Windkraft unter Druck: Wirtschaft fordert neues Ökostromgesetz

Bürokratische Hürden werden den Ausbau der Windkraft in Österreich in den kommenden Jahren deutlich schmälern. Viele geplante Windräder müssen damit rechnen, dass ihre Anträge auf Förderzusage verfallen. Oder sie müssen Jahre warten, um überhaupt die Chance auf eine Förderung zu erhalten. Die Industrie flüchtet deshalb ins Offshore-Geschäft.

Die Windkraft ist in Österreich zu einer wichtigen Branche geworden. Hinsichtlich der Errichtung und dem Betrieb von nationalen Anlagen gewinnt Windkraft an Bedeutung, gleichzeitig sind österreichische Unternehmen auch wichtige Zulieferer für Offshore-Anlagen. Immerhin wurden in den vergangenen vier Jahren etwa 2,2 Milliarden Euro in den Ausbau der Windkraft in Österreich selbst investiert. Allein im vergangenen Jahr konnte damit die Windkraft immerhin 8,7 Prozent des nationalen Stromverbrauchs decken.

Anlagen mit 323 Megawatt Windkraftleistung wurden 2015 errichtet. Insgesamt werden so mittlerweile 5,2 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Allerdings rechnet die IG Windkraft für die kommenden Jahre mit einem Rückgang des Windkraftausbaus. Demnach werden 2016 aller Voraussicht nach nur mehr 79 neue Windräder errichtet. 2014 waren es noch 142. „Durch die extremen Verwerfungen am Strommarkt können nur mehr halb so viele Windräder pro Jahr eine Förderzusage bekommen“, so die Vereinigung.

220 Windräder mit einer Gesamtleistung von 670 Megawatt befänden sich demnach bereits in einer Warteschlange. Sie werden in diesem Jahr keine Verträge mehr erhalten und müssen mehrere Jahre auf die Umsetzung warten. Und obwohl die Hälfte dieser Projekte bereits genehmigt und bei der Ökostromabwicklungsstelle eingereicht worden sind, werden sie nicht umgesetzt, weil die Anträge nach drei Jahren verfallen. Bis 2018 ist das Fördervolumen ausgeschöpft.

„Windparkprojekte, bei denen nicht nur die Bevölkerung und die Bürgermeister eingebunden wurden, sondern nebenbei auch knappe Millionenbeträge für die Bewilligung pro Windpark ausgegeben wurden, haben die Perspektive verloren“, sagt Martin Steininger, Geschäftsführer der Windkraft Simonsfeld. Aus diesem Grund fordert die IG Windkraft eine Anpassung des Ökostromgesetzes.

„Für 2016 erwarten wir im Gesamten einen Umsatzrückgang. Wenn zusätzlich das Windkraftgeschäft ausfällt, dann wird es kritisch“, zitiert das Wirtschaftsblatt Edmund Wall, den Geschäftsführer und Teileigentümer der GLS Bau. Mit Windkraftanlagen macht sein Unternehmen fünf Prozent des Gesamtumsatzes.

Unterdessen hat sich für etliche Unternehmen die Konzentration auf Offshore-Parks ausgezahlt. Neben der Firma Geislinger profitierte beispielsweise auch das Unternehmen Palfinger Marine von dem wachsenden Offshore-Markt. In europäischen Meeren wurden im vergangenen Jahr 754 Windräder in 22 Windparks mit einer Gesamtleistung von 3.019 Megawatt errichtet. Insgesamt 18 Milliarden Euro wurden dafür investiert.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *