Umfrage: Schweizer würden trotz Grundeinkommen weiterarbeiten

Die Schweizer würden mit einem bedingungslosen Grundeinkommen nicht aufhören zu arbeiten. Einer Umfrage zufolge würden die Bürger das Geld vielmehr nutzen um sich weiterzubilden, und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Jeder Fünfte will mit dem Geld sogar ein eigenes Unternehmen gründen.

Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen würden die Schweizerinnen und Schweizer ihre neu gewonnene Freiheit nutzen, um sich weiterzubilden, sich selbstständig zu machen und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Dies zeigt eine erste repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts DemoSCOPE. Das populäre Gegenargument, ein bedingungsloses Grundeinkommen setze falsche Anreize, wird damit entkräftet: Nur ein sehr kleiner Teil der Schweizerinnen und Schweizer würde mit einem bedingungslosen Grundeinkommen aufhören zu arbeiten: Laut Umfrage gerade einmal 2 Prozent der Befragten.

Die Resultate der Umfrage zeigen, Viele Menschen würden die neuen Möglichkeiten demnach vielmehr dazu nutzen, sich durch Weiterbildung und Selbständigkeit für die zukünftige Arbeitswelt besser aufzustellen. Mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens sei daher ein positiver Effekt auf das Arbeitsleben und die gesamte Schweizer Volkswirtschaft zu erwarten, so die Interpretation der Umfrage-Ergebnisse durch die Initiatoren.

Interessanterweise denkt rund ein Drittel jedoch, die anderen würden die Arbeit niederlegen. Die eigene Arbeitsmoral wird offenbar höher eingeschätzt und dem Mitbürger weniger zugetraut.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würden mit 54 Prozent über die Hälfte der Schweizer dazu nutzen sich weiterzubilden. Fast ebenso viele geben an, sie nähmen sich dann mehr Zeit für die Familie. Auch das Unternehmertum würde einen Schub erleben: Mehr als jeder Fünfte würde sich laut Umfrage mit dem Geld selbstständig machen. Und ganze 35 Prozent möchten das zusätzliche Geld nutzen um nachhaltiger zu konsumieren.

Was die Umsetzung angeht, sind die Schweizer noch verhalten optimistisch: Immerhin mehr als die Hälfte der unter 35-Jährigen glauben, dass das Grundeinkommen irgendwann eingeführt wird. Die Schweiz ist weltweit das erste Land, welches 2016 – voraussichtlich am 5. Juni – über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens abstimmt. Im Rahmen einer telefonischen Mehrthemenbefragung wurden Ende November 2015 1076  Stimmberechtigte der Deutsch- und Westschweiz vom Meinungsforschungsinstitut DemoSCOPE und im Auftrag der Initiatoren der Volksabstimmung befragt.

Kommentare

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  1. Mark Bird sagt:

    Nur dumm dass das Grundeinkommen nicht zusätzlich zum Lohn dazu kommt sondern im bisherigen Lohn enthalten sein würde…
    Wer also zb 400SFr. Netto Lohn hat bekommt bei Annahme der Initiative nicht einfach mal noch 200SFr. zusätzlich…

    „Wie stellen sich die Initianten das bedingungslose Grundeinkommen vor?

    Die InitiantInnen äussern in Büchern und in den Medien ihre Vorstellungen: Unter Bevölkerung verstehen sie «alle, die rechtmässig in der Schweiz leben». Die Berechnungen zu den Kosten des BGE stützen sich deshalb auf die ständige Wohnbevölkerung. Das BGE soll für Erwachsene 2500 Franken betragen, für unter 18-Jährige 625 (ein Viertel) Franken. Demnach hätte das BGE im Jahr 2012 rund 200 Milliarden Franken gekostet. Als Finanzierungsquellen sehen die Initianten erstens die heutigen Erwerbseinkommen, die bis 2500 Franken voll abgeschöpft würden (ergibt 128 Milliarden Franken), Transfer aus den heutigen Sozialleistungen, die es nicht mehr bräuchte (70 Milliarden). Die restlichen 2 Milliarden müssten mit Abgaben oder weiteren Steuern gedeckt werden.“

    Quelle: http://www.derbund.ch/schweiz/standard/5-Fragen-und-Antworten-zum-Grundeinkommen/story/18035801

  2. Georg sagt:

    Wir haben auch keine Million Flüchtlinge… noch Fragen!?

    Man darf die Migration nicht vergessen, dh. – Inländer-vorbezug muss grundsätzlich gegeben sein. Unter anderen Voraussetzungen hat die Idee in der Realisierung KEINE Chance, da zuviele Wirtschaftsflüchtlinge nur darauf warten, ihre Angehörigen „gratis“ zu unterstützen.

    Ja, wir brauchen eine Zweiklassengesellschaft.

  3. Stumpf sagt:

    Bei den Schweizern mag das funktionieren, die haben sich auch gegen 6 Wochen Urlaub ausgesprochen.

  4. Matthias Lindemer sagt:

    Das Grundeinkommen wird sich am Ende durchsetzen. Zwar stellen sich jedem zunächst die Fragen wer dann noch arbeitet und wer das bezahlen soll. Wer sich jedoch länger damit beschäftigt wird feststellen, dass diese Fragen beantwortet werden können.
    Mit Grundeinkommen fällt die lähmende Suche nach Einkommen weg und die Suche nach sinnvoller Tätigkeit kann beginnen. Man kann seine Fähigkeiten dort einbringen wo es sinnvoll ist und nur wer Sinn in seiner Arbeit sieht ist wirklich motiviert. Faul wird man dagegen durch Existenzangst und Tätigkeiten, die als sinnlos empfunden werden. (Siehe hierzu z.B. Bedürfnispyramide und Flow-Theorie)
    Finanziert ist das Grundeinkommen längst. Es gibt viele verschiedene Modelle. Die beliebtesten Modelle nehmen an, dass das Grundeinkommen als Lohnsubvention wirkt. Die gesunkenen Lohnkosten werden über Steuern wider abgeschöpft. Am beliebtesten ist das Mehrwertsteuermodell. Dort wird die Einsparung bei den Lohnkosten über die Mehrwertsteuer abgeschöpft. Des Weiteren werden alle Sozialleistungen bis zur Höhe des Grundeinkommens ersetzt und es fällt Verwaltungsaufwand weg.
    Ich bin begeistert, dass am WEF über das Grundeinkommen diskutiert und in der Schweiz sogar bald abgestimmt wird. Es ist ratsam sich eingehender mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu beschäftigen bevor man sich eine Meinung bildet.