Unfall-Forscher fordern gesetzliche Fahrtests für Senioren

Autofahrer ab 50 sollen künftig verbindliche Fahrtests absolvieren. Mit der Zahl älterer Autofahrer wachse auch die Unfallgefahr, so die Unfallforscher der Versicherer. Demnach seinen Senioren über 75 Jahren bei einer Verwicklung in Unfälle meist die Verursacher - die Quote liege damit höher als bei der Hochrisikogruppe der 18- bis 24-Jährigen.

Ältere Autofahrer sollten mittelfristig gesetzlich dazu verpflichtet werden, Testfahrten mit geschulten Beobachtern durchzuführen – das hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) vor Beginn des Verkehrsgerichtstages in Goslar angeregt. „Auf diese Weise könnten Senioren von unabhängigen Fachleuten überprüfen lassen, wie fit sie noch für den Straßenverkehr sind und ob von ihnen eine erhöhte Unfallgefahr ausgeht“, sagte der Leiter der UDV, Siegfried Brockmann, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Verkehrsgerichtstag hatte sich zuletzt vor einigen Jahren mit dem Thema Senioren im Straßenverkehr befasst. Das Gremium forderte ältere Autofahrer damals dazu auf, ihre Fahreignung freiwillig überprüfen zu lassen. Der ADAC unterstütze das Freiwilligkeits-Prinzip und biete deshalb schon seit einigen Jahren entsprechende Fahreignungs-Test für Senioren an, sagte die Sprecherin des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Christine Rettig.

Die Unfallforscher sehen dagegen Handlungsbedarf. Die Zahl der Kraftfahrer in hohem Alter wird nach Angaben der UDV wegen der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren stark zunehmen. Damit wachse auch die Unfallgefahr, sagte Brockmann. „Wenn Senioren über 75 Jahren in Unfälle verwickelt sind, haben sie diese zu rund 75 Prozent selbst verursacht.“ Die Quote liege damit höher als bei der Hochrisikogruppe der 18- bis 24-Jährigen, sagte der Unfallforscher. Dennoch hielten sich die meisten Senioren für gute Fahrer und ließen sich nur schwer auf Fehler ansprechen. Freiwillige Maßnahmen würden deshalb kaum angenommen.

Auch medizinische Labortests seien kaum geeignet, um „gefährliche Senioren“ zuverlässig zu erkennen, sagte Brockmann. Das belege die Auswertung zahlreicher internationaler Studien. Deshalb sei es auch nicht sinnvoll, den Erhalt des Führerscheins von solchen Tests abhängig zu machen.

Verbindliche Testfahrten dagegen halte die UDV für eine mögliche Lösung. Ziel sei es dabei nicht unbedingt, dass Senioren den Führerschein abgeben. „Deshalb sollten auch nicht die Führerscheinbehörden, sondern nur die getesteten Personen selbst eine detaillierte Rückmeldung bekommen“, sagte Brockmann. „Ansonsten bleibt das Ergebnis geheim.“

Die Betroffenen könnten nach den Testfahrten jedoch ihre Fähigkeiten besser einschätzen. Sollten Defizite festgestellt werden, könnte es vielfach schon helfen, wenn Senioren anschließend ihre Fahrweise darauf einstellen und zum Beispiel nur in bekannten Gebieten fahren oder das Auto bei Dunkelheit in der Garage stehen lassen.

„Ich kann den Vorschlag verstehen“, sagte der Präsident des Verkehrsgerichtstages Kay Nehm (74). Mit dem Alter steige das Unfall-Risiko. „Und mancher, der sich für einen guten Fahrer hält, würde bei der Wiederholung der Fahrprüfung durchfallen.“

Verkehrsjuristen geht die Forderung der Unfallforscher denn auch nicht weit genug. „Verbindliche Testfahrten wären in Ordnung. Und es wäre gut, wenn sich zum Fahren ungeeignete Senioren auf Basis der Selbsterkenntnis einschränken oder den Führerschein abgeben“, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins, Jörg Elsner. Doch viele ältere Autofahrer seien uneinsichtig. Deshalb sollten ab dem 75. oder 80. Lebensjahr verbindliche Gesundheitstest durchgeführt werden. „Solche Untersuchungen mutet man Lkw-Fahrern schließlich schon ab 50 zu, und keiner regt sich darüber auf.“

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Stumpf sagt:

    Wieso ab 50? Das Auto muss alle 2 Jahre zum Tuev. Ich wuerde eine Untersuchung alle 5 Jahre anordnenen, wie schon heute bei Bus und LKW Fahrern. Auch fuer Juengere. Z.B. Drogentest, Sehtest usw. Wenn dann der Test nicht mehr 100%ig ausfaellt solte der Zeitraum entsprechend verkuerzt werden. So wuerden viele Drogenabhaengige und Kranke rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen

  2. Volker K. sagt:

    Ältere Fahrer wissen um Ihre, aus dem Alter herrührenden Defizite, und passen somit
    Ihre Fahrweise dementsprechend an – und ja es wird häufig auch das Fahrzeug bewußt
    stehen gelassen. Dies ist meine Erfahrung.
    Wie in J E D E R Altersgruppe gibt es selbstverständlich auch Uneinsichtige.

    Die Versicherungen passen übrigens die Kosten ihrer Policen auch Altersabhängig an.
    Die können 100%ig ein Abbild darstellen über den wirklichen Schaden, welchen
    die älteren „Mitfahrer“ verursachen.
    Da mir nicht bekannt ist, daß die Versicherungskosten der Älteren höher liegen als die
    jüngerer Fahrergruppen, ist die aufgestellte Behauptung somit nicht nachzuvollziehen.

    Aber es muß schon einen Grund geben, weshalb sich hier plötzlich Lobbygruppen stark
    machen….. und wenn es die paar „Pfennige“ sind , welche man den Senioren für etwaige
    Untersuchungen abknöpfen kann.

    Soll doch die Politik- im Einklang mit den einschlägigen Verbänden- einen pünktlichen,
    sauberen und flächendeckenden Nahverkehr aufbauen, damit Oma Erna aus Kleinkleckers-
    dorf bequem zu ihrem Hausarzt kommt.
    Das schafft das derzeitige Personal nie!!! Siehe Flughafen und Bahn.

    Und – die älteren Herrschaften sind noch die wenigen Verbliebenen, welche Ihr Fahrzeug
    noch ohne Kredit kaufen und häufig bar bezahlen. Und darauf wollen jetzt alle ganz verzichten?