Russland: Fremdwährungs-Kredite werden zum Problem für Europas Banken

Der Wertverfall des Rubel erschwert die Rückzahlung von Krediten, die in fremder Währung aufgenommen wurden. In Moskau kam es deswegen kürzlich zu Demonstrationen in Bankfilialen. In einigen europäischen Ländern wurden Banken bereits enteignet, um die heimischen Kreditnehmer zu schützen. An ihrem Vorgehen könnte sich langfristig auch Russland orientieren.

Am Dienstag besetzten mehrere Dutzend Demonstranten die Moskauer Zentrale der österreichischen Raiffeisen-Bank, um auf ihre aussichtslose Lage bei der Rückzahlung von Euro-Krediten aufmerksam zu machen, wie das österreichische Wirtschaftsblatt berichtet. Der Rubelkurs hat gegenüber dem Euro in den vergangenen drei Jahren mehr als 50 Prozent an Wert verloren, wodurch sich die Schuldenlast für die Kreditnehmer stark erhöht hat.

Die Raiffeisen Bank äußerte sich zu den Vorkommnissen: „Es waren nur 30 Personen in der Filiale“, sagte eine Sprecherin am Mittwoch gegenüber der Austria Presse Agentur. „Der Geschäftsbetrieb war immer aufrecht, gelegentlich gab es Sprechchöre und Flugblattverteilungen“. Die Bank betonte, dass das Problem mit Fremdwährungskrediten bei Raiffeisen in Russland sehr klein sei. Von drei Millionen Kunden in Russland seien demnach nur 1500 betroffen.

Die Aktionen zeigten trotzdem Wirkung: die erste russische Bank hat sich bereits flexibel hinsichtlich der Rückzahlungsmodalitäten gezeigt. So kündigte die Sowkombank laut dem Wirtschaftsblatt an, ihren Kunden bis zum Ende des Jahres Rückzahlungen zum Kurs von 60 Rubel pro Dollar einzuräumen. Zum Vergleich: Am Freitag mussten an den Märkten rund 75 Rubel für einen Dollar bezahlt werden. Das Einlenken der Sowkombank dürfte allerdings eine Ausnahme in der Branche bleiben, die gut an den Fremdwährungskrediten verdient. Je länger der Kurs des Rubel von tiefen Erdölpreisen gedrückt wird, desto wahrscheinlicher ist, dass der russische Staat eingreifen muss, um Unruhen zu vermeiden. Theoretisch könnte er sich dabei am Vorgehen europäischer Länder orientieren, die Banken aus demselben Grund in der Vergangenheit enteigneten.

Ungarn nimmt hierbei eine Vorreiterrolle ein: 2014 zwang die Regierung Orban die Banken des Landes, rückwirkend Zinsen und Gebühren für Kredite zu senken, die diese vor der Finanzkrise in Fremdwährungen wie dem Schweizer Franken vergeben hatten. Dies bedeutete, dass die Kreditverträge von Seiten Ungarns gebrochen und die betroffenen Banken faktisch enteignet wurden.

Kürzlich kündigte auch Polen ein entsprechendes Gesetz an. Dieses erlaubt, Franken-Hypothekenkredite in polnische Zloty umzuwandeln, um polnische Kreditnehmer zu entlasten. Der Franken hatte sich in wenigen Jahren um rund 80 Prozent gegenüber der Landeswährung verteuert und brachte dadurch rund 500.000 Polen in Schwierigkeiten. Der Vorstoß führte zu heftiger Kritik von Seiten der polnischen Banken und der EZB – Investoren verkauften daraufhin Aktien der entsprechenden Institute.

Noch hält sich die russische Regierung zurück. Ein ähnliches Vorgehen wie in Ungarn oder Polen könnte sich im Fall der Raiffeisen Bank jedoch indirekt auf die Finanzarchitektur Österreichs auswirken: die Raiffeisen Bank befindet sich als Tochtergesellschaft der österreichischen Landesbanken zu fast 90 Prozent in öffentlichem Besitz.

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