EU: Niedrig-Zinsen gefährden deutsche Betriebsrenten

Die Niedrig-Zinsen belasten das deutschen Betriebsrenten-System massiv. Die Arbeitgeber müssten in vielen Fällen draufzahlen, um die den Rentnern versprochenen Leistungen zu erbringen, so die EU-Versicherungsaufsicht. Die Finanzierungslücke in den europäischen Pensionsplänen sei zudem laut Stresstest bis zu doppelt so groß wie gedacht.

Anhaltend niedrige Zinsen machen auch den Pensionsfonds und Pensionskassen in Europa schwer zu schaffen. Das hat die EU-Versicherungsaufsicht EIOPA in ihrem ersten europaweiten Stresstest für die Branche festgestellt, der am Dienstag in Frankfurt vorgestellt wurde. EIOPA-Chef Gabriel Bernardino sprach von „bedeutenden Herausforderungen für die Zukunft“.

Insbesondere die in Deutschland ausschließlich erlaubten Systeme mit festen Leistungszusagen sind nach der Untersuchung anfällig für ein langes Zinstief und steigende Inflation. Mit den Folgen der steigenden Lebenserwartung würden sie vergleichsweise besser fertig. Die Frankfurter EIOPA, die auch für Pensionsfonds zuständig ist, hatte die Betriebsrenten-Systeme in 17 Ländern untersucht und dort mehr als 200 Pensionsfonds und -kassen unter die Lupe genommen, die für jeweils mindestens 50 Prozent eines Marktes stehen.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin sieht sich durch die Ergebnisse des Stresstests bestätigt. Auch ein Einbruch an den Kapitalmärkten und die längeren Zahlungen an die Betriebsrentner seien Herausforderungen – vor allem für die Arbeitgeber, die für die Pensionszahlungen direkt oder indirekt geradestehen. „Es ist davon auszugehen, dass es in diesen Fällen zusätzlicher Zahlungen der Arbeitgeber bedürfte, um die Leistungen zu erbringen, die sie den Versorgungsberechtigten versprochen haben“, erklärte die Bonner Behörde. Die Pensionskassen hätten allerdings bereits in den vergangenen Jahren auf die niedrigen Zinsenreagiert und vor allem ihre Deckungsrückstellungen verstärkt.

Die Finanzierungslücke in den Pensionsplänen ist nach einer neuen Berechnungsmethode der EIOPA jedoch weit größer als die bisherigen Daten auf Länderebene nahelegten. Die EU-Behörde hat sie – auch ohne Stress – auf 428 Milliarden Euro beziffert, das wären 350 Milliarden mehr als gedacht. Bei einem ungünstigen Marktumfeld würde die Lücke auf mehr als 700 Milliarden Euro steigen und wäre damit doppelt so groß wie gedacht.

Allerdings erklären die Experten, dass die massive Lücke zwischen Leistungszusagen und Pensionsvermögen an sich für die Rentner nicht beunruhigend sei. Wie stark ein Unternehmen den Topf für Betriebsrenten füllt, sei demnach oft eine rein betriebwirtschaftliche Entscheidung und habe wenig mit der Qualität der betrieblichen Altersvorsorge zu tun.

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Der Biehl sagt:

    Das schöne an der Sache ist, ich bekomme keine Betriebsrente, was ich an Steuern und Krankenversicherungskosten bezahlt hätte, auf die gekürzte Rente dürfen andere noch oben draufzahlen. Deshalb ein Herzerfrischenden Glückwunsch an alle die Betriebsräte kriegen.

  2. H. J. Weber sagt:

    Ja- und wenn dann die reduzierte Betriebsrente im Alter ausgezahlt wird, dann darf man davon auch noch Steuern und Krankenkassenbeiträge zahlen, sowie Zuzahlen für alle Leistungen, die von der KK erbracht werden.
    Wer hat uns verraten…

    Viele Grüße
    H. J. Weber