Zulieferer Bosch fürchtet sinkende Diesel-Nachfrage

Der weltweit größte Autozulieferer rechnet 2016 mit einer schwachen Nachfrage. Neben einem ohnehin geringen Zuwachs der globalen Autoproduktion fürchte man sinkende Absätze bei Diesel-Fahrzeugen. In den USA und Deutschland wird im Abgasskandal auch gegen Bosch strafrechtlich ermittelt.

Der Autozulieferer Bosch fürchtet eine nachlassende Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen als Folge des Abgasskandals bei seinem wichtigen Kunden Volkswagen. „Wir machen uns gewisse Sorgen, in den Zahlen sieht man das noch nicht“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner am Dienstagabend in Renningen nahe Stuttgart. Der weltweit größte Autozulieferer rechnet für 2016 ohnehin schon nur mit einem geringen Zuwachs der globalen Autoproduktion um ein Prozent. „Das wird kein starkes Autojahr“, prophezeite Denner. Sollten die Verbraucher durch die Schlagzeilen zu „Dieselgate“ weiter verunsichert werden, wäre eine noch schwächere Marktentwicklung zu befürchten.

Bosch war wie auch der Konkurrent Continental Lieferant von Diesel-Einspritzsystemen, die in weltweit elf Millionen Diesel-Pkw von Volkswagen manipuliert wurden, weist die Verantwortung dafür aber von sich. In den USA und Deutschland wird jedoch nicht nur gegen VW, sondern auch gegen Bosch strafrechtlich ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das US-Justizministerium prüfen, ob Bosch sich an einer Straftat beteiligt oder von ihr gewusst hat. „Wir werden die Vorgänge gründlich aufklären“, versprach Denner. Einen Tag nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen VW habe er eine interne Untersuchung zur Rolle Boschs in Auftrag gegeben.

Denner zufolge sind 50.000 der weltweit 375.000 Beschäftigten bei Bosch von Komponenten für Diesel-Motoren abhängig. Um den Schaden durch „Dieselgate“ zu begrenzen, fordert der Bosch-Chef von der Autoindustrie mehr Einsatz zur Verteidigung der Diesel-Technologie. „Die Autoindustrie sollte in die Offensive gehen und für eine unabhängige Prüfung plädieren“, sagte Denner. Wegen des Fehlverhaltens einer Firma, das bestraft werden müsse, dürfe nicht die gesamte Technologie in Misskredit geraten. „Wir müssen das begrenzen auf das, was vorgefallen ist.“

Der Bosch-Chef will um ein umweltfreundliches Image von Diesel-Motoren kämpfen. Moderne Filtertechnik könne die Luft von Partikeln reinigen, erklärte er. „Bezüglich Partikelemissionen sind Dieselfahrzeuge sogar Luftreinigungsmaschinen – das ist kein Marketing-Gag.“ Bei Messungen seien bei einem Fahrzeug mit der neuesten Filtertechnik viel weniger Partikel ausgestoßen worden, als mit der Luft angesaugt worden seien.

Die Industrie muss nach Ansicht Denners mit unangekündigten, unabhängigen Nachmessungen des tatsächlichen Stickoxid-Ausstoßes bei Diesel-Pkw Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Durch den Abgasskandal sei auch das bisherige Prüfprozedere durch technische Dienste wie den TÜV im Gerede. Deshalb seien neue Kontrollen, vielleicht mit Umweltorganisationen notwendig, forderte Denner. Von einer Offenlegung der Steuerungssoftware, die das Bundesverkehrsministerium in Betracht zieht, hält er dagegen nichts. Bosch habe kein Interesse daran, sein Know-how preiszugeben. Die Dokumentation der Software sei außerdem viel zu umfangreich und zu komplex, als dass die Behörden damit etwas anfangen könnten.

Gerade Diesel- und Benzineinspritzsysteme kurbelten neben dem Geschäft mit Fahrerassistenz- und Infotainment-Produkten bei Bosch im vergangenen Jahr den Umsatz in der Autozulieferung, der größten Sparte des Stiftungsunternehmens, an. Der Umsatz wuchs 2015 nach vorläufigen Zahlen gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent auf knapp 42 Milliarden Euro. Die Übernahme der einstigen Gemeinschaftstochter von Bosch und ZF, ZF Lenksysteme, sei dabei eingerechnet und für 2014 eine vergleichbare Basis ermittelt worden.

Die Bosch-Gruppe, die unter anderem auch noch Haushaltsgeräte, Elektrowerkzeuge oder Energietechnik für Gebäude verkauft, steigerte den Umsatz um rund zehn Prozent auf gut 70 Milliarden Euro. Ein Großteil davon ist dem Umrechnungseffekt des schwächeren Euro-Kurses zu verdanken. Währungsbereinigt betrug das Plus vier Prozent, womit Bosch die Mitte seiner Prognosespanne erreichte. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen belief sich auf 4,5 Milliarden Euro nach 3,7 Milliarden 2014. Die operative Rendite stieg damit leicht auf 6,5 Prozent.

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