Inlandskonsum stützt deutschen Mittelstand

Der private und der öffentliche Konsum werden auch in diesem Jahr die größte Stütze für den deutschen Mittelstand sein. Niedrige Inflation und hohe Beschäftigung steigern die Kauflust der Deutschen. Und politische Maßnahmen wie die Förderung des Wohnungsbaus und eine potentielle Kaufprämie für E-Autos sollen die Binnennachfrage weiter anheizen.

Im vergangenen Jahr sind die Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates deutlich gestiegen. Während die Nachfrage aus den Schwellenländern abflaute, stützten vor allem die Inlandsnachfrage und die Nachfrage aus Europa den deutschen Mittelstand. Auch in diesem Jahr wird sich dieser Trend fortsetzen. Der Deutsche Sparkassen und Giroverband rechnet für 2016 mit einem Wachstum der privaten und staatlichen Konsumausgaben um 1,8 Prozent und 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2014 lag das Wachstum des privaten Konsums beispielweise lediglich bei unter einem Prozent.

Der Verband gibt die steigende Zahl der Erwerbstätigen und die Lohnsteigerungen als Grund für den zunehmenden privaten Konsum an. „Das Verfügbare Einkommen der privaten Haushalte dürfte 2016 wie schon 2015 mit einer Rate von 2,8 % zulegen“. Daraus sei bei voraussichtlich konstanter Sparquote ein entsprechender Mehrkonsum möglich. Der geringe Anstieg der Verbraucherpreise begünstigt die Entwicklung.

Das GfK-Marktforschungsinstitut erwartet für 2016 bei den privaten Konsumausgaben sogar ein Plus von zwei Prozent. „Die sehr guten innerdeutschen Rahmenbedingungen überlagern die potenziellen Gefahren von außen“, so die Marktforscher. „Der private Konsum wird also auch in diesem Jahr wieder einen starken Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten und etwas stärker als das BIP wachsen.“ So werde beispielsweise der Lebensmitteleinzelhandel voraussichtlich um 1,5 Prozent auf 173,2 Milliarden Euro wachsen. Der Non-Food-Handel wird voraussichtlich um 1,7 Prozent auf 170,5 Milliarden Euro zulegen:

„Auch die Möbelindustrie, und hier vor allem Kücheneinrichtungen, profitierte 2015 von der hohen Konsumlust der Verbraucher. Küchen, die mehr als 20.000 Euro kosten, wurden knapp ein Drittel (+32,5 Prozent) häufiger verkauft als im Jahr zuvor. Im Preisesegment zwischen 10.000 und 20.000 Euro stieg die Menge um knapp ein Viertel (+23,8 Prozent) an.“

Während die Güternachfrage der Flüchtlinge in diesem Jahr noch keinen sehr großen Niederschlag im privaten Konsumwachstum zeigen wird, spielt die Aufnahme der Flüchtlinge bei den Konsumausgaben des Staates bereits eine Rolle. 2015 waren dem Sparkassen- und Giroverband zufolge die Ausgaben für Erstversorgung, Unterbringung und  Integration der Flüchtlinge spürbar. Und „2016 sind noch einmal höhere Zuwächse bei den Ausgaben für Flüchtlinge“ beim staatlichen Konsum zu erwarten.

Zusätzlich zum reinen Konsum plant die Regierung, die deutsche Wirtschaft mit neuen Anreizen zusätzlich zu stützen. Gabriels Kaufprämie für Elektrofahrzeuge steht weiterhin zur Diskussion und Schäuble hat nun eine Sonderabschreibung zur Wohnungsbauförderung auf den Weg gebracht. Bei der möglichen Kaufprämie ist eine Größenordnung von 5.000 Euro je Fahrzeug. Der Vorschlag ist in der Regierung umstritten. Gabriel wirbt – wie auch die bayerische Staatsregierung – dafür, Schäuble lehnt ihn ab. Der frühere Skeptiker Dobrindt erklärte inzwischen, er habe inzwischen keinen ideologischen Vorbehalt mehr gegen die verschiedenen Vorschläge zur Förderung. Die deutschen Maschinenbauer sprechen sich gegen eine staatliche Kaufprämie für Elektroautos aus. Sie würde falsche Anreize setzen, so der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA, Thilo Brodtmann.

Unterdessen hat das Kabinett einen entsprechenden Gesetzesentwurf für Schäubles Sonderabschreibung gebilligt. Die Sonderabschreibung soll demnach für Wohnungen gelten, für die 2016, 2017 oder 2018 ein Bauantrag gestellt wird. Abgeschrieben werden können im ersten und zweiten Jahr jeweils bis zu zehn Prozent der Ausgaben, im dritten Jahr bis zu neun Prozent. Die abschreibungsfähigen Kosten werden jedoch auf 3.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche begrenzt. Zu den Fördergebieten zählen in erster Linie Gemeinden, deren Mietniveau um mindestens fünf Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt. Die begünstigten Flächen müssen laut Entwurf mindestens zehn Jahre nach Fertigstellung vermietet werden.

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