Hamburger Hafen kämpft mit Einbrüchen im China- und Russlandhandel

Der Hamburger Hafen ist im Containerumschlag hinter Rotterdam und Antwerpen auf den dritten Platz in Europa zurückgefallen. Schuld sind Probleme in China und Russland - und Besserung ist nicht in Sicht.

Ein stark rückläufiger Containerverkehr mit seinen beiden Haupthandelspartnern China und Russland hat dem Hamburger Hafen im vergangenen Jahr gründlich die Bilanz verhagelt. Die Zahl der umgeschlagenen 20-Fuß-Standardcontainer (TEU) sank im Vergleich zu 2014 mit 9,3 Prozent deutlich auf 8,8 Millionen, teilten die Hafenbehörden und -betriebe am Mittwoch mit.

Demnach fiel Hamburg in der Rangliste der größten europäischen Containerhäfen auf den dritten Platz hinter Antwerpen ab, das seinen Umschlag steigerte. Nummer eins blieb Rotterdam.

Die nordeuropäischen Containerhäfen konkurrieren stark. Für Hamburg war es im Containerumschlag zugleich das schlechteste Jahr seit 2010. Damals waren 7,9 Millionen TEU im- und exportiert worden.

Der Containerumschlag ist das wichtigste Standbein des Hamburger Hafens. Teils deutliche Steigerungen beim Massengutumschlag von Kohle und Getreide konnten das Minus dort nicht auffangen. Die Gesamtmenge des Seegüterumschlags sei im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 137,8 Millionen Tonnen gesunken, hieß es auf der Jahrespressekonferenz des Hafens.

Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) warnte dennoch vor übertriebenen Reaktionen. „Wirtschaftliche Schwankungen sind für uns nichts Neues, sie gehören zum Geschäft“, erklärte er. „Ich warne dringend davor, Krisen herbeizureden.“ Das schade nur dem Hafen. Unbestritten sei allerdings, dass dieser vor „großen Herausforderungen“ stehe.

China ist im Containerbereich der mit Abstand bedeutendste Handelspartner Hamburgs, das für Waren aus dem Reich der Mitte das traditionelle Tor nach Mittel- und Osteuropa ist. Viele der Container werden dort auf kleinere Schiffe umgeladen, die sie über die Ostsee weitertransportieren. Der Umschlag sank 2015 um 14,4 Prozent auf 2,54 Millionen TEU.

Grund ist der schwächelnde chinesische Außenhandel, hinzu kommen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des unter anderem mit Sanktionen belegten Russland. Der Containerverkehr mit dem für Hamburg traditionell zweitwichtigsten Handelspartner Russland brach aufgrund der fortgesetzten ökonomischen Misere dort um mehr als ein Drittel ein. Diese Entwicklungen sei durch steigende Containerumschlagszahlen mit anderen Partnern wie Malaysia, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Mexiko nicht auszugleichen gewesen, erklärte Axel Mattern, Vorstand der Marketing-Organisation der Hamburger Hafens.

Hamburg ist Deutschlands größter Seehafen und einer der wichtigsten Containerhäfen in Europa sowie weltweit. In den vergangenen Jahren hatte sich der Containerumschlag dort allmählich wieder vom Einbruch des Welthandels während der globalen Finanzkrise 2008 erholt und fast wieder das Niveau der Zeit unmittelbar davor erreicht. Seinen bisherigen Höchststand hatte der Hafen 2007 mit 9,9 Millionen im- und exportierten TEU verzeichnet.

Die CDU-Opposition in der Hamburger Bürgerschaft sprach von einer „schweren Krise“ des Hafens. Senator Horch müsse sich „der Realität stellen“ und ein Konzept zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Hafens vorlegen, erklärte deren Hafenexperte Ralf Niedmers.

 

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