EZB-Milliarden kommen nicht bei den Unternehmen an

Die seit Jahren expansive Geldpolitik der EZB verpufft nahezu wirkungslos. Eines ihrer Hauptziele ist, die Kreditvergabe von Banken an Unternehmen zu steigern. Doch auch im Dezember vergaben die Geldhäuser der Euro-Zone praktisch genauso wenig Darlehen an die Wirtschaft wie schon vor einem Jahr.

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) droht immer mehr zu scheitern. Im Dezember wurden nur 0,3 Prozent mehr Darlehen an nicht zur Finanzwirtschaft zählende Firmen als vor Jahresfrist vergeben, wie die Notenbank am Freitag mitteilte. Für November wurde zudem der Zuwachs auf 0,7 Prozent von zuvor gemeldeten 0,9 Prozent rückwirkend nach unten revidiert. An Privathaushalte im Währungsraum vergaben Banken im Dezember 1,4 Prozent mehr Darlehen.

Volkswirte werteten die Daten als enttäuschend. Die schwache Dynamik hole die EZB auf den Boden der Tatsachen zurück, kommentierte BayernLB-Volkswirt Johannes Mayr. „Vor allem im Bereich der Unternehmenskredite wurde überraschend die positive Entwicklung der Vormonate relativiert.“ Darlehen an Firmen machen Mayr zufolge etwa 40 Prozent der Kredite an die Privatwirtschaft aus. Sie sind ein wichtiger Indikator für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung.

Seit März 2015 versucht die Notenbank, mit dem Kauf von Staatsanleihen die Konjunktur zu beleben und die aus ihrer Sicht unerwünscht niedrige Inflation anzuheben. Monat für Monat schleust sie auf diese Weise rund 60 Milliarden Euro in das Finanzsystem – bislang ohne Erfolg. Nach dem Kalkül der EZB sollen so Anleihen als Investition für Banken unattraktiver werden. Die Hoffnung, dass die Geldinstitute stattdessen mehr Kredite an die Privatwirtschaft vergeben, hat sich bislang jedoch nicht erfüllt.

Zwar nahm die für den Währungsraum wichtige Geldmenge M3 im Dezember um 4,7 Prozent zu. Experten hatten jedoch mit einem Plus von 5,2 Prozent gerechnet. Die Geldmenge M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Langsam macht sich auf den Märkten Ernüchterung breit. Denn der Zentralbank bleiben praktisch kaum mehr Möglichkeiten, mit denen sie einen Umschwung der Konjunktur einleiten könnte. Noch schlimmer, ihr billiges Geld hat nicht zuletzt zur Bildung gefährlicher Blasen auf den Vermögens- und Immobilienmärkten geführt.

Kommentare

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  1. Stumpf sagt:

    Also, auf meinem Konto sind sie auch nicht!

  2. Der Biehl sagt:

    Gerade Unternehmen legen in Anleihen an, wenn sie Geld haben. Auch wenn meist kurzfristig. Macht man ihren mit dem EZB Geld Konkurrenz, bei der Versicherungswirtschaft noch schlimmer, mittel und langfristig, so verschlechtert sich die Lage natürlich.

  3. holyowly sagt:

    Der große Irrtum bei der EZB ist, dass sie davon ausgehen, dass die Banken keine Kredite vergeben wollen (wenn andere Anleihemöglichkeiten attraktiver erscheinen).
    Aber heute ist das ganz und gar nicht so.
    In Wirklichkeit wollen die Unternehmen KEINE Kredite haben. Das hat vielfache Gründe:
    Abschwächung des Marktes – Kapitalrücklagen der Firmen, die nicht mehr angelegt werden (wg. niedr. Zinsen) und nun in die Firma zurückfliessen; sprich Eigenfinanzierung von Vorhaben – Unsichere Zukunftsaussichten für die breite Masse der Firmen – Restriktive Gesetzgebung die eine innovative Erweiterung der Firmen verhindert ….. usw usf.

    Auch die Verschuldung im Privatsektor ist nicht so üppig wie gewünscht und benötigt. Um sie zu forcieren wird derzeit der ‚Konsum‘ beschworen und dabei sind die Menschen zum grossen Teil satt (oder sie können und wollen sich die Dinge nicht leisten).

    Die Flüchtlingsthematik erscheint, in dieser Beziehung, wie ein rettender Strohhalm. Aber erst einmal wird uns das sehr viel mehr Schaden als Gewinn einbringen.
    Wenn es vielleicht einmal so weit sein wird, dann könnte es sein, dass Euro und EU Geschichte sind.

  4. Bilderbieger sagt:

    EZB-Milliarden kommen nicht bei den Unternehmen an

    Welche Erkenntnis. Und das schon nach Jahren !

    .

    • Andres Müller sagt:

      genau -und ich denke das die Verantwortlichen hinter den EZB -Massnahmen das Geld bewusst nach oben umverteilen, wo es eben nicht unten in der Privatwirtschaft ankommt -schon gar nicht beim kleinen Konsumenten. Die aktuellen Berichte über weltweit zunehmende Vermögenskonzentrationen bei den obersten 1% sprechen (schon seit Jahren) eine eindeutige Sprache.