Langsames Internet gefährdet Industrie 4.0 im Mittelstand

Schätzungen gehen bis 2020 von wirtschaftlichen potenzialen der Industrie 4.0 in Umsätzen in Höhe von 20 bzw. 30 Milliarden Euro aus. Zudem kann, einmal investiert, in unterschiedlichen Bereichen der Produktion ein Einsparpotenzial zwischen zehn und 70 Prozent erreicht werden. Erst...

Schätzungen gehen bis 2020 von wirtschaftlichen potenzialen der Industrie 4.0 in Umsätzen in Höhe von 20 bzw. 30 Milliarden Euro aus. Zudem kann, einmal investiert, in unterschiedlichen Bereichen der Produktion ein Einsparpotenzial zwischen zehn und 70 Prozent erreicht werden.

Erst im vergangenen Jahr betonte die Bundesregierung, dass sie die Wirtschaft beim Stichwort Industrie 4.0 unterstützen wolle. Vor allem hinsichtlich der Vernetzung und der Datensicherheit kündigte Gabriel stärkere Zusammenarbeit an. „Der Rohstoff Daten muss besser genutzt werden. Daten sind die neue Wertschöpfungsquelle“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel beispielsweise damals auf der Hannover Messe. Dieses Geschäft dürfe nicht den Konkurrenten aus den USA oder Asien überlassen werden.

Doch viel ist seitdem nicht geschehen. Wie eine aktuelle Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, sind der schlechte Zugang zu Breitband und die Internetkriminalität weiterhin die größten Hindernisse für den deutschen Mittelstand in Sachen Industrie 4.0. Entsprechend unterrepräsentiert ist die Industrie 4.0 im deutschen Mittelstand. Lediglich fünf Prozent der Mittelständler sind der FES-Studie zufolge „umfassend vernetzt“. Jeder dritte ist erst einmal dabei, Pläne zu entwickeln bzw. erste Maßnahmen zu ergreifen. „Zu den in Sachen Industrie 4.0 führenden Branchen zählen die Hersteller von Gummi und Kunststoff sowie der Maschinen und Anlagenbau.“

Dennoch: Im Verarbeitenden Gewerbe beschäftigen sich derzeit gerade einmal zehn Prozent intensiv mit der Industrie 4.0. Im Maschinen- und Anlagebau sind es knapp doppelt so viele. Weiterhin besteht ein starker Zusammenhang zwischen der jeweiligen Größe eines Unternehmens und der Umsetzung von Industrie 4.0. „Großunternehmen sind in der Einbindung ihrer Produktionsanlagen in übergeordnete IT-Systeme deutlich weiter als mittlere Unternehmen und mittlere Unternehmen wiederum weiter als kleine Unternehmen.“

Gerade bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen ist eine der großen Herausforderungen, „den Datenfluss zu den angrenzenden internen und externen Bereichen herzustellen, um den Austausch von Produktionsdaten horizontal zu Lieferanten und Kunden oder vertikal für Vertrieb, Planung, Service oder das Controlling zu ermöglichen“, so die Studie. Für KMU sei diese Herausforderung deshalb besonders groß, weil sie oftmals über weniger Ressourcen und Know-how verfügen als Großunternehmen.

Hier spielt auch die verfügbare Infrastruktur eine wesentliche Rolle. So liegt Deutschland in Sachen Breitbandversorgung international im oberen Mittelfeld. Doch die dafür zugrunde liegende von der International Telecommunication Unit (ITU) zwei Megabit pro Sekunde als Breitbandverbindung bezeichnete Übertragungsgeschwindkeit genügt nicht. „Diese Übertragungsgeschwindigkeit ist keinesfalls ausreichend, um eine unternehmensübergreifende internetbasierte Produktion zu organisieren oder nachgelagerte Dienstleistungen wie die Auswertung von Echtzeitdaten zu realisieren“. Dafür seien eher stabile Hochleistungsübertragungswege über Glasfaserkabel erforderlich. Hier allerdings, in Sachen Glasfaserkabel, liegt Deutschland mit einer Glasfaser-Quote von lediglich einem Prozent auf dem letzten Platz in Europa. Viele mittelständische Unternehmen sind in ländlichen Regionen anzutreffen, da sieht die digitale Infrastruktur oftmals noch schlechter aus.

Die fehlenden Standards bei den Technologien, gerade, wenn es um Schnittstellen zwischen den betriebseigenen Maschinen und um den Datentransfer geht, sind ein weiterer Grund für das langsame Vorankommen der Industrie 4.0. Zunehmende Cyberattacken und unterschiedliche Software-Angebote verunsichern die Mittelständler genauso wie die Frage nach der richtigen Cloud. Die fehlenden Richtlinien und die zahlreichen Angebote halten viele Unternehmer noch davon ab, eine entsprechende Investition zu tätigen. Schließlich könnte sich nach zwei Jahren herausstellen, dass das System nicht sicher ist oder es an Kompatibilität fehlt.

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