Österreich Unternehmen investieren mehr als deutsche Firmen

Sowohl Unternehmensseite als auch mit Blick auf staatliche Institutionen setzen die Österreicher seit Jahren mehr auf Investitionen als die Deutschen. Doch auch hierzulande sind die Investitionen in den vergangenen Jahren insgesamt geringer geworden. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung wird sich das in den nächsten Monaten kaum ändern.

Österreichs wirtschaftliche Situation ist weiterhin angespannt. Nach einem Wachstum von nur 0,3 Prozent des BIP im dritten Quartal 2015 wird auch für 2016 kein großer Sprung erwartet. Das zeigt auch der WIFO-Frühindikator, der „konjunkturelle Wendepunkte der österreichischen Gesamtwirtschat zeitnah“ anzeigen soll, so das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung. Zum Januar ist der Indikator auf den Stand von September/ Oktober 2015 zurückgefallen. Bis auf die Indikatoren „Zahl der offenen Stellen“, „Vertrauensindikator Bau“ und „Produktionsentwicklung i. d. Sachgütererzeugung (Deutschland)“ sind alle anderen acht Indikatoren gesunken.

So ist davon auszugehen, dass die Investitionstätigkeit der österreichischen Unternehmen und staatlichen Institutionen in diesem Jahr weiter auf einem niedrigen Niveau verharren werden. Dennoch sind die Investitionen höher als die von deutschen Unternehmen und staatlichen Institutionen, wie eine aktuelle Eurostat-Analyse verrät. In Österreich machten die Investitionen insgesamt 22,36 Prozent des BIP aus, deutlich mehr als der EU-Durchschnitt (19,80 %) und Deutschland (20,7 %). Und das, obwohl die Investitionen in Österreich seit 2012 zurückgehen. Und 1998 lagen diese noch bei 25,58 Prozent des BIP. Länder wie Norwegen, Schweden, Rumänien und Lettland, Estland und Tschechien investieren sogar noch mehr als Österreich und Deutschland.

In Österreich investieren vor allem die Unternehmen des Landes mehr als die deutschen. Während diese in Deutschland etwa 11,52 Prozent des BIP investieren, sind es in Österreich 14,24 Prozent. Die österreichischen Staatsinvestitionen hingegen sind mit 2,89 Prozent sehr gering. Diese hatten von 2006 bis 2009 noch einmal deutlich zugenommen.

2015 ist mit einem leichten Anstieg der Unternehmensinvestitionen zu rechnen. Der Index für Brutto-Anlageinvestitionen real des WKO lag für 2015 bei 123,7 Punkten. 2014 betrug er noch 122,6 Punkte. Die Ausrüstungsinvestionen real lagen 2,6 Prozent höher als im Vorjahr, die Bauinvestitionen hingegen gingen um ein Prozent zurück. Für 2016 und 2017 rechnet das WKO mit einem kontinuierlichen Anstieg der Brutto-Anlageninvestitionen auf 128,6 Punkte. Die aktiven Direktinvestitionen der Unternehmen waren im ersten Halbjahr 2015 auf 6,4 Milliarden Euro gestiegen, die Zahlen der Österreichischen Nationalbank zeigen.

Lediglich bei den Investitionen der Haushalte liegt Deutschland vor Österreich. Diese beliefen sich 2014 in Deutschland auf 6,38 Prozent des BIP und in Österreich auf 5,23 Prozent des BIP. Nichtsdestotrotz gehört Österreich auch hier noch zum oberen Mittelfeld in Europa.

„Das Investitionsniveau in der EU ist seit seinem Höchststand im Jahr 2007 preisbereinigt um etwa 15 Prozent gesunken und liegt damit deutlich unter seinem historischen Trend“, heißt es im Bericht der Expertenkommission im Auftrag des deutschen Bundesministers Gabriel. So werden in Europa insgesamt etwa 430 Milliarden Euro mehr investiert als vor sieben Jahren.

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