Schwacher Euro stützt deutsche Exporte

Die deutsche Wirtschaft hat 2015 dank des schwachen Euros trotz der schwachen Weltkonjunktur einen Exportrekord geschafft. Für fast 1,2 Billionen Euro verkauften sie Waren ins Ausland - 6,4 Prozent mehr als 2014. Gegen Ende des Jahres waren die Exporte aber überraschend stark gesunken.

Deutschlands Exporte haben im vergangenen Jahr ein neues Rekordhoch erreicht. Die Unternehmen führten 2015 Waren im Wert von 1,196 Billionen Euro aus, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag aufgrund vorläufiger Berechnungen mitteilte. Das waren 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch die Importe und der Außenhandelsüberschuss erreichten demnach neue Rekordwerte. Eingeführt wurden Waren im Wert von 948 Milliarden Euro, ein Plus von 4,2 Prozent zum Vorjahr. Die Außenhandelsbilanz schloss laut Statistik mit dem bislang höchsten Überschuss von 247,8 Milliarden Euro. Der bisherige Höchstwert lag 2014 bei 213,6 Milliarden Euro.

Die meisten Waren aus Deutschland gingen in Länder der Europäischen Union, und zwar im Wert von knapp 694 Milliarden Euro. Das waren 7,0 Prozent mehr als im Vorjahr. In Staaten außerhalb der EU führten die deutschen Unternehmen laut Statistik Waren im Wert von knapp 502 Milliarden Euro aus, das war ein Plus von 5,6 Prozent.

„Die Außenhandelsdaten zeigen, dass die deutschen Exporteure zunehmend eine schwächere  Nachfrage spüren. Für die längste Zeit im Jahr haben die Exporte vom schwachen Euro profitiert, vor allem die Ausfuhren in die USA“, sagte Carsten Brzeski von der ING DIBA. „Die Daten belegen, dass auch für die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone nicht alles glatt läuft. Die deutsche Industrie steht immer noch auf wackligen Beinen.“

Im Dezember spürten die deutschen Exporteure allerdings Widerstand. Die Ausfuhren gingen im Vergleich zum Vormonat um 1,6 Prozent zurück. Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet. Auch die Produktion wurde im Dezember zurückgefahren. Sie fiel bereinigt 1,2 Prozent niedriger als im November aus.

Die Zeit des überschäumenden Wachstums im China-Geschäft ist erst einmal vorbei. 2015 sanken die Ausfuhren ins Reich der Mitte – zum ersten Mal seit 1997. Sie nahmen um mehr als vier Prozent auf gut 65 Milliarden Euro ab. Für 2016 erwarten die meisten Experten bestenfalls eine leicht anziehende Nachfrage. China bleibt trotzdem einer der fünf größten Abnehmer deutscher Waren.

Rezession, Ölpreiseinbruch, westliche Sanktionen: War Russland noch vor wenigen Jahren der am schnellsten wachsende deutsche Exportmarkt, so gehört er wegen dieser drei Faktoren inzwischen zu den am kräftigsten schrumpfenden. Um ein Viertel sind die Umsätze eingebrochen, nachdem es 2014 ähnlich stark nach unten ging. Experten erwarten erst 2017 wieder ein Plus.

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