Jeder vierte Deutsche betrachtet EU-Mitgliedschaft als Risiko

Für jeden vierten Deutschen überwiegen derzeit die Nachteile einer EU-Mitgliedschaft. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in acht EU-Staaten hervor. In anderen EU-Länder die Zahl der EU-Skeptiker jedoch höher.

25 Prozent der Deutschen sehen mehr Nach- als Vorteile in einer Zugehörigkeit zur EU. Für 34 Prozent ist es allerdings andersherum. Damit ist Deutschland nach Angaben der SPD-nahen Stiftung neben Spanien eines von lediglich zwei von der Befragung erfassten Ländern, in denen die Bürger tendenziell eher Chancen als Risiken mit der EU verbinden.

In den anderen ist der Anteil der Skeptiker größer als der der EU-Freunde. Das gilt etwa für Frankreich (Nachteile: 34 Prozent, Vorteile: 23), Schweden (38 zu 23) und Italien (41 zu 27). Schlusslicht ist das Nachbarland Tschechien (44 zu lediglich 13).

Worauf die unterschiedliche Verteilung der EU-Sympathien zurückzuführen sind, ist der Stiftung zufolge nicht klar ersichtlich. „Die Unterschiede verlaufen quer zur Dauer der Mitgliedschaft, quer zu den wirtschaftlichen Voraussetzungen und auch quer zur Religion.“ So sei das ökonomisch eher angeschlagene Spanien betont EU-freundlich, während dies für das ähnlich positionierte Italien ebenso wenig gelte wie für das prosperierende Schweden.

In der großangelegten Studie hatte das Meinungsforschungsinstitut policy matters im September und Oktober vergangenen Jahres im Auftrag der FES in den acht EU-Ländern 7000 Menschen ausführlich befragt, um deren Erwartungen an Europa zu ermitteln. Dabei stellte sich unter anderem auch heraus, dass die Erwartungen zur Machtverteilung zwischen der EU und dem eigenen Nationalstaat je nach Themenfeld deutlich schwanken.

So sprechen sich die Bürger im Schnitt mehrheitlich zwar für eine Verlagerung von außen- und sicherheitspolitischen Aufgaben auf die EU-Ebene aus, ebenso wollen sie europäische Lösungen bei Datenschutz und Zuwanderung. Bei der Haushaltspolitik oder bei sozialpolitischen Entscheidungen sollten jedoch die Staaten allein entscheiden.

„Die aktuelle pauschale Debatte über mehr oder weniger Europa geht an den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger des Kontinents vorbei“, erklärte der FES-Vorsitzende Kurt Beck dazu. Während sich die europäische Öffentlichkeit für zentrale Probleme „klare europäische Antworten“ wünsche, setze sie an anderer Stelle auf nationale Lösungen.

Deutschland genießt als europäische Führungsnation der Umfrage zufolge weiterhin hohes Ansehen in den sieben anderen teilnehmenden Staaten. Länderübergreifend haben demnach etwa Zweidrittel der Befragten großes oder sogar sehr großes Vertrauen in Deutschland.

 

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