Frankenstärke und Nachahmer belasten Roche und Novartis

Die Schweizer Pharmafirmen sehen einem mageren Jahr entgegen: Der starke Franken macht den Konkurrenzkampf für die Arzneimittel-Hersteller härter. Nachahmerprodukte erscheinen durch den Währungseffekt noch günstiger als die teuren Originale.

Die Stärke des Franken und Kosten für den Umbau der Produktion haben dem Schweizer Roche-Konzern das Jahresergebnis vermiest. Unter dem Strich standen mit 9,06 Milliarden Franken (8,2 Milliarden Euro) fünf Prozent weniger Gewinn, wie der weltgrößte Hersteller von Krebsarzneien am Donnerstag mitteilte. Roche will den Anteilseignern trotzdem eine höhere Dividende zahlen: 8,10 Franken je Genussschein und Inhaberaktie, das sind 0,10 Franken mehr als im vergangenen Jahr. Doch die Anleger waren nicht zufrieden. Die Aktie sackte zunächst um rund drei Prozent ab.

Operativ lief es für den Konzern aus Basel besser. Die steigende Nachfrage nach modernen Krebstherapien kurbelte den Absatz an. Der Umsatz wuchs leicht um ein Prozent auf 48,15 Milliarden Franken. Währungsbereinigt betrug das Verkaufsplus fünf Prozent und lag damit im von Roche angepeilten Zielbereich. Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie erfüllte Roche die Vorgaben: Dieser stieg unter Ausschluss von Wechselkurseffekten um sieben Prozent auf 13,49 Franken.

Der Ausblick für den ganzen Konzern fiel verhalten aus, weil die drei wichtigsten Umsatzbringer kaum mehr zusätzliches Potenzial haben. 2016 will Roche den Umsatz unter Ausschluss von Wechselkursschwankungen um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag steigern. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll stärker als die Verkaufserlöse anziehen.

Für einen neuen Schub sollen Medikamente gegen Krebs, Multiple Sklerose, Immun- und Bluterkrankungen sorgen, die das Unternehmen auf den Markt bringen will. „Mit unserem starken Produktportfolio und unserer vielversprechenden Pipeline sind wir sehr gut für die Zukunft aufgestellt“, sagte Konzernchef Severin Schwan.

Besonderes Augenmerk gilt der Krebs-Immuntherapie. Hier hinken die Schweizer US-Konzernen wie Bristol-Myers Squibb und Merck & Co hinterher. Immuntherapeutische Arzneien zielen darauf ab, das körpereigene Abwehrsystem so zu aktivieren, dass es Krebszellen erkennen und zerstören kann. Schwan erklärte, dass Roche in dem Bereich neun Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung habe. „Alle Augen sind 2016 auf die Aufholjagd in der Immuno-Onkologie und erste Neuzulassungen gerichtet“, kommentierte Michael Nawrath, Analyst der Zürcher Kantonalbank.

Konkurrenz durch Nachahmermedikamente und Probleme in der Augenheilsparte machen auch dem Schweizer Pharmakonzern Novartis zu schaffen. Firmenchef Joseph Jimenez nahm den Investoren am Mittwoch nach einem Gewinneinbruch die Hoffnung auf eine rasche Besserung. „2016 wird eine Art Übergangsjahr“, sagte der Konzernlenker in Basel bei der Hauptversammlung. Zwar erwartet Novartis von neuen, kürzlich auf den Markt gebrachten Arzneien mehr Umsatz. Doch allein durch den auslaufenden Patentschutz für das Blutkrebsmedikament Glivec dürften rund zwei Milliarden Dollar Verkaufserlöse wegbrechen. Zudem kostet Novartis der Umbau seiner Augenheilsparte Alcon Geld.

„Wenn wir die Effekte von Glivec hinter uns lassen und sich die Generika-Belastung 2017 und 2018 verringert, sollte sich das wirkliche, zugrundeliegende Wachstum zeigen“, betonte Jimenez. Auf das Jahr 2016 gesehen, rechne Novartis unter Ausschluss von Wechselkursschwankungen mit stagnierenden Verkaufserlösen. Der bereinigte Betriebsgewinn werde etwa auf dem Niveau von 2015 liegen. Damals betrug der Umsatzzuwachs währungsbereinigt fünf Prozent, und operativ stand ein Plus von zehn Prozent zu Buche.

Im vergangenen Jahr machten vor allem Alcon und die starke Konzernwährung Dollar Novartis einen Strich durch die Rechnung. Die Verkaufserlöse sanken um fünf Prozent auf 49,4 Milliarden Dollar und damit stärker, als es von Analysten erwartet worden war. Der Konzerngewinn brach um ein Drittel auf sieben Milliarden Dollar ein. Gegenüber 2014 fielen Erlöse aus Beteiligungsverkäufen weg. Zudem musste Novartis 400 Millionen Dollar in Venezuela abschreiben. Trotzdem sollen die Aktionäre eine Dividende von 2,70 Franken je Aktie erhalten – 0,10 Franken mehr als im Jahr zuvor.

Trotz der Aussicht auf eine Beteiligung am Gewinn waren die Anleger enttäuscht: Die Aktie gehörte mit einem Minus von drei Prozent auf 81,10 Franken zu den größten Verlierern unter den europäischen Gesundheitswerten. „Wir kommen nicht um die Tatsache herum, dass 2015 schwach zu Ende gegangen und der Ausblick für 2016 enttäuschend ist“, sagte Alistair Campbell, Analyst von Brokerhaus Berenberg.

Die Problemsparte Alcon soll sich unter dem neu ernannten Spartenchef Mike Ball auf die Augenchirurgie und das Geschäft mit Kontaktlinsen konzentrieren. Jimenez will zudem mehr Geld für neue Produkte und Werbung in die Hand nehmen. „Wir haben vor, 2016 ungefähr 200 Millionen Dollar mehr in das Geschäft zu investieren, als wir ursprünglich vorhatten“, sagte er. So solle es etwa verkaufsfördernde Maßnahmen für künstliche Linsen sowie neue Produkte im Kontaktlinsen-Geschäft geben. Die Augenmedikamente werden in die Pharma- und Generika-Sparten verschoben. Im Schlussquartal soll Alcon dann wieder wachsen.

Insgesamt kostet der Konzernumbau den Bayer-Konkurrenten rund 1,4 Milliarden Dollar. Stellen sollen keine wegfallen. Bis 2020 sollen die Kosten um eine Milliarde Dollar niedriger liegen als heute. Unter anderem will Novartis seine Medikamentenproduktion und -entwicklung straffen.

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  1. Bruno Winkler sagt:

    Liebe Journis und Wirtschaftskapitäne. Nicht der Franken ist stark sondern der Euro ist eine Schrottwährung. Darum und nur darum geht’s!