Chinesen kaufen deutschen Müllentsorger für 1,8 Milliarden Euro

EEW mit Sitz in Helmstedt will aus Müll Geld machen. Das Unternehmen will Abfalldeponien zum Auslaufmodell erklären - und den Müll stattdessen in Energie verwandeln. Nun übernehmen Chinesen den Konzern. Und stellen damit einen neuen Rekord auf.

In Deutschland bahnt sich die erste Milliarden-Übernahme durch ein Unternehmen aus China an. Beijing Enterprise hat den Zuschlag für 18 Müllverbrennungsanlagen erhalten, die der Finanzinvestor EQT vor knapp drei Jahren vom Energieversorger E.ON übernommen hatte. Der bisherige Eigentümer von EEW Energy from Waste bezifferte den Preis für die Anteile am Donnerstag auf 1,44 Milliarden Euro. Einschließlich Schulden müssen die Chinesen zwei Insidern zufolge sogar 1,8 Milliarden Euro stemmen. Beijing Enterprise stach damit unter anderem den finnischen Versorger Fortum und die deutsche Steag, aber auch zwei chinesische Rivalen aus. „Das Rennen war sehr knapp, der Zweitplatzierte hat zwei Prozent weniger geboten“, sagte ein Insider.

Das Bundeswirtschaftsministerium muss dem Verkauf an die Chinesen nach dem Außenwirtschaftsgesetz noch zustimmen. EQT rechnet bis Ende Februar mit grünem Licht aus Berlin. EQT zufolge handelt es sich um die bisher größte chinesische Direktinvestition in ein deutsches Unternehmen. Experten und Statistiken bestätigten das am Donnerstag. Demnach übertrifft die Kaufsumme die alten Rekorde klar.

Chinesische Konzerne sind seit Jahren auf Einkaufstour in Europa und haben es dabei vor allem auf deutsche Technologie abgesehen. Am Mittwoch hatte der Chemieriese ChemChina mit der 43 Milliarden Euro schweren Übernahme des Schweizer Saatgut- und Pflanzenschutz-Konzerns Syngenta für Aufsehen gesorgt. Allein 2015 kauften chinesische Firmen 36 deutsche Unternehmen. Oft kamen sie in Bieterverfahren aber nicht zum Zug, weil sie zu unflexibel und langsam agiert hatten. Beijing Enterprise hatte sich für EEW Hilfe von den Investmentbankern von Lazard und UBS geholt, Morgan Stanley hatte EQT beraten.

Erst im Januar hatte ChemChina mit dem 925 Millionen Euro teuren Münchener Plastikmaschinen-Bauer KraussMaffei die bis dahin größte chinesische Übernahme in Deutschland angebahnt. Auch im Wettbieten um die Glühlampen-Sparte von Osram sind Insidern zufolge Interessenten aus China im Rennen.

Die Mehrheit an EEW gehört seit 2013 EQT, erst im Mai 2015 hatte E.ON die restlichen Anteile an die Schweden aus dem Umfeld der Investoren-Dynastie Wallenberg Anteile verkauft. Damals war EEW mit 1,3 Milliarden Euro bewertet worden.

Das Unternehmen aus dem niedersächsischen Helmstedt betreibt mit 1050 Mitarbeitern Müllöfen, in denen aus Abfall Strom, Dampf und Fernwärme erzeugt wird. Mit der Technik hoffen die Chinesen die wachsenden Müllberge zu bewältigen, die sich unter anderem um die Hauptstadt Peking buchstäblich auftürmen. Die chinesische Regierung schätzt den Inhalt der Müllhalden auf sieben Milliarden Tonnen. Sie hatte 2013 insgesamt 16 Milliarden Dollar für die Verbesserung der Müllentsorgung bereitgestellt. Bis 2030 sollen 30 Prozent des Abfalls verbrannt und damit zur Stromerzeugung verwendet werden.

Das Geschäft mit der Müllverbrennung ist durchaus lukrativ. EEW erwartet für das abgelaufene Jahr einen operativen Gewinn von 190 Millionen Euro, der Umsatz lag 2014 bei 539 Millionen.

Kommentare

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Da erwischen die Chinesen glweich 2 ,,Fliegen,, auf einen Schlag.
    1. Die Chinesen kommen in den Besitz von hoch entwickelter Technik.
    Das spart den Entwiklungs- Aufwand für benötigte Technick.
    2. Die Chinesen haben hohe Dollar- Devisenbestände.
    Offenbar haben die geschnallt das dem Dollar zunehmend die
    ,,Puste,, ausgeht. Darum weg damit bevor der zu Altpapier wird.
    So nebenbei:
    Das wird zu gegebener Zeit kritisch für die US Währung.
    Möglicher ,,Ausweg,, den Dollar fallen lassen und eine neue Wärung aufgleisen.
    ( Logo so etwas gibt jede Menge Stunck)
    Mit dem EURO könnte ein vergleichbares Spiel laufen,zurück zu den Nationalen
    Währungen.
    Nun was und wie auch immer, massive Umwälzungen und Verwerfungen sind Vorprogrammiert

    • Stefan Bode sagt:

      Den Dollar fallen lassen? Das könnte nur den USA Punkte bringen, denn der Rest der Welt ist auf Dollar aufgebaut und überall sind Dollars via US-Schuldverschreibungen hinterlegt. Das ergäbe Chaos wenn nicht klar strukturiert und mit Plan vorgegangen wird. Geht nur mit neuem Währungssystem als Bretton Woods. Dafür fehlt aber noch der nötige Druck. Alternativ sollten sich die EU mit den BRICS zusammen setzen und vorab verhandeln. Gold wird definitiv eine Rolle spielen aber vielleicht mit 10-15% in einem internationalen Währungskorb. Führt aber auch zu einer drastischen Aufwertung von Gold.