Wenig Vertrauen in Banken: Schweizer setzen auf Bargeld

Schweizer Bürger heben in großem Stil Bargeld ab. Besonders der 1000-Franken-Schein ist als Wertaufbewahrungsmittel beliebt, seine Umlaufzahlen steigen unvermindert. Der Trend findet in einer Zeit statt, in der europäische Stimmen die Abschaffung von Münzen und Scheinen fordern.

In der Schweiz ist immer mehr Bargeld im Umlauf. Insbesondere auf 1000-Franken-Noten scheinen es die Bankkunden abgesehen zu haben. Deren im Umlauf befindliche Anzahl stieg von etwa 22 Millionen im Jahr 2008 auf über 43 Millionen im November vergangenen Jahres, wie aus einer Statistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hervorgeht. Damit ist die Ausgabe dieser Scheine seit Oktober 2014 fast ununterbrochen angestiegen.

„Einer der Gründe dafür ist wohl, dass die Zinsen für das Geld auf dem Bankkonto zurzeit sehr tief sind“, sagte Walter Meier, der Sprecher der SNB, gegenüber dem Magazin 20 Minuten. Der Rückgriff auf große Scheine lässt ein grundlegendes Misstrauen vieler Bürger hinsichtlich der Stabilität des Schweizer Bankensystems erkennen. Denn auch in physischer Form ist das Geld der allgemeinen Entwertung ausgesetzt. Vielen Kunden erscheint es aber zu riskant, ihr gesamtes Vermögen den Banken anzuvertrauen.

Das Horten großer Scheine gilt gemeinhin als Krisenindikator: „Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Herbst 2008 nahm der Bargeldumlauf um rund fünf Milliarden Franken zu“, erklärt Meier. Einen deutlichen Anstieg der im Umlauf befindlichen 1000-Franken-Scheine habe es zudem während der Eurokrise im Jahr 2010 gegeben.

Anfang 2015 hatten auch einige Schweizer Pensionsfonds angekündigt, eine Lagerung der ihnen anvertrauten Kundengelder in physischer Form zu prüfen, nachdem die SNB Negativzinsen von 0,75 Prozent eingeführt hatte. Von dieser Möglichkeit machten sie bislang aber kaum Gebrauch, weil auch die Anmietung von Schließfächern mit Kosten verbunden ist. Zudem haben sie Mittel und Wege gefunden, die Negativzinsen zu umgehen: So hätten viele Pensionskassen schlichtweg die Anzahl der Bankverbindungen erhöht. Auf diese Weise könnten sie ihre liquide Mittel auf mehrere Orte aufteilen und damit mehrere Freigrenzen nutzen. Die Freigrenze für ihre Gesamteinlagen sei dadurch deutlich nach oben korrigiert worden.

Die große Beliebtheit von Bargeld stört vor allem Banken und Regierungen. SNB-Präsident Jordan hat Großinvestoren in der Vergangenheit bereits davor gewarnt, die Negativzinsen zu umgehen. Dies schade der Geldpolitik des Instituts und letztlich auch der Schweiz als Ganzem. Auch viele Staaten sind tendenziell an einer Abschaffung oder Beschränkung von Bargeld interessiert, weil sich die Bürger bei einem rein digitalen Zahlungsverkehr nicht gegen Sonderabgaben, neue Transaktionssteuern oder Negativzinsen wehren könnten. Die weltweit angehäuften Schulden und der Zwang zur Erschließung neuer Einnahmequellen haben zu einer merklichen Repression gegen Bargeld geführt.

In letzter Zeit hat die Diskussion um ein mögliches Bargeldverbot neuen Schwung erhalten: So kündigte die staatseigene norwegische DNB Bank an, Bargeld aus ihren Geschäften zu verbannen. In Deutschland plädierte die SPD in dieser Woche für eine Obergrenze von 5.000 Euro bei der Bezahlung mit Bargeld und für eine Abschaffung des 500-Euro-Scheins.

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. H. J. Weber sagt:

    Na gut, in einer echten Demokratie, wo das Volk noch selber entscheidet und nicht wie in Bananenrepubliken plötzlich rückwirkende Gesetze eingeführt werden, mag das ja als Vermögensspeicher noch funktionieren.
    In dem Rest Europas gibt es darin einschlägige Erfahrungen in Zypern, Portugal, Italien usw. wie dann hinterher erklärt werden kann, dass ja die Gesetze zum Schutz der Enteignung, speziell in diesem Fall, nicht angewendet werden können.
    Für die Juristen Europas wird es auch keine besondere Hürde sein zu erklären, dass ab sofort (natürlich nur zum Schutz gegen den Terrorismus und zur Bekämpfung der Geldwäsche) ab sofort alle 500 Euro Scheine ungültig sind.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. Horst Schumm sagt:

    Die SPD soll ruhig weiter auf diesem Trip bleiben, sie wird dadurch nur noch wählerfeindlicher Wir werden uns das merkeln.
    Alle Politiker sind doch nur gekauft, von den Bankstern, den Konzernen – und wirken in deren Sinn an der Willensbildung des Volkes mit.