Europäer gehen leer aus: Volkswagen will nur US-Kunden entschädigen

Volkswagen lehnt im Abgas-Skandal eine Entschädigung seiner europäischen Kunden ab. US-Kunden hingegen bekommen Einkaufsgutscheine. Die Situation in den USA sei nicht vergleichbar, da dort die VW-Kunden wahrscheinlich länger auf geeignete Lösungen warten müssten, so der Autobauer zur Begründung.

Volkswagen behandelt die vom Abgasskandal betroffenen Kunden in Europa weiter anders als in den USA. Eine Entschädigung durch Einkaufsgutscheine wie in Amerika soll es hierzulande nicht geben. Die Situation in den USA und Kanada sei nicht mit der in anderen Märkten vergleichbar, teilte Europas größter Autobauer am Donnerstag mit. „Dort werden die Kunden wahrscheinlich länger auf geeignete Lösungen warten, als in den meisten anderen Ländern.“ Daher könne die Aktion nicht einfach auf andere Märkte übertragen werden.

VW bietet seinen Kunden in den USA Gutscheine im Wert von insgesamt 1000 Dollar an, die zum Teil bei VW-Autohäusern eingelöst werden können. Dort stößt das Angebot auf große Resonanz. Ein ähnliches Programm zur Besänftigung der Kunden ist auch für Audi in Arbeit. Die EU-Kommission und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatten Volkswagen aufgefordert, Kunden in Europa genauso zu entschädigen wie in den USA.

Volkswagen verwies darauf, dass der Rückruf von Autos mit manipulierten Stickoxidwerten in Europa in der nächsten Woche beginnt. Das Unternehmen arbeite derzeit an einem Gesamtpaket für alle betroffenen Märkte, um den Nachbesserungsprozess für die Kunden so angenehm wie möglich zu gestalten. Den Auto-Besitzern entstünden zudem durch die Reparatur ihrer Wagen keine Kosten.

Volkswagen-Chef Matthias Müller informierte EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska unterdessen in Brüssel über den Stand der Aufklärung des Abgasskandals. Es sei eine „kurze, offene Diskussion“ gewesen, teilte die Kommission am Donnerstagnachmittag mit. Bienkowska habe erneut darauf gedrungen, europäische Auto-Besitzer genauso zu entschädigen wie amerikanische. Sie habe zudem die Notwendigkeit betont, die Abgasaffäre vollständig aufzuklären. Dazu gehöre auch, die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit vollständig zu bewerten. Müller habe zugesagt, alle technischen Daten ohne Verzögerung zur Verfügung zu stellen, damit die Kommission einschätzen könne, ob die Reparatur der Autos wirke. Ebenso wichtig seien Angaben hinsichtlich der Abweichungen der CO2-Emissionen und Verbrauchsdaten der Fahrzeuge.

Volkswagen hatte zugegeben, Diesel-Emmissionswerte millionenfach durch eine Software manipuliert zu haben. Der Fall war im September von den US-Umweltbehörden EPA und CARB öffentlich gemacht worden. In den USA droht Volkswagen deswegen eine milliardenschwere Strafe. Anwälte haben zudem Schadensersatzklagen eingereicht. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge von Manipulation betroffen, allein in Europa sind es 8,5 Millionen.

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