünf und sechs.

„Deutsche und ausländische Investoren nehmen zunehmend deutsche Internet- und Technologie-Start-ups ins Visier“, erklärte Peter Lennartz von EY. „Die Risikobereitschaft und der Anlagedruck sind so groß wie lange nicht mehr – und die starken Schwankungen an den Aktienmärkten, die anhaltende Niedrigzinsphase und die gleichzeitig immer deutlicher werdende enorme Bedeutung der Digitalisierung machen junge Technologieunternehmen zu reizvollen Investitionszielen“. Mit Blick auf die Hauptstadt ergänzte er: „Berlin hat sich in den vergangenen Jahren auch international als attraktiver Standort für Firmengründer etabliert, auch ausländische Investoren haben die Bundeshauptstadt inzwischen auf dem Schirm“.

In Berlin sei in den vergangenen Jahren ein „funktionierendes und professionelles Ökosystem für Start-ups“ entstanden, das aktuell die höchsten Wachstumsraten weltweit vorweise und für Talente aus allen Teilen der Welt “hoch attraktiv“ sei.

Den Studienautoren zufolge konnten aber längst nicht alle Unternehmen in gleichem Maße profitieren: Insgesamt wurde in Deutschland 2015 demnach in 371 Jungunternehmen Risikokapital investiert – nur 48 von ihnen erhielten eine zweistellige Millionensumme. Mit Abstand das meiste Kapital habe der Lieferdienst Deliveryhero eingefahren: nämlich fast 590 Millionen Euro.

Wie ernst Start-ups inzwischen auch von den etablierten deutschen Konzernen genommen werden, lässt sich auch an der steigenden Zahl von Investment-Aktivitäten ablesen, die von Großkonzernen aufgelegt werden. Im vergangenen Jahr stieg ihre Zahl von 32 auf 40. Ob BMW, BASF, Deutsche Telekom oder Volkswagen – kaum ein namhafter deutscher Konzern ist inzwischen nicht im Start-up-Umfeld aktiv, entweder mit eigenen Venture Capital Fonds oder Acceleratoren.

Peter Lennartz, Partner bei EY, kommentiert:„Immer mehr junge deutsche Unternehmen treten den Beweis an, dass sie die mit der Digitalisierung verbundenen Umbrüche aktiv und erfolgreich mitgestalten können. Dieses Know-how und diese Dynamik möchten sich auch die Unternehmen der „Old Economy“ sichern. Sie gründen eigene Risikokapital-Gesellschaften bzw. errichten neue „Acceleratoren-programme“ und „Company Builder“, über die sie in Kontakt zu innovativen Start-ups treten“.

Große Konzerne wie auch der deutsche Mittelstand müssten sicher gehen, rechtzeitig die Zeichen der Zeit zu erkennen – statt irgendwann mit ansehen zu müssen, wie ihnen die digitale Transformation ihr Geschäftsmodell raubt, betont Lennartz: „Die Old Economy verspricht sich von der Kooperation mit Start-ups also das nötige Plus an Innovationskraft, das ihnen helfen kann, die Herausforderungen der digitalen Transformation besser zu bewältigen“, so Lennartz. „Die Stärke gerade des Start-up-Standorts Berlin ist also auch eine große Chance für den Innovationsstandort Deutschland – und zwar dann, wenn es gelingt, die Finanzierungsmöglichkeiten weiter zu verbessern und eine fruchtbare Symbiose zwischen Old- und New Economy herbeizuführen“.

EY untersuchte nach eigenen Angaben die Risikokapitalinvestitionen in Europa in den Jahren 2013 bis 2015.

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